Sektgläser stehen auf einem Tisch in einer Reihe. | dpa

Corona-Pandemie Landkreise fordern Obergrenze für Privatfeiern

Stand: 26.09.2020 16:37 Uhr

Nach Masseninfektionen bei einer Hochzeit in Hamm verlangt der Landkreistag eine bundesweit gültige Teilnehmerbegrenzung für Privatfeiern. ln Deutschland wurden zuletzt so viele neue Corona-Fälle registriert wie seit April nicht mehr.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie fordert der Deutsche Landkreistag eine bundesweite Obergrenze von weniger als 50 Menschen bei Privatfeiern. "Ab 50 Teilnehmern wird es logistisch extrem schwierig, die Kontakte nachzuverfolgen, wenn ein Covid-Positiver unter der Gesellschaft war", sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Bislang gibt es keine einheitliche Teilnehmerbegrenzung für Privatfeiern, auf dem Treffen zwischen Bund und Ländern kommende Woche müsse diese aber kommen, so Sager. "Wir sehen in Hamm, wozu eine rauschende Hochzeit mit 150 Gästen führen kann", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf eine Großhochzeit in der nordrhein-westfälischen Stadt.

Alles bundesweit einheitlich regeln will Sager aber nicht. Der dezentrale Ansatz sei "ein Erfolgsmodell und muss beibehalten werden", sagte er. "Wenn wir den Menschen im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern verbieten, in der Öffentlichkeit ein Bier zu trinken, weil in München alle Signale auf Rot stehen, würde das die Akzeptanz drastisch schwächen." Aus seiner Sicht spreche auch nichts dagegen, "in kaum von Corona betroffenen Kreisen Weihnachtsmärkte zu erlauben, wenn vernünftige Hygienekonzepte vorliegen."

2507 Neuinfektionen binnen eines Tages

Unterdessen hat die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland den höchsten Wert seit April erreicht. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 2507 neue Corona-Infektionen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekanntgab. Am Freitag hatte die Zahl der neu gemeldeten Fälle noch bei 2153 gelegen.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 282.730 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9452. Das sind neun mehr als am Vortag. Rund 249.700 Menschen haben die Infektion nach Schätzungen des RKI überstanden.

Auch die Rate positiver Tests steigt

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war dann in der Tendenz gesunken und im Juli wieder gestiegen.

Zwar ist der Anstieg der Neuinfektionen teilweise damit zu erklären, dass in den vergangenen Monaten mehr Tests durchgeführt wurden als zuvor. Ein Hinweis darauf, dass die Infektionslage unabhängig von der Zahl der Tests wieder anzieht, ist jedoch, dass ein größerer Anteil der Corona-Tests positiv ausfiel. Die sogenannte Positivenquote lag laut RKI-Lagebericht in der Woche vom 14. bis 20. September bei 1,19 Prozent (Vorwoche: 0,86). Das ist der höchste Wert seit mehr als zehn Wochen.

Intensivmediziner befürchten mehr Corona-Tote

Wegen der aktuell steigenden Fallzahlen in Deutschland rechnen Intensivmediziner damit, dass auch die Zahl der Corona-Toten stärker wachsen wird. "Die Totenzahlen werden in den kommenden Wochen weiter steigen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die aktuell steigende Zahl der Covid 19-Toten spiegele zeitversetzt das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen wider.

Von der Erstinfektion bis zu einer schweren Erkrankung dauere es in der Regel zehn bis 14 Tage, die durchschnittliche Zeit auf der Intensivstation betrage 21 bis 24 Tage. Daraus folge, dass sich viele Menschen, die jetzt stürben, vor mehr als fünf Wochen angesteckt hätten, so Janssens. In den vergangenen Tagen hatte die Zahl der vom RKI gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion mehrmals in Folge im zweistelligen Bereich gelegen.

Janssens geht jedoch nicht von einer derart dramatischen Entwicklung wie im Frühjahr aus: "Die Intensivmediziner wissen heute viel mehr über erfolgreiche Behandlungsmöglichkeiten und können medikamentös gezielter eingreifen." Zudem hätten die Verantwortlichen gelernt, besonders gefährdete Gruppen wie Alte und Kranke besser zu schützen.