E-Scooter | Bildquelle: dpa

Verkehrsgerichtstag in Goslar E-Scooter = Problemscooter?

Stand: 29.01.2020 09:06 Uhr

Rücksichtslose Fahrer, missachtete Verkehrsregeln, achtlos abgestellte Fahrzeuge, viele Unfälle, schwere Verletzungen - und kaum Nutzen für den Mobilitätsmix: Experten sehen E-Scooter zunehmend kritisch.

Sie sind klein und schnell und meiden jeden Stau - sagen die einen. Sie sind gefährlich und liegen viel zu oft im Weg herum - sagen die anderen. Die Rede ist von E-Scootern. Seit ihrer Einführung im vergangenen Jahr scheiden sich an den elektrischen Rollern die Geister. Auch beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag, der heute in Goslar beginnt, dürfte es Debatten geben.

Verkehrsregeln oft missachtet

Kritiker bemängeln die Verkehrssicherheit von E-Scootern. Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat missachten viele Fahrer die Straßenverkehrsordnung, fahren unerlaubt auf Gehwegen oder verursachen Unfälle durch Unachtsamkeit, Ablenkung, mangelndes Fahrkönnen oder gar Trunkenheit.

"Wir beobachten, dass E-Scooter durch Fußgängerzonen rasen und sich durch penetrantes Klingeln freie Fahrt verschaffen", klagt der Automobilclub Deutschland. Dabei gehören die Roller auf den Radweg oder - fehlt dieser - auf die Straße. Auch eine Studie des ADAC belegt, dass viele Fahrer sich herzlich wenig um Verkehrsregeln scheren: Ein Viertel von 4000 beobachteten Nutzern verstießen gegen die Straßenverkehrsordnung.

Ein E-Scooter liegt umgekippt auf der Straße und gefährdet den Verkehr. | Bildquelle: dpa
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Von den Benutzern achtlos abgestellte E-Scooter sorgen in deutschen Innenstädten für Ärger.

Entlastung der Straßen?

Allerdings hofft der ADAC darauf, dass E-Scooter in nennenswertem Umfang Autos ersetzen - vor allem auf Kurzsstrecken. Und auch der Autoclub Europa ACE ist optimistisch: "Wenn E-Scooter genutzt werden, um den Weg zum Wohnort zur Haltestelle des Öffentlichen Personennahverkehrs zu überbrücken, machen sie den ÖPNV attraktiver", so ein Sprecher.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherer moniert, dass E-Scooter keineswegs einen echten Beitrag zur Verkehrswende leisten, weil sie in Städten meist von Touristen genutzt würden, die ansonsten zu Fuß unterwegs wären. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC stellt einen sinnvollen Beitrag zum modernen Mobilitätsmix in Abrede. "Sie produzieren eher zusätzlichen Verkehr", konstatiert eine Sprecherin.

Mangelnde Sicherheit

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Roller seien aufgrund ihrer Bauweise unfallträchtig. "Man steht relativ unbequem darauf und kippelt", so die ADFC-Sprecherin. Die kleinen Räder reagierten zudem anfällig auf unebene Fahrbahnen. Die AG Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins sieht eine große Gefahr darin, dass E-Scooter nur schwer einhändig gelenkt werden können und viele Fahrer deshalb eine Richtungsänderung nicht anzeigen. Dadurch entstünden immer wieder gefährliche Situationen im Straßenverkehr.

Eine belastbare Statistik über Unfälle mit E-Scootern in Deutschland gibt es bislang noch nicht. Erst seit Jahresbeginn gibt es dazu eine eigene Kategorie. Laut Verkehrssicherheitsrat wurden zuletzt aber allein in Nordrhein-Westfalen 150 schwere Unfälle mit den Elekrorollern gezählt. Die Verkehrsexperten fordern deshalb umfassendere Sicherheitsmaßnahmen wie Blinker und breitere Reifen sowie eine Helmpflicht und Kenntnisnachweise für Fahrer. Außerdem müssten Radwege ausgebaut werden.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. Januar 2020 um 11:07 Uhr.

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