Passanten laufen über die Mönckebergstraße in Hamburg. | Bildquelle: dpa

Grenzwert bei Corona-Neuinfektionen Deutschland reißt die 50er-Marke

Stand: 21.10.2020 17:03 Uhr

Die Corona-Neuinfektionen haben bundesweit eine kritische Schwelle überschritten. Die Länder reagieren auf die steigenden Zahlen: Bayern kündigt eine Testpflicht für ausländische Pendler an, NRW führt die Maskenpflicht im Unterricht wieder ein.

Der kritische Wert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ist nun auch auf ganz Deutschland bezogen überschritten worden. Der Wert gilt als eine wichtige Schwelle für strengere Maßnahmen gegen die Verbreitung des neuartigen Coronavirus. Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt die Zahl aktuell mit 51,3 an, am Dienstag lag sie noch bei 48,6.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach RKI-Angaben zuletzt 7595 neue Corona-Fälle binnen 24 Stunden. Der Wert bleibt damit knapp hinter der am Samstag erreichten Höchstmarke von 7830 Fällen zurück, liegt aber deutlich über den 5132 gemeldeten Neuinfektionen vom vergangenen Mittwoch.

Anteil der Verstorbenen liegt unter einem Prozent

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg um 39 auf jetzt 9875. Wie aus dem aktuellen Lagebericht des RKI hervorgeht, liegt der Anteil der Verstorbenen an den nachgewiesenen Corona-Fällen seit Mitte August bei deutlich unter einem Prozent. Mit Blick auf die gesamte Pandemie in Deutschland gab das RKI die Fallsterblichkeit mit 2,6 Prozent an.

Dass diese Zahl wesentlich höher ist als die Sterblichkeit in den vergangenen Wochen, liegt vor allem an den höheren Werten im Frühjahr. Damals hatten sich vermehrt Ältere angesteckt, zudem wurden weniger Menschen ohne oder mit nur leichten Symptomen getestet. Der überwiegende Teil (85 Prozent) der Corona-Toten seit Beginn der Pandemie war laut RKI 70 Jahre oder älter.

Ein Drittel aller Kreise und Städte überschreiten Grenzwert

In seinem Lagebericht schreibt das RKI, es sei aktuell wieder ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. "Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert." Dazu zählt das RKI unter anderem die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln auch im Freien, das Lüften von Innenräumen und, wo geboten, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Zuletzt lagen knapp ein Drittel aller vom RKI erfassten Kreise und Städte in Deutschland über dem Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Bei rund 30 Kreisen und Städten lag der Wert sogar über 100. Am schwersten betroffen ist aktuell der Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern mit einer Inzidenz von 236. Dahinter folgen Delmenhorst in Niedersachsen mit 212 und Berlin-Neukölln mit 156,6 neuen Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche.

Söder will Testpflicht für ausländische Berufspendler

Als Reaktion auf die gestiegenen Fallzahlen kündigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verschärfte Corona-Maßnahmen an. In Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gelte künftig eine Beschränkung von Veranstaltungen auf maximal 50 Teilnehmer und eine Sperrstunde ab 21 Uhr, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Landtag. Bislang gilt in Bayern eine Beschränkung auf 100 Teilnehmern in Innenräumen und 200 im Freien, bei zugewiesenen Sitzplätzen ist es sogar jeweils das Doppelte.

Söder kündigte außerdem an, eine Testpflicht für Berufspendler aus ausländischen Corona-Hotspots einführen zu wollen. Wer sich binnen 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten habe und nach Deutschland zum Arbeiten pendele, solle künftig einmal pro Woche einen negativen Corona-Test vorweisen müssen. "Wer Grenzen offen halten will, der muss auch für mehr Sicherheit sorgen", sagte Söder. Die Maßnahme dürfte vor allem Berufspendler aus Österreich und Tschechien treffen.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen kündigte an, Schüler ab der 5. Klasse müssten nach den Herbstferien auch an ihrem Sitzplatz im Unterricht wieder Maske tragen. Die Regelung soll nach Angaben des Schulministeriums bis zu den Weihnachtsferien gelten. Innerdeutsche Reisen sollen in Nordrhein-Westfalen hingegen nicht beschränkt werden, ein Beherbungsverbot gilt ebenfalls nicht.

Soldaten helfen im Berchtesgadener Land

Im besonders schwer betroffenen bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land helfen unterdessen Sanitäter der Bundeswehr dabei, die Ursache für den massiven Anstieg der Corona-Zahlen zu finden. Die etwa 20 Kräfte sollen unter anderem zur Nachverfolgung von Infektionsketten eingesetzt werden, wie ein Sprecher vom Landeskommando in Bayern sagte. In bestimmten Fällen darf die Bundeswehr innerhalb Deutschlands eingesetzt werden.

Warum sich so viele Menschen im südöstlichsten Zipfel Bayerns mit dem Coronavirus angesteckt haben, ist noch offen. Seit Dienstagnachmittag ist im Landkreis eine strikte Ausgangsbeschränkung in Kraft. Zudem mussten Schulen und Kitas schließen. Freizeiteinrichtungen aller Art sowie Restaurants dürfen nicht mehr öffnen. Veranstaltungen sind untersagt - mit Ausnahme von Gottesdiensten. Hotels mussten ebenfalls schließen, nur Geschäftsreisende dürfen dort noch übernachten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Oktober 2020 um 18:00 Uhr.

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