Ein weißer Bauzaun mit der Auschrift "Corona Testzentrum - Landkreis Garmisch-Partenkirchen". | Bildquelle: dpa

Corona-Ausbruch in Garmisch Ermittlungen gegen Superspreaderin

Stand: 14.09.2020 18:07 Uhr

Es geht um den Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung: Nach dem Corona-Ausbruch in Garmisch-Partenkirchen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine mutmaßliche "Superspreaderin". Ministerpräsident Markus Söder fordert Konsequenzen für die Frau.

Die Staatsanwaltschaft München hat ein Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßliche "Superspreaderin" von Garmisch-Partenkirchen eingeleitet. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem BR. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung.

Trotz Corona-Symptomen beim Feiern

Die 26-jährige US-Amerikanerin, die in Garmisch-Partenkirchen lebt, soll trotz Symptomen und verordneter Quarantäne durch Bars gezogen sein und möglicherweise zahlreiche weitere Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Nach Angaben des Landratsamts hatte sie sich nach der Rückkehr aus dem Urlaub testen lassen. Bis zum Ergebnis hätte sie in Quarantäne bleiben müssen.

Die Frau arbeitet in einem Hotel für US-Streitkräfte und deren Familien. Die Ferienunterkunft wurde am Montag für zwei Wochen geschlossen, nachdem mehrere Beschäftigte positiv getestet wurden.

Für US-Bürgerin gilt deutsches Recht

Laut Staatsanwaltschaft sind Ermittlungen gegen die US-Amerikanerin aufgrund des Nato-Truppenstatuts erlaubt. Das gebe den bundesdeutschen Strafverfolgungsbehörden das Vorrecht auf Ausübung der Gerichtsbarkeit. Somit könne die Frau auch vor einem deutschen Gericht angeklagt werden, sollte sich der Verdacht bestätigen. Der Strafrahmen für fahrlässige Körperverletzung reicht von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Haft.

Söder und Herrmann fordern Konsequenzen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert Konsequenzen für die mutmaßliche Verursacherin des Corona-Ausbruchs. "Garmisch-Partenkirchen ist ein Musterfall für Unvernunft", sagte Söder am Montag nach einer Kabinettssitzung in München. Der Fall sei ein Beispiel dafür, wie schnell sich Corona-Infektionen verbreiten könnten. "Dieser Leichtsinn muss auch Konsequenzen haben." Es sei deshalb sinnvoll, mit entsprechend "hohen Bußgeldern" zu agieren.

In Bayern kann bei Verstößen gegen Quarantäne-Auflagen ein Bußgeld von 2.000 Euro verhängt werden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach gegenüber dem BR sogar von noch härteren Maßnahmen. Schadensersatzforderungen und der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung müssten geprüft werden. Da sei jetzt die bayerische Justiz am Zug, betonte der Minister auf Bayern 2. Herrmann sprach von einem "krassen Fall", die Frau habe "besonders rücksichtslos gehandelt", weil sie trotz Quarantäneanordnung durch die Kneipen gezogen sei.

700 Corona-Tests am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen

Derweil sind Hunderte Menschen in Garmisch-Partenkirchen dem Aufruf der Behörden gefolgt, einen Corona-Test zu machen. Rund 700 Bürger, darunter viele jüngere Leute, ließen sich am Wochenende testen. Wie viele sich infiziert haben, sei noch unklar, sagte ein Sprecher des Landratsamts. Zahlen sollen am Dienstag bekannt gegeben werden.

In der auch bei Touristen beliebten Stadt an der Zugspitze liegt die Zahl der Neuinfektionen bereits über dem kritischen Wert von 50 Neuinfektionen an sieben Tagen je 100.000 Einwohner. Das Landratsamt verhängte bereits verschiedene Einschränkungen etwa bei den Öffnungszeiten in der Gastronomie.

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Quelle: Regionalnachrichten aus Oberbayern 14.09.2020 - 15:31 Uhr

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