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Ehemalige Gazprom-Tochter Ex-Germania braucht womöglich weitere Kredite

Stand: 19.08.2022 17:51 Uhr

Der Bund hatte sie in Treuhänderschaft übernommen, umbenannt und mit fast zehn Milliarden Euro gestützt. Nun scheint die ehemalige Gazprom-Tochter Germania, heute SEFE, weiteres Geld vom Staat zu benötigen.

Der Bund stellt sich offenbar darauf ein, dass die ehemalige deutsche Gazprom-Tochter Germania weitere öffentliche Gelder braucht. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" reicht der bisherige Kredit über 9,8 Milliarden möglicherweise nicht aus. Das von der Bundesnetzagentur in Treuhänderschaft übernommene und in Securing Energy for Europe (SEFE) umbenannte Unternehmen werde eventuell nicht mit dem Darlehen der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) auskommen, heißt es in dem Bericht weiter.

Das KfW-Darlehen soll nach früheren Angaben der Regierung eine etwaige Insolvenz abwenden. Das Geld diene dabei der Liquiditätssicherung und der Ersatzbeschaffung von Gas nach weggefallenen russischen Lieferungen.

Einkaufspreise "deutlich höher als angesetzt"

SEFE-Treuhänder Egbert Laege sagte dem "Spiegel", die Gas-Einkaufspreise seien "heute deutlich höher, als wir in unserer ursprünglichen Kalkulation angesetzt hatten". Die Versorgung zu sichern, werde daher "voraussichtlich mehr kosten als wir dachten", fügte er hinzu. "Wir müssen deshalb schauen, ob das Geld reicht oder nicht".

Laege zeigte sich dem Blatt zufolge zuversichtlich, dass der Bund notfalls weiteren Kredit geben werde. "Weil der Bund die SEFE mit seinem Kredit langfristig stabilisieren wollte, glaube ich: Wenn mehr Geld gebraucht würde, würde es auch zur Verfügung gestellt." 

Gleichzeitig hofft Laege auf Entlastung durch die Gasumlage ab Oktober. Laut "Handelsblatt"-Informationen hat SEFE bereits beantragt, an dem Programm teilzunehmen. Gasimporteure sollen darüber 90 Prozent ihrer Zusatzkosten, die wegen der Drosselung der russischen Lieferungen entstehen, weiterreichen können. Diese Zusatzkosten sollen auf alle Endkunden verteilt werden.

Treuhänder geht nicht von Notfallstufe aus

Laege äußerte sich im Interview mit dem "Spiegel" auch zuversichtlich, dass Gas im Winter nicht rationiert werden müsse. "Ich bin Optimist und glaube, dass wir um die höchste Alarmstufe, die Notfallstufe, herumkommen". Die Füllstände der Speicher seien für die Jahreszeit mit rund 78 Prozent ermutigend, gleichzeitig führten die hohen Gaspreise dazu, dass der Verbrauch sinke.

Die Bundesnetzagentur hatte die Firma im März in Treuhänderschaft übernommen, um eine Schließung zu verhindern. SEFE ist unter anderem in den Bereichen Energiehandel, Gastransport und Betrieb von Gasspeichern tätig.