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ARD-DeutschlandTrend Die Deutschen wollen von E10 nichts wissen

Stand: 10.03.2011 22:27 Uhr

Eine Mehrheit der Deutschen möchte den neuen Kraftstoff E10 am liebsten wieder abschaffen, tanken wollen ihn die wenigsten. In der Beliebtheitsskala der Politiker liegt ein Zurückgetretener vorn: Karl-Theodor zu Guttenberg steigerte seine Zustimmungswerte sogar um fünf Punkte gegenüber dem Vormonat.

Von Jörg Schönenborn, WDR

Ratlos vor der Zapfsäule
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Die Deutschen stehen dem neuen Treibstoff äußerst skeptisch gegenüber.

Die Deutschen streiken weiter, und zwar die Autofahrer, nicht die Lokomotivführer. Zwei Tage nach dem Benzingipfel im Bundeswirtschaftsministerium offenbart der ARD-DeutschlandTrend, dass sich am Boykott vieler Autobesitzer gegen den neuen E10-Sprit noch nicht viel geändert hat. 84 Prozent der betroffenen Fahrer erklärten in der Befragung am Dienstag- und Mittwochabend, dass sie zunächst weiterhin Super oder SuperPlus tanken wollen. Nur 14 Prozent der Fahrer mit Benzinmotor haben bereits E10 getankt oder haben die Absicht, das demnächst zu tun. Zumindest in den ersten zwei Tagen ist die Informationsoffensive also wirkungslos verpufft.

Dabei geht der schwarze Peter aus der Sicht der Betroffenen ganz klar an die Politik. 51 Prozent machen in erster Linie die Bundesregierung für die schlechte Information über den neuen Kraftstoff verantwortlich, 29 Prozent nennen die Mineralölkonzerne und nur neun Prozent die Autohersteller. Und so ist das Gesamturteil nicht verwunderlich: 61 Prozent der Befragten fordern die Einführung des Ethanolsprits komplett rückgängig zu machen. Dabei scheinen unzureichende Information und die Sorge um den eigenen Motor nur ein Problem zu sein. Besonders kritisch sehen viele Autofahrer, dass sie mit E10 letztlich 10 Prozent Nahrungsmittel tanken, denn der Ethanolanteil wird aus Weizen, Mais, Zuckerrüben oder anderen Pflanzen gewonnen. Nur 25 Prozent der Befragten halten das für vertretbar, weil das E10 möglicherweise weniger CO2-Ausstoß produziert. Die große Mehrheit, 69 Prozent, ist hingegen der Ansicht, dass wir in Deutschland darauf verzichten sollten, weil Nahrungsmittel weltweit noch knapper und teurer werden könnten, wenn sie noch häufiger zu Kraftstoff verarbeitet werden.

Haben Sie die Absicht E10 zu tanken?
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Verantwortlich für die schlechte Informationspolitik sind..
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Verantwortlich für die schlechte Informationspolitik sind..



Mit Umweltminister Norbert Röttgen hat die E10-Debatte auch einen klaren politischen Verlierer. Nur 28 Prozent erklären sich noch mit seiner politischen Arbeit zufrieden. Unter den abgefragten Spitzenpolitikern belegt er damit vor dem Linken-Chef Klaus Ernst (10 Prozent) den vorletzten Tabellenplatz. Gewinner des Monats ist hingegen FDP-Chef Guido Westerwelle, der satte 15 Punkte zulegt und sich auf 33 Prozent Zustimmung erholt. Er ist nun gleichauf mit SPD-Chef Sigmar Gabriel (ebenfalls 33 Prozent, - 1).

Guttenberg ganz oben

Ganz oben an der Tabellenspitze steht weiterhin einer, der zu Beginn des Monats den Dienst quittiert hat: Der bisherige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Seine Popularität ist ungebrochen. 73 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden. Damit legt er im Vergleich zu Anfang Februar, als seine gefälschte Doktorarbeit noch nicht bekannt war, sogar fünf Punkte zu. Er rangiert vor dem Bundespräsidenten Christian Wulff (66 Prozent Zustimmung) und allen anderen Parteipolitikern. Unter den Aktiven hat jetzt der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit 55 Prozent die Nase vorn. Ihm folgen SPD-Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier und CDU-Kanzlerin Angela Merkel mit jeweils 53 Prozent.

Zufriedenheit mit der Arbeit Guttenbergs
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Zufriedenheit mit der Arbeit Guttenbergs

Verständnis für Guttenbergs Rücktritt und Wunsch nach Wiederkehr

Was Karl-Theodor zu Guttenberg angeht, so sind mittlerweile das Verständnis für seinen Rücktritt und der Wunsch nach seiner Wiederkehr gleichermaßen prägend für die öffentliche Meinung. Auf der einen Seite ist das Urteil über seine weitgehend abgeschriebene Doktorarbeit eindeutig. 75 Prozent der Befragten stimmen der Formulierung zu, Guttenberg habe "getäuscht und betrogen". Ebenfalls 75 Prozent vertreten die Ansicht, er habe "gegen Regeln und Gesetze verstoßen und deshalb keine andere Wahl gehabt, als zurückzutreten". Immerhin 60 Prozent denken allerdings auch, er sei letztlich von "Neidern in anderen Parteien gestürzt worden". Auf der anderen Seite machen ihm die Befragten ein eindeutiges Kompliment: Er habe "ein Gespür, was Menschen von der Politik erwarten", sagen immerhin 82 Prozent der Befragten. Dieser Wert ist im vergangenen Monat ebenfalls noch einmal gestiegen - um 13 Punkte.

Für höchste Ämter eher nicht geeignet

Als im letzten Herbst die Spekulationen in Berlin immer lauter wurden, Guttenberg strebe womöglich nicht nur nach dem CSU-Vorsitz oder dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten sondern nach dem Job der Kanzlerin, hatten wir im ARD-DeutschlandTrend gefragt, wen die Union 2013 als Spitzenkandidat nominieren solle. 58 Prozent sprachen sich damals für Guttenberg aus und nur 28 Prozent für die amtierende Kanzlerin. Bei dieser Frage hat sich nun der Wind gedreht. Gegenwärtig hat Merkel in der Gesamtbevölkerung bei dieser Fragestellung mit 44 Prozent wieder einen leichten Vorsprung vor Guttenberg mit 41 Prozent. Unter Unionsanhängern ist das Ergebnis mit 51 zu 39 sogar noch etwas deutlicher.

Die Botschaft der Befragten ist klar: Karl-Theodor zu Guttenberg soll zurückkehren auf die politische Bühne, aber für höchste Ämter halten ihn die meisten dann im Moment doch nicht für so geeignet. Gut für Angela Merkel, die nun ihren stärksten Konkurrenten im eigenen Lager losgeworden ist.

Wer sollte Unions-Kanzlerkandidat werden?
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Wer sollte Unions-Kanzlerkandidat werden?

Trotz Krisenwochen klar stärkste Kraft

Auch sonst hat die Kanzlerin die letzten drei Krisen-Wochen besser überstanden, als das zu erwarten war. Trotz Plagiatsaffäre und schwerer Niederlage bei der Hamburg-Wahl verliert die Union in der Sonntagsfrage gegenüber dem Vormonat nur einen Punkt und ist mit 35 Prozent weiterhin klar die stärkste Kraft. Die SPD hat Rückenwind, legt um drei Punkte zu und hat nun 28 Prozent. Ein guter Teil der neuen Unterstützung kommt aus dem eigenen Lager, denn die Grünen haben im Gegenzug innerhalb eines Monats vier Punkte abgegeben und rangieren nur noch bei 15 Prozent. Das ist nach dem Höhenflug des letzten Herbstes immerhin ein Absturz um acht Punkte innerhalb von vier Monaten. Die Linke gewinnt einen Punkt und steht nun bei neun Prozent. Die FDP gewinnt ebenfalls einen Punkt und hat nun sechs Prozent - der beste Wert seit Juni letzten Jahres.

Auffällig ist der hohe Wert für "sonstige" Parteien von sieben Prozent. Einige der abgewanderten Grünen-Wähler sind hier gelandet und würden sich zum Beispiel für die Piratenpartei entscheiden.

Sonntagsfrage
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Sonntagsfrage

Ausblick auf die Landtagswahlen

Wir stehen am Anfang eines Monats mit immerhin drei Landtagswahlen und deshalb haben wir wie im Vormonat nach den Erfolgsaussichten der Parteien bei den Landtagswahlen dieses Jahres gefragt. Die Gewichte haben sich deutlich zu Gunsten der SPD und zu Ungunsten der Grünen und der Union verschoben. 66 Prozent der Befragten (+ 22 gegenüber Februar) gehen nun davon aus, dass die SPD in diesem Jahr erfolgreich oder sogar sehr erfolgreich sein wird. Bei den Grünen sind dies nur noch 62 Prozent (- 10) und bei der CDU 36 Prozent (- 8).

Sympathie für die Revolutionäre in Libyen

Bleibt der Blick auf zwei andere wichtige, aktuelle Themen. In Brüssel haben NATO und EU-Gremien weiter darüber beraten, ob und wie sie den Aufständischen in Libyen gegen die blutigen Angriffe des Staatschefs Muammar al Gaddafi helfen können. 54 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die NATO in Libyen eingreifen sollte, 40 Prozent zögen es vor, wenn sie die Sache den Libyern überlassen würde. Diese Mehrheit ist angesichts der schwierigen Erfahrungen im Irak und in Afghanistan durchaus erstaunlich und ein Zeichen der Sympathie für die Revolutionäre in Nordafrika.

Sollte die NATO in Libyen eingereifen?
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Sollte die NATO in Libyen eingereifen?

Großes Verständnis für die Lokführer

Sehr viel deutlicher fällt die Sympathie für die streikenden Lokführer in Deutschland aus. Der Ärger auf den Bahnsteigen ist zwar groß, aber insgesamt können die GDL und ihre Mitglieder auf die Unterstützung der meisten Deutschen zählen. 73 Prozent haben Verständnis dafür, dass die Lokführer für einen einheitlichen Tarifvertrag streiken, 25 Prozent haben dieses Verständnis nicht. Interessant ist, dass die Unterstützung mehrheitlich in allen politischen Lagern besteht. Selbst unter den traditionell eher streikkritischen FDP-Wählern erklären 62 Prozent ihr Verständnis. Diese Unterstützung hat übrigens eine gewisse Tradition. Schon bei den Lokführer-Streiks 2007 gab es ganz ähnliche Ergebnisse im ARD-DeutschlandTrend - und das damals selbst noch kurz vor Ende eines wochenlangen Arbeitskampfes.

Untersuchungsanlage DeutschlandTrend

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe: Repräsentative Zufallsauswahl / Randomstichprobe
Erhebungsverfahren: Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl: 1003 Befragte, Einführung E10 rückgängig machen: 501 Befragte, andere Fragen zu E10: 620 Befragte, Sonntagsfrage: 1503 Befragte, Sonntagsfrage: Sachsen-Anhalt: 1001 Befragte
Erhebungszeitraum: 8. und 9. März 2011
Fehlertoleranz: 1503 Befragte 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte, 1003 Befragte 1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%, ** bei einem Anteilswert von 50%

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