Merkel und Trump | Bildquelle: AP

G20-Auftakt Zwischen Kontroversen und Kompromissen

Stand: 07.07.2017 13:50 Uhr

Rund um die Hamburger Messehallen geht die Polizei mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, während drinnen die Verhandlungen laufen. Der Auftakt ist eher unstrittig, doch dann wartet der Klima-Brocken. Das Ende des Tages soll versöhnlich sein.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Hamburg

"Seine Exzellenz - der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika!" kündigt der Protokoll-Chef des G20-Gipfels den Gast an. Es folgt ein kräftiger, nicht sehr langer Händedruck mit der Kanzlerin auf dem Roten Teppich.

US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel beim Händedruck
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US-Präsident Donald Trump und Kanzlerin Angela Merkel beim Händedruck

Anschließend reckt Donald Trump die Siegerfaust in die Höhe und grüßt genüsslich die Fotografen. Der US-Präsident ist der vorletzte, den Kanzlerin Angela Merkel in den Hamburger Messehallen in Empfang nimmt. Nur noch gefolgt vom Chinesen Xi Jinping, mit dem Merkel dann den Teppich verlässt. In der ersten gemeinsamen Runde der Staats- und Regierungschefs beim G20, dem sogenannten Retreat - ohne Berater - geht es um den Kampf gegen den Terror. Hier dürfte noch weitgehende Einigkeit herrschen. Anders als bei den Programmpunkten danach.

Gestern schon hat die Kanzlerin Donald Trump getroffen. Ein gutes Gespräch, aber mit Konflikten, sagt Außenminister Sigmar Gabriel, der zeitweise auch dabei war: "Das Gespräch, das kann ich nicht anders sagen, war freundlich und aufgeschlossen, es war auch eine echte Diskussion. Es gibt gerade bei den wirtschaftlichen Beziehungen und beim Klimaschutz noch große Differenzen."

"Das ist ein schlechtes Signal"

Streitpunkte, die die Kanzlerin nicht unter den Teppich kehren will, hat sie im Vorfeld immer wieder versprochen. Aber wird Merkel gerade in puncto Klimaschutz eine Koalition gegen Trump auf die Beine stellen? Oder werden sich andere Staaten seinem skeptischen Kurs zum Paris-Abkommen anschließen? Dass sich der US-Präsident ausgerechnet während der Arbeitssitzung zum Klima mit Russlands Präsident Putin trifft, die Sitzung also mindestens teilweise schwänzt, ist kein gutes Zeichen, sagt Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heussen: "Das ist ein schlechtes Signal, dass ausgerechnet diese beiden Herren nicht auftauchen. Wir gehen aber dennoch davon aus, dass Russland dabei bleiben wird und zusammen mit den anderen 18 Staaten zu einem Übereinkommen kommen wird."

Dennoch hat Trumps Kurs auch ein Gutes, sagt Christoph Bals von Germanwatch. Er kann die Entschlossenheit der anderen, sich für das Paris-Abkommen einzusetzen, auch stärker machen: Dies wäre ein ganz großes symbolisches Zeichen, sagt er. Auch für EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist das Klima-Thema das Entscheidende beim G20-Treffen. Juncker fordert die EU zu Geschlossenheit auf: "Es ist für uns auch wichtig, dass wir in puncto Klimaschutz nicht hinter das zurückfallen, was wir in Paris verabredet haben. Das ist das große Zukunftsthema, und dafür muss Europa sich einbringen", fordert Juncker.

Versöhnlicher Ausklang

Die Kanzlerin darf aber nicht nur nach außen energisch für Klimaschutz eintreten, warnt Germanwatch-Geschäftsführer Bals. Sie müsse auch zuhause ihre Hausaufgaben machen: "Man kann sich nicht international für mehr Ambitionen aussprechen und gleichzeitig wird das eigene Klimaziel 2020 krachend gerissen. Oder sich international für die Dekarbonisierung aussprechen, und sich zuhause nicht trauen, den Kohleausstieg auf die Tagesordnung zu setzen."

Egal wie kontrovers der Tag verläuft - für den Abend ist ein versöhnlicher Ausklang geplant: der gemeinsame Besuch der Elbphilharmonie. Nicht umsonst dirigiert Kent Nagano Beethovens 9. - die Ode an die Freude. Wer sich die Europa-Hymne ausgesucht hat? Angela Merkel.

Über dieses Thema berichteten am 07. Juli 2017 die tagesschau um 14:00 Uhr und die ARD in einer Sondersendung „G20 - Der Gipfel in Hamburg“ um 12:15 Uhr.

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