Ein Laufband mit dem Aufdruck, den Mindestabstand einzuhalten. | dpa

Corona-Szenarien des RKI Schon jetzt für Herbst und Winter wappnen

Stand: 22.07.2021 18:24 Uhr

Derzeit sind die Corona-Zahlen in Deutschland niedrig, doch das könnte sich laut RKI ändern. Um einen erneuten hohen Anstieg der Infektionen zu vermeiden, sollten daher jetzt schon Vorbereitungen getroffen werden.

Das Robert Koch-Institut (RKI) spricht nach wie vor von einer entspannten Infektionslage in Deutschland - auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz langsam wieder etwas steigt. Doch mit Blick auf die kälteren Jahreszeiten mahnt das Institut, schon jetzt einem drohenden Anstieg der Corona-Fallzahlen so gut es geht vorzubeugen.

In einem Strategiepapier hat das RKI Szenarien entwickelt, wie sich die Corona-Lage bundesweit in Herbst und Winter entwickeln könnte - abhängig von verschiedenen Faktoren, die die Ausbreitung des Virus in diesen Monaten beeinflussen könnten.

Virus wird wohl nicht mehr verschwinden

Derzeit befinde sich Deutschland in einer Übergangsphase, heißt es in dem RKI-Papier: von einem pandemischen in ein endemisches Geschehen. Was bedeutet, dass das Coronavirus nicht mehr komplett verschwinden wird, sondern dass es immer wieder Infektionen mit dem Erreger geben wird. Dass das Virus komplett ausgelöscht werden könnte, hält das RKI für unrealistisch. Es werde sich weiter in Deutschland und global verbreiten.

Für Herbst und Winter geht das Institut davon aus, dass die Fallzahlen nochmals zunehmen werden. Den Höhepunkt dieses Anstiegs prognostiziert das RKI für die ersten beiden Monate des kommenden Jahres, dann könnten die Infektionen wieder nachlassen. Dabei seien die meisten Infektionen bei den Bürgerinnen und Bürgern unter 60 Jahren sowie bei den unter Zwölfjährigen zu erwarten. Das RKI betont, dass es sich bei dem Strategiepapier nur um Annahmen und darauf basierende Empfehlung handelt.

Und die Empfehlung der Forscher lautet: Jetzt Vorbereitungen zu treffen, um einen erneuten Anstieg der Infektionen und deren Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, damit "die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe, Todesfälle und die Belastung für das Gesundheitswesen klein gehalten und bevölkerungsbezogene Maßnahmen minimiert werden können".

Jetzt "Auffrischungsimpfungen" vorbereiten

Einer der wichtigsten Faktoren bleibt dabei das Impfen. Eine hohe Impfquote bedeutet ein niedrigeres Risiko einer starken Ausbreitung des Erregers. Dass bis zum Herbst und Winter die angestrebte Herdenimmunität erreicht wird, hält das RKI aber nicht mehr für möglich. Um weiterhin trotzdem so viele Menschen wie möglich zu impfen, rät das RKI zu gezielten Impfaktionen, etwa in bestimmten Berufsgruppen oder in Gebieten, in denen Menschen auf engem Raum zusammenleben.

Das Institut ruft beim Punkt Impfen auch dazu auf, schon jetzt die Vorbereitungen für sogenannte "Auffrischungsimpfungen" zu treffen - vor allem für Ältere und andere Risikogruppen. Denn die Wissenschaftler gehen davon aus, dass auch die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche ansteigen werde, also Infektionen bei Menschen, die bereits vollständig gegen das Virus geimpft wurden, die Impfung aber schon eine gewisse Zeit zurückliegt. Für diese "Booster-Impfungen" müsse jetzt der notwendige Impfstoff bestellt werden und sich um die entsprechende Organisation gekümmert werden.

Gewappnet in das neue Schuljahr

Doch nicht nur für ältere Altersgruppen sollten Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, sondern auch für die jüngeren. In Schulen sollten "bauliche, strukturelle, organisatorische und technische Maßnahmen" intensiviert und bis zum Ende der Sommerferien abgeschlossen werden, appelliert das RKI. Das könnte etwa die Aufstockung digitaler Ressourcen oder des Lehrpersonals bedeuten. Zudem müssten die Klassenräume mit Belüftungs- und Filteranlagen ausgestattet werden.

Präventive Maßnahmen im Alltag weiter einhalten

Als weitere präventive Maßnahme ruft das RKI dazu auf, einfache Schutzmaßnahmen vorerst beizubehalten, wie beispielsweise den Mindestabstand, das Tragen einer Schutzmaske in bestimmten Bereichen oder das Arbeiten im Home Office sowie Einschränkungen bei Teilnehmerzahlen auf Großveranstaltungen. Die Öffentlichkeit sollte weiterhin über umfangreiche Informationsangebote dazu aufgerufen werden, ein erhöhtes Infektionsgeschehen durch das persönliche Einhalten der Maßnahmen zu verhindern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Juli 2021 um 16:00 Uhr.