Synagoge in Regensburg | Bildquelle: dpa

Neubau für jüdische Gemeinde Regensburg weiht neue Synagoge ein

Stand: 27.02.2019 15:50 Uhr

Die neue Regensburger Synagoge steht an dem Ort, an dem auch 1912 der stolze Vorgängerbau errichtet worden war. Doch sie sieht bewusst völlig anders aus als das von den Nazis zerstörte Gebäude.

Von Tilmann Kleinjung, BR

Die Einweihung einer Synagoge ist ein großes Fest. Dabei geht es weniger um das Gebäude. Die Thora steht im Zentrum, die große Schriftrolle mit dem ersten Teil der hebräischen Bibel, den fünf Büchern Mose. Tanzend und singend werden die Thorarollen in das neue Gotteshaus getragen, wo sie Rabbiner Joseph Chaim Bloch im Thoraschrank verstaut.

Mit dem Segen des Rabbiners wird die neue Synagoge von Regensburg eingeweiht. Für Joseph Chaim Bloch und die Regensburger Gemeinde geht ein Traum in Erfüllung. "Jetzt endlich haben wir einen Saal, wo wir feiern können. Für unsere Leute, aber auch für die Stadt. Und eine Synagoge, die den Namen Synagoge verdient hat", so der Rabbiner.

Neue Synagoge in Regensburg eingeweiht
tagesschau 16:00 Uhr, 27.02.2019

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Erinnerungen an die Zerstörung

Die neue Regensburger Synagoge steht an dem Ort, an dem auch 1912 der stolze Vorgängerbau errichtet worden war, eine Jugendstilsynagoge mit einer imposanten Kuppel. In der Nacht des 9. November 1938, in der die Nationalsozialisten in ganz Deutschland systematisch jüdische Synagogen brandschatzten und zerstörten, ging auch die Regensburger Synagoge in Flammen auf.

An dieses dunkle Kapitel erinnert bei der Einweihung die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg Ilse Danziger: "Eine unkontrollierbare Lust an Zerstörung und Vernichtung, Grausamkeit und Demütigung der Opfer trieb die Terrorkommandos der Nationalsozialisten, die durch die Stadt streiften. Im Schlepptau dieses Kommandos folgte eine anwachsende Menschenmenge. In der Regensburger Pogromnacht brachen sie bei ihren Nachbarn ein, verwüsteten sie ihre Wohnung, misshandelten sie mit tödlichen Folgen."

Die wenigen Regensburger Juden, die den Terror überlebt und in der Stadt geblieben waren, mussten sich am 4. April 1942 an dem Platz, wo einst die Synagoge stand, zum Abtransport in die Vernichtungslager versammeln.

Synagoge in Regensburg | Bildquelle: dpa
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Der Vorgängerbau war 1938 von Terrorkommandos deutscher Nationalsozialisten niedergebrannt worden.

Bauen für die Zukunft

Heute steht hier wieder eine Synagoge, mitten in der Altstadt von Regensburg, unweit des Doms. Den Neubau hat das Büro "Staab‐Architekten" aus Berlin geplant. Architekt Florian Nusser hat sich dabei nicht am historischen Vorbild orientiert. Es ist ein freundlicher, sandfarbener Bau. Im Inneren sorgt die Tannenholzverschalung für eine warme Atmosphäre und gute Akustik. "Wir bauen heute und für die Zukunft, deshalb ist es ein zeitgenössischer Bau", so Nusser. Als einzige Analogie zur alten Synagoge könne man möglicherweise die Kuppel sehen.

Synagoge in Regensburg | Bildquelle: dpa
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Der Neubau kostete neun Millionen Euro.

Kampf gegen Antisemitismus

Das Datum für die Einweihung wurde nicht zufällig gewählt. Vor genau 500 Jahren war die jüdische Gemeinde schon einmal vertrieben worden. Auch 1519 wurde die Synagoge zerstört und das ganze jüdische Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Für den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo ist diese jahrhundertealte Verfolgungsgeschichte Mahnung, im Kampf gegen Antisemitismus nicht nachzulassen: "Jeder von uns muss dafür sorgen, dass der offene und verdeckte Antisemitismus keine Chance hat. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens. Wir dürfen nicht zusehen, wenn jüdische Mitbürger angefeindet werden, wenn sie eine Kippa tragen."

Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Joseph Schuster, ist die Einweihung einer neuen Synagoge eines der schönsten und wichtigsten Ereignisse für eine Gemeinde und eine Stadt. Denn darin zeige sich, so Schuster bei der Einweihung, der Wille der jüdischen Gemeinschaft, ihr Dasein lebensbejahend und zukunftsorientiert in Deutschland zu gestalten.

Einweihung der neuen Synagoge in Regensburg
Tilmann Kleinjung, BR
27.02.2019 14:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 27. Februar 2019 die tagesschau um 16:00 Uhr und B5 aktuell um 17:02 Uhr.

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