Fußgänger auf einer Straße | Bildquelle: dpa

Pläne für deutsche Städte Mehr Fußgänger, weniger Autos

Stand: 11.10.2018 15:26 Uhr

Die Vorstellungen des Umweltbundesamtes für deutsche Städte klingen ambitioniert: Autos sollen zurückgedrängt, Fußgänger gestärkt werden. Unter anderem solle dafür die Zahl der Parkplätze drastisch reduziert werden.

Gehwege und Zebrastreifen statt Autos und Parkplätze: So will das Umweltbundesamt (UBA) Deutschlands Städte lebenswerter machen und das Klima schonen. Laut einer neuen Fußverkehrsstrategie der Behörde soll die Zahl der Wege, die jeder Bürger zu Fuß zurücklegt, bis 2030 um die Hälfte steigen. Langfristig sollen zwei von drei Parkplätzen in den Großstädten wegfallen. Außerdem soll innerorts flächendeckend Tempo 30 gelten, Gehwege sollen verbreitert und Falschparker schärfer verfolgt werden.

55 Seiten ist die Untersuchung lang, bei der es um den Rückbau der "autogerechten Stadt" geht. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sprach von "revolutionären Vorstellungen". Fußgänger, Radfahrer, Busse und Bahnen sollen demnach Vorrang haben. "Es muss gelingen, den öffentlichen Raum endlich wieder zurückzuerobern", so das Amt.

Breite Gehwege und mehr Zebrastreifen

Wer zu Fuß gehe, tue Gutes für seine Gesundheit, spare Geld und schone die Umwelt. Die Behörde will Wartezeiten an Ampeln verkürzen, fordert 2,50 Meter breite Gehwege als Standard und mehr Zebrastreifen. In den Verwaltungen soll es feste Zuständigkeiten für den Fußverkehr geben.

Nach Vorstellungen des Amtes soll "fußläufige Erreichbarkeit" als Entwurfs- oder Erschließungskriterium in Bau-Regelwerken verankert werden. Denn für Fußgänger liege vieles im Argen: Sie müssten vielfach Umwege, Wartezeiten, Lärm und Abgase in Kauf nehmen. Hohe Bordsteine, Treppen, dunkle Unterführungen, Stolperfallen und parkende Autos auf Gehwegen - zu Fuß zu gehen, sei in vielen Städten zeitraubend und umständlich. Der Städtebau der vergangenen Jahrzehnte habe den Fußverkehr an den Rand gedrängt.

Kurze Autofahrten vermeiden

2015 wurden nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats 537 Fußgänger im Verkehr getötet - gut 15 Prozent aller Verkehrstoten. Lange habe das Auto Vorrang genossen, kritisierte Ratspräsident Walter Eichendorf. Auch wenn neue Radwege geschaffen wurden, ging das meist zulasten der Fußgänger, nicht des Autoverkehrs. Um Erfolg zu haben, müsse die bundesweite Strategie in den Ländern umgesetzt und vor Ort gelebt werden. "Es hängt am Ende an der Verwaltung und der Politik in den Gemeinden."

Städter legen heute 27 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück - ginge es nach der neuen UBA-Strategie, soll dieser Anteil bis 2030 auf 41 Prozent steigen. Auf dem Land streben die Autoren eine Steigerung von 23 auf 35 Prozent an. Studien zufolge sei jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer, und auf Strecken von einigen hundert Metern sei man zu Fuß von Tür zu Tür häufig am schnellsten.

"Fußverkehr und Radverkehr brauchen beide mehr Platz - unabhängig voneinander und zu Lasten des Autos", hieß es dazu von Seiten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Nach dem Vorbild des Radverkehrs will das UBA die Probleme von Fußgängern zunächst ins Bewusstsein rücken, bislang sei das "ein blinder Fleck" der Verkehrspolitik. Die Studie "Geht doch! Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie", die auf dem Fußverkehrskongress in Berlin vorgestellt wird, hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des UBA verfasst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 11. Oktober 2018 um 07:36 Uhr.

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