Am Erinnerungsort zum Attentat bei den Olympischen Spielen 1972 stehen junge Frauen neben einem Kranz des bayerischen Ministerpräsidenten.  | picture alliance/dpa/dpa-Pool

Olympia-Attentat 1972 Hoffen auf eine Lösung

Stand: 12.08.2022 15:13 Uhr

Im Streit über die Entschädigung der Angehörigen der Opfer des Olympia-Attentats von 1972 hofft die Bundesregierung weiter auf eine Lösung. Der Antisemitismusbeauftragte hält das deutsche Angebot für fair.

Nachdem die Angehörigen der israelischen Opfer des Münchner Olympia-Attentats ihre Teilnahme an der Gedenkfeier abgesagt haben, rufen verschiedene Stellen zu einer einvernehmlichen Lösung auf. "Die Bundesregierung verleiht ihrer Hoffnung Ausdruck, dass ein Weg gefunden wird, damit sich die Hinterbliebenen doch noch entschließen können, an der Gedenkveranstaltung am 5. September teilzunehmen", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Man sei zu weiteren Gesprächen bereit.

Zehn Millionen Euro angeboten

In einem Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder hatten die Hinterbliebenen den jüngsten Vorschlag zu Entschädigungen zurückgewiesen: "50 Jahre Schmähung, Lügen, Erniedrigung und Abweisung durch die deutsche Regierung und insbesondere bayerische Behörden sind mehr als genug für uns."

Dem Vernehmen nach sollten die bereits 1972 und 2002 gezahlten 4,5 Millionen Euro für die Angehörigen der Opfer auf insgesamt zehn Millionen Euro aufgestockt werden.

Vor 50 Jahren, am 5. September 1972, hatten palästinensische Terroristen einen Anschlag auf die Olympischen Sommerspiele in München verübt. Elf Mitglieder des israelischen Teams und ein Polizist starben.

Antisemitismusbeauftragter: "Faires Angebot"

Der Bundesopferbeauftragte Pascal Kober appellierte, weiter nach einen Kompromiss in dem Streit zu suchen. Er wisse, dass es zur Aufarbeitung und zur bisher geleisteten Entschädigung unterschiedliche Sichtweisen gebe - "auch unter den Angehörigen", sagte Kober dem "Spiegel".

"Deutschland trägt eine politische Verantwortung, der wir uns stellen müssen, auch und insbesondere im Hinblick auf das einzigartige Verhältnis zu Israel", sagte der FDP-Politiker. "Als Bundesopferbeauftragter würde ich mir wünschen, dass gerade auch im Hinblick auf die Zeit, die seit dem Anschlag vergangen ist, eine Lösung gefunden wird, die die Interessen aller Beteiligten bestmöglich vereint."

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verteidigte das Angebot an die Hinterbliebenen: "Ich bin der Auffassung, dass die Bundesregierung den Angehörigen und Hinterbliebenen des Olympia-Attentats ein faires Angebot gemacht hat", sagte er. "Es ist an der oberen Grenze dessen, was man heute als Opfer einer terroristischen Straftat bekäme."

Teil des Angebots sei auch eine Historiker-Kommission, die die Ereignisse von 1972 noch einmal historisch-politisch aufarbeitet. Die Bundesregierung sei auch bereit, Vorschläge anzunehmen, wie diese Kommission besetzt werden könnte.

Wohl Absage des israelischen Staatspräsidenten befürchtet

Die bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung hatten die Absage der Angehörigen zuvor bedauert. Diese hatten bereits Anfang August den israelischen Präsidenten Isaac Herzog gebeten, der Gedenkveranstaltung ebenfalls fernzubleiben.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" befürchten offizielle Stellen inzwischen eine Absage des Staatspräsidenten bei der zentralen Gedenkveranstaltung. "Wenn die Familien der Gedenkfeier fernbleiben, wird es auch für den Präsidenten sehr schwierig werden teilzunehmen", zitierte die Zeitung einen mit den Vorgängen vertrauten Regierungsbeamten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2022 um 06:17 Uhr.