Die als FDP-Generalsekretärin vorgeschlagene Linda Teuteberg lächelt, im Hintergrund ist Parteichef Christian Lindner zu sehen. | Bildquelle: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX

Linda Teuteberg Perfektionistin mit Erfahrungslücken

Stand: 17.04.2019 17:59 Uhr

Ihre Sätze sind oft lang, ihre Worte kompliziert. Aus Sicht der FDP ist Linda Teuteberg dennoch die Idealbesetzung als Generalsekretärin.

Von Marcel Heberlein, ARD Berlin

Linda Teuteberg ist keine Politikerin, die gern Dinge aus dem Bauch heraus sagt. "Meine größte Schwäche - vielleicht manchmal ein bisschen Perfektionismus", erklärt Teuteberg, als sie in der FDP-Zentrale in Berlin vorgestellt wird.

Klar: Größte Schwäche - Perfektionismus, das wird in jedem Bewerbungstraining empfohlen. Aber bei Teuteberg ist da offenbar was dran. Denn nur einen Moment später lässt sie durchblicken, dass sie eigentlich eine noch bessere Antwort von sich erwartet:

"Ich weiß ja auch noch nicht so lange, dass ich mich bewerbe und werde mir jetzt mal Gedanken machen, wie ich das nächsten Freitag bei den Delegierten gut rüberbringe, was mich ausmacht und wie ich um ihr Vertrauen werbe.“

Lange Sätze, komplizierte Worte

Jetzt bloß alles richtig, und vor allem keinen Fehler machen. Dieses Ziel scheint Teuteberg fest im Blick zu haben. In schon neun Tagen ist Parteitag, dann will sie zur Generalsekretärin gewählt werden.

Ihre Sätze sind lang, ihre Worte oft kompliziert. Etwa, wenn sie zum Beispiel erklärt, wie sie zum neuen Plan von Innenminister Horst Seehofer steht, Flüchtlinge in Abschiebehaft zu nehmen, wenn sie nicht hierbleiben dürfen. Nur in Ausnahmefällen finde sie das vorstellbar, sagt Teuteberg. Aber "wir sollten trotzdem nicht infrage stellen, dass die konsequente Durchsetzung der Ausreisepflicht bei vollziehbar ausreisepflichtigen Personen auch zuverlässig geregelt werden muss."

Lindner hat Teuteberg für Posten vorgeschlagen

Migration ist bisher Teutebergs großes Thema, im Bundestag ist sie dazu Sprecherin der FDP. Parteichef Christian Lindner beschreibt die Juristin als Frau der politischen Mitte - als perfekte Kandidatin quasi, denn in der Mitte verortet Lindner ja auch die FDP. Er lobt die Kandidatin für den Generalsekretärsposten:

"Linda hat es verstanden, zu zeigen, dass auf der einen Seite Weltoffenheit und Empathie auf der anderen Seite nicht im Widerspruch stehen müssen zu Konsequenz und Rechtsstaatlichkeit."

Keine Erfahrung im Landtagswahlkampf

Außerdem kommt Teuteberg aus dem Osten, aus Brandenburg, und sie ist mit 37 Jahren vergleichsweise jung. All das wird dabei geholfen haben, dass Lindner gerade sie als Generalsekretärin vorgeschlagen hat. Einen Landtagswahlkampf hat Teuteberg noch nicht geleitet. In Thüringen und Sachsen käme das im Herbst neu auf sie zu. Lindner sieht darin kein Problem:

"Wir sind eine Mannschaft und in dieser Mannschaft hat Linda Teuteberg jetzt in der Sturmspitze eine andere Position als zuvor, aber sie hat dieser Mannschaft auch schon vorher angehört."

FDP kann mehr Frauen an der Spitze vertragen

Mit Teuteberg würde eine weitere Frau in die erste Reihe der FDP aufrücken. Auch das wird Lindner bei seinem Vorschlag sicher bedacht haben. Denn nach außen wirkt die Partei bisher oft sehr männlich. Nicht mal ein Viertel der FDP-Abgeordneten im Bundestag sind weiblich. Bloß die AfD ist da noch schlechter.

Auch Teuteberg will Frauen in der Partei besser fördern, aber "ohne Quote", sondern mit ganz konkreten Bemühungen, "schon vorhandene und sehr fähige Frauen, die es unter uns Liberalen gibt, zu ermutigen und auch weitere Frauen anzuziehen".

Die guten Frauen setzen sich auch ohne Quote durch - auch mit dieser Meinung steht Teuteberg ganz in der Mitte ihrer Partei.

Linda Teuteberg soll neue FDP-Generalsekretärin werden
Marcel Heberlein, ARD Berlin
17.04.2019 17:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. April 2019 um 16:00 Uhr.

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