Eine Passantin hält eine FFP-2 Maske in der Hand. | dpa
FAQ

Neue Corona-Regeln Wo weiter Maske getragen werden muss

Stand: 04.04.2022 11:03 Uhr

Ohne Maske einkaufen - was vor Kurzem noch undenkbar war, ist nun in vielen Bereichen erlaubt. Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen bleibt dies umstritten. Was gilt nun? Und sind die Regeln überall gleich? Ein Überblick.

Rund zwei Jahre war das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Supermarkt und anderen öffentlichen Innenräumen wie Restaurants, Kinos, Museen und Schulen Maske Pflicht, um die Corona-Ausbreitung zu bremsen. Zunächst reichten Stoffmasken, später wurden die Vorgaben strenger und medizinische Masken wie FFP2 zum Standard.

Heute dürfen zum Beispiel Supermärkte und Discounter erstmals seit dem Frühjahr 2020 wieder Kundinnen und Kunden hereinlassen, die keine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Das geänderte Infektionsschutzgesetz sieht nur noch wenige staatliche Vorgaben zum Maskentragen im Alltag vor. Doch in manchen Bereichen und Ländern gilt die Maskenpflicht weiter.

Wo muss man künftig noch Maske tragen?

Bundesweit muss zum Beispiel in ICE, Intercity und Flugzeugen weiter Maske getragen werden. Die Länder haben außerdem Maskenpflichten für Einrichtungen angeordnet, in denen gefährdete Menschen wohnen oder sich aufhalten. Dazu gehören beispielsweise Arztpraxen, Kliniken, Pflegeheime sowie Gemeinschaftseinrichtungen etwa für Asylbewerber.

Im Nahverkehr mit Bussen und Bahnen gilt die Maskenpflicht ebenfalls weiter. Breiter gefasste Vorgaben etwa auch wieder in Schulen oder Geschäften sind nur möglich, wenn ein Land die Hotspot-Regel anwendet.

Wo greift die Hotspot-Regelung?

Die Hotspot-Regelung erlaubt zusätzliche Vorgaben, wenn ein Landesparlament eine regional drohende kritische Lage für die Kliniken feststellt. Dem Gesetz zufolge sind Hotspots Gebiete, in denen "die konkrete Gefahr einer sich dynamisch ausbreitenden Infektionslage besteht". Das ist dann gegeben, wenn sich eine gefährliche Virusvariante ausbreitet - oder die Infektionszahlen stark steigen und zugleich eine Überlastung der Krankenhäuser droht. Dass eine solche Situation besteht, muss das jeweilige Landesparlament per Beschluss feststellen. Ein Hotspot kann sich auf einen Stadtteil beschränken, aber auch ein ganzes Bundesland umfassen. 

Vorerst haben von den 16 Bundesländern nur Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg diese Regel eingeführt. Die Unterschiede zeigten sich bereits am Wochenende. Wer am verkaufsoffenen Sonntag in Hamburg einkaufen wollte, brauchte dazu eine FFP2-Maske. Unweit der Stadtgrenze in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen durfte auf die Maske verzichtet werden.

Maskenpflicht per Hausrecht?

Unabhängig von staatlichen Regeln können Firmen, Geschäfte und andere Einrichtungen nach Hausrecht weiterhin Vorgaben beibehalten. In Berlin hält zum Beispiel eine Reihe von Kultureinrichtungen an der Maskenpflicht fest - von den drei großen Opernhäusern über Theater bis zu den Staatlichen Museen.

Bei großen Handelsketten müssen die Kunden aber keine Bedeckung mehr aufsetzen, etwa bei Rewe, Lidl, Aldi und Edeka, beim Möbelhändler Ikea, beim Buchhändler Thalia oder den Textilketten H&M und Primark. Mitunter wird den Beschäftigten und Kunden aber empfohlen, zur Maske zu greifen.

Im Einzelhandel sorgt das Ende für gemischte Gefühle. Die Gewerkschaft ver.di berichtete mit Blick auf das Ansteckungsrisiko von Besorgnis unter den Beschäftigten. Auch unter den Arbeitgebern gibt es viele kritische Stimmen. In einer Umfrage des Handelsverbands Bayern unter Einzelhändlern gab eine knappe Mehrheit an, das Ende der Maskenpflicht für falsch zu halten (50,4 Prozent). 39,2 Prozent halten die Abschaffung für richtig. 11,7 Prozent der Einzelhändler in Bayern wollen der Umfrage zufolge in ihren Geschäften an der Maskenpflicht festhalten, 77,4 Prozent dagegen nicht Masken per Hausrecht vorschreiben.

Raten Wissenschaftler weiter zur Maske?

Ja. Insbesondere wegen der derzeit hohen Inzidenzen wird der weitgehende Wegfall der Masken als verfrüht gewertet. Für den besten Schutz vor Ansteckung raten Fachleute zu FFP2-Masken. "Wenn Sie sich und andere vor Ansteckung schützen wollen, sollten Sie auf jeden Fall eine Maske tragen", sagt etwa der Physiker Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen.

Wegen der derzeit hohen Infektionsraten sei der zusätzliche Schutz sinnvoll, da es sehr wahrscheinlich sei, dem Virus ausgesetzt zu sein. Am besten sei eine Maske mit guter Filterung und einem guten, dichten Sitz auf dem Gesicht.

Was spricht allgemein für das Tragen einer Maske?

Die Omikron-Variante gilt zwar als milder verglichen mit früheren Virusvarianten. Harmlos ist sie aber nicht, insbesondere für bestimmte Gruppen. So ist ein im Vergleich mit anderen Ländern relativ großer Teil der deutschen Bevölkerung ab 60 Jahren noch nicht gegen Corona geimpft. Hinzu kommen Menschen, bei denen Impfungen schlecht wirken, und vorerkrankte Menschen.

Es lohne sich durchaus auch vor dem Hintergrund der vielen Unbekannten rund um Langzeitfolgen, eine Infektion oder Re-Infektion zu verhindern, sagte der Aerosolforscher Martin Kriegel von der TU Berlin kürzlich dem RBB. Masken fingen größere Tröpfchen aber auch Aerosole ab, also auch feinste Teilchen in der Atemluft, erklärt Physiker Bodenschatz. Man habe mit einer Maske, die dicht am Gesicht anliegt, einen etwa 100-mal höheren Schutz als ohne, könne sich also 100-mal länger in der gleichen Situation aufhalten.

Ist das Risiko überall gleich?

Nein, es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Eine Rolle spielen etwa die Personenanzahl im Raum, die Aufenthaltsdauer, die Aktivität (zum Beispiel Singen, wobei viele möglicherweise ansteckende Tröpfchen produziert werden) und die Belüftung.

Masken sind Experten zufolge insbesondere dann wichtig, wenn Abstände zu anderen Menschen nicht eingehalten werden können. "In einem großen Markt mit guter Lüftung ist das Infektionsrisiko geringer als in einem engen kleinen Laden mit längerem Aufenthalt", sagt Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie.

Gesetz bis zum 23. September befristet

Die derzeitigen Regelungen sind bis zum 23. September befristet - bis dahin gilt das geänderte Infektionsschutzgesetz. Bei Bedarf könnte das Gesetz jederzeit geändert werden - etwa, wenn bundesweit in den Krankenhäusern die Betten knapp werden.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. April 2022 um 09:00 Uhr.