Arbeiter bei der Ernte auf einem Rhabarberfeld. | WDR/Philip Raillon

Landwirte und Kirchen Gemeinsamer Aufruf zum Artenschutz

Stand: 02.10.2022 17:36 Uhr

Kirchen und Landwirtschaftsverbände sorgen sich um die Artenvielfalt und Ökosysteme. Zum Schutz der biologischen Vielfalt müssten die Landwirte beitragen - aber auch alle Konsumenten seien gefragt.

Anlässlich des Erntedankfests haben kirchliche Verbände, Landfrauen und der Deutsche Bauernverband zur Bewahrung der biologischen Vielfalt aufgerufen. Ein wertschätzendes Konsumverhalten, die Nutzung regionaler und saisonaler Lebensmittel sowie kurze Lieferketten und Direktvermarktung böten die Chance, Artenvielfalt zu fördern und zu schützen.

Zugleich erinnerten die Organisationen an die katastrophale Ernährungssituation in den ärmsten Ländern der Erde und die Nahrungsmittelkrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

"Umgang mit der Natur"

"Die biologische Vielfalt ist die Grundlage für stabile Ökosysteme, die Landwirtschaft und unseren Lebensraum. Im ökologischen Gleichgewicht sind Pflanzen und Tiere mit dem Erdreich, den Flüssen und Meeren sowie mit dem Klima vernetzt", betonen die Katholische Landvolkbewegung Deutschland, die Evangelische Kirche in Deutschland, der Deutsche Landfrauenverband und der Deutsche Bauernverband in einer gemeinsamen Erklärung.

"Jahr für Jahr wird es dringlicher, den Umgang mit der Natur zu beleuchten." Die Welt befinde sich derzeit im sechsten großen Artensterben: Durch Bebauung, Versiegelung und Homogenisierung natürlicher Lebensräume, durch Abholzung, Intensivierung, Klimawandel, Überfischung und durch Schadstoffeinträge in Boden, Wasser und Luft trügen die Menschen dazu bei, dass immer mehr Arten ausstürben.

Natur- und Artenschutz

Die Landwirtschaft sei deshalb gefordert, den Natur- und Artenschutz zum Standbein bäuerlichen Handelns auszubauen, heißt es. Sie sei ein Teil der Lösung beim Umwelt-, Klima- und Artenschutz. "Naturschutzmaßnahmen, die sowohl ökologisch wirksam sind als auch in die Bewirtschaftungskonzepte moderner Landwirtschaftsbetriebe passen, können den Erhalt natürlicher Ressourcen und der Artenvielfalt unterstützen."

Es gelte, die weltweite Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie nachwachsenden Rohstoffen zu bedienen und gleichzeitig den Transformationsprozess weiterhin fest im Blick zu behalten.

Ukraine-Krieg zeigt Versorgungsprobleme

Die Verbände betonten, dass der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auf dramatische Art und Weise zeige, "dass Versorgungssicherheit nicht selbstverständlich ist". Kriege, die zusätzliches Leid und Lebensmittelknappheit hervorbringen, müssten beendet werden. "Zudem bitten wir alle, die an der Herstellung und Verteilung von Lebensmitteln mitwirken, sich ihrer Verantwortung für die Schöpfung und deren Schutz bewusst zu stellen."

In mehreren Städten und Gemeinden baten Initiativen, Tafeln und kirchliche Gruppierungen um Lebensmittelspenden für Bedürftige. Sie verwiesen darauf, dass immer mehr Bürger und Flüchtlinge durch hohe Preise Probleme hätten, sich angemessen zu ernähren.