Abgestorbene Bäume an dem in weiten Teilen trockenen Speichersee Theewaterskloof in Südafrika | dpa
FAQ

Klimakonferenz in Bonn Was wird aus dem Pariser Abkommen?

Stand: 17.06.2019 12:38 Uhr

Vertreter von fast 200 Staaten kommen in Bonn zu Gesprächen über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens zusammen. Doch was sind noch mal dessen Inhalte? Und in welcher Gefahr befindet sich die Welt?

Von Jan Koch, WDR

Die Zeit laufe ab, warnen nicht nur die Demonstranten der "Fridays For Future"-Proteste. Auch UN-Gerenalsekretär Antonio Guterres stellt klar: "Wir machen zu wenig von dem Vereinbarten, von dem wir schon jetzt wissen, dass es überhaupt nicht ausreichen wird", sagte er erst kürzlich auf einer Wiener Klimakonferenz. Was war denn aber das Vereinbarte?

Jan Koch

Darüber diskutieren ab heute gut 3000 Experten in Bonn. Dort findet eine UN-Klimakonferenz statt, als Vorbereitungskonferenz für den nächsten Weltklimagipfel Ende des Jahres in Chiles Hauptstadt Santiago de Chile.

Neben Guterres, ruft auch die UN-Klimachefin Patricia Espinosa zu dringendem Handeln auf. Es soll in Bonn nachgearbeitet werden, was in Kattowitz verpasst wurde. Dort wurde zwar ein Regelwerk gefasst, aber vor allem was den Handel mit Treibhausgas-Emissionen angeht, waren sich die Teilnehmer final nicht einig. Das soll nun nachgeholt und für Santiago de Chile vorbereitet werden, um einen größeren Erfolg des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.

Was war noch mal das Pariser Abkommen?

196 Vertragsparteien haben Ende 2015 beschlossen: Wir wollen den Kampf gegen den Klimawandel konsequent angehen und dabei die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit beschränken. Zieldatum ist das Ende des Jahrhunderts. Hierbei geht es vor allem um eine Gradgrenze, bei der Wissenschaftler annehmen, dass weltweite Schäden noch einzuschränken sind.

Sicher ist laut Klima-Wissenschaftler, dass es auf der Erde zu "unumkehrbaren Umweltveränderungen" käme, wie auch das Max-Planck-Institut für Meteorologie schreibt. Beispielsweise könnten Permafrostböden für immer auftauen. Der Nordpol droht, nicht mehr regelmäßig einzufrieren. Monsunzeiten könnten durcheinandergeraten und dadurch könnte es in eigentlichen Regenregionen eben keinen Regen geben.

Bundeskanzlerin Merkel und Umweltministerin Hendricks fordern ein verbindliches Klimaabkommen.

Bundeskanzlerin Merkel und die damalige Umweltministerin Hendricks beim Pariser Klimagipfel.

Was war nochmal das 1,5 Grad Ziel?

Nun gibt es allerdings bereits einen Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) aus dem vergangenen Jahr, der beschreibt, dass ein Einhalten von nicht mehr als 1,5 Grad Erwärmung zwar ambitioniert, aber wesentlich wichtiger wäre. "Die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft", erklärte der IPCC letzten Herbst.

Das Abschlussdokument der letzten Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz hat dies anerkannt. Der Streit um Formulierungen dazu war vor allem mit den USA, Russland und Saudi-Arabien schwierig.

Was passiert, sollte das Ziel verfehlt werden?

Die Autoren des IPCC-Berichts schrieben, dass der globale Meeresspiegel bis zum Ende dieses Jahrhunderts bei 1,5 Grad Erwärmung um zehn Zentimeter weniger klettern würde als bei zwei Grad. Einen eisfreien Arktischen Ozean im Sommer gibt es laut IPCC bei 1,5 Grad wahrscheinlich einmal pro Jahrhundert, bei zwei Grad vermutlich "mindestens einmal pro Jahrzehnt". Korallenriffe würden größtenteils verschwinden.

Wenn man sich allein die vergangenen vier Jahre anschaut, so die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dann sind dies die wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Das ist gut 170 Jahre her. Die WMO hat nach dem Auswerten einiger Datensammlungen, die Wärmerekorde als "ein klares Anzeichen für den anhaltenden langfristigen Klimawandel" gewertet.

Welche Maßnahmen werden ergriffen?

Jedes Land, das Teil des Pariser Abkommens ist, verpflichtet sich Klima- und Umweltschutzprojekte voranzutreiben. Dafür ist in dem Abkommen festgehalten, ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Kampf gegen die Erderwärmung in armen Staaten bereitzustellen. Diese Summe soll bis 2025 fließen.

Bisher gibt es einen Weltklimafonds, in den eingezahlt wird und der als eine Art Startkapital 2020 dienen soll. Darin hat Deutschland seinen Beitrag vor der letzten Weltklimakonferenz auf 1,5 Milliarden Euro verdoppelt. Doch wegen des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Abkommen bleibt eine erfolgreiche Finanzierung offen.

Im Energiesektor steuern Staaten individuell um. So hat Deutschland beispielsweise in der sogenannten Kohlekommission beschlossen, den Ausstieg aus dieser Energiegewinnung bis spätestens 2038 umzusetzen. Laut dem ARD-DeutschlandTrend vom Januar begrüßen knapp 60 Prozent der Deutschen einen raschen Kohleausstieg. Umweltverbände halten das angesetzte Datum für zu spät. Unions-Politiker hingegen warnten vor einem zu raschen Ausstieg und hohen Strompreisen.

Auch im Verkehrssektor sind alternative Konzepte wie Elektromobilität oder Biomethan-Treibstoff in den Fokus der Diskussion geraten. Denn neben dem Energiesektor ist der Verkehrssektor ebenso wichtig, um die Wende in der Klimakrise zu schaffen. Hier warnen Verkehrsforscher, dass Deutschland die Wende verschlafe. Frederic Rudolph vom Wuppertal-Institut fordert: "Allein wenn wir an die Klimaziele denken, müssen Städte anfangen umzuplanen." Er plädiert für weniger bis keinen Autoverkehr in Innenstädten und zu einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und von Fahrradwegen.

Was bringen Klimanotstände?

Einzelne deutsche Städte reagieren nun und rufen jede für sich Klimanotstände aus, wie zum Beispiel Konstanz, Kiel oder auch Münster. Der Notstand bedeutet für die Städte die Selbstverpflichtung, dass bei allen zukünftigen Entscheidungen der Klimaschutz berücksichtigt und in seinem Sinne gehandelt werden soll. Kritiker halten das für Symbolpolitik. Klimapolitik könne auch ohne das Label "Klimanotstand" passieren. Münster zum Beispiel will aber als gutes Beispiel vorangehen und mehr gegen den CO2-Ausstoß tun.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau in 100 Sekunden am 17. Juni 2019 um 04:58 Uhr.