Nürnberg: Absperrband an zwei zusammengebundenen Schaukeln auf einem Spielplatz | Bildquelle: dpa

Corona und Kinder Mehr Bewegung, mehr Betreuung?

Stand: 22.04.2020 11:07 Uhr

Spielplätze hinter Absperrbändern - das sollte sich nach Auffassung des Kinderhilfswerks schnell ändern, möglichst mit einer schrittweisen Öffnung. Auch über die Notbetreuung in Kitas wird intensiv diskutiert.

Kinder ohne gewohnte Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten: die Beschränkungen auf Spielplätzen und in Kindertagesstätten bestimmen zunehmend in innenpolitische Debatte über den Umgang mit dem Coronavirus. Das Deutsche Kinderhilfswerk rief Länder und Kommunen auf, die öffentlichen Spielplätze schrittweise wieder zu öffnen. Denkbar sei, zunächst mit Spielplätzen ab einer bestimmten Quadratmeterzahl zu beginnen. Dabei sollte in enger Abstimmung mit dem Robert Koch-Institut vorgegangen werden, was die Gefahr von Infektionen über Oberflächen von Spielgeräten angehe, erklärte die Organisation.

Das Hilfswerk betonte, aufgrund der derzeitigen Beschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise mangele es vielen Kindern inzwischen an Bewegung und Begegnung mit anderen Kindern.

Sollte eine Öffnung der Spielplätze aus Gründen des Infektionsschutzes weiter nicht möglich sein, müssten Länder und Kommunen dringend Vorschläge für alternative Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten im Freien erarbeiten. Denkbar sei unter bestimmten Umständen beispielsweise eine reglementierte Öffnung von Zoos und Abenteuerspielplätzen.

Berlin: Zwei Joggerinnen laufen an abgesperrten Schaukeln im Schöneberger Südgelände vorbei. | Bildquelle: dpa
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Wippen verboten: So wie auf diesem Berliner Spielplatz sieht es derzeit auf vielen Spielplätzen in Deutschland aus.

Debatte über Notbetreuung wird lauter

Zugleich nimmt die Diskussion über den Ausbau der Notbetreuung in Kindertagesstätten zu. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey plädierte dafür, dass nicht nur systemrelevante Berufsgruppen die Notbetreuung nutzen können, "sondern auch Kinder, deren Kindeswohl gefährdet ist, bei denen das Jugendamt empfiehlt, zusätzlich zu unterstützen".

Auch die sogenannte Ein-Eltern-Regelung müsse bundesweit einheitlich umgesetzt werden. Danach muss nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeiten, damit die Familie Zugang zur Notbetreuung hat, sagte sie dem Fernsehsender ntv.

Ihr Parteifreund Karl Lauterbach plädierte für die Ausweitung der Notbetreuung, um mehr Menschen in systemrelevanten Jobs die Rückkehr zur Arbeit zu ermöglichen, warnte aber auch vor einer baldigen Wiederaufnahme des Normalbetriebs. "Eine generelle Öffnung der Kitas würde uns bei der Bekämpfung der Epidemie weit zurückwerfen", sagte er der Funke Mediengruppe.

Forderungen der Kommunen

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, sprach sich ebenfalls für einen Ausbau der Notbetreuung in Kitas aus. Anspruch darauf sollten grundsätzlich Kinder haben, "bei denen beide Erziehungsberechtigte beziehungsweise die oder der Alleinerziehende nicht von zuhause arbeiten kann und keine anderen geeigneten Möglichkeiten haben", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers, riet dazu, "die Kitas jetzt schrittweise wieder aufzumachen". Derzeit seien in den Notgruppen zwischen ein und zwei Prozent der Kinder anwesend, diese Zahl solle nun gesteigert werden.

Hilgers plädierte dafür, zunächst Gruppen mit fünf Kindern wiederkehren zu lassen. Sollte sich dieses Vorgehen bewähren, könne die Zahl in vier Wochen auf zehn erhöht werden.

Und die Schulen?

Der Bundeselternrat warnte vor den Folgen einer langen Schließung der Kitas für die Schulen. Hier drohe "ein riesiges Problem", sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth ebenfalls der "Passauer Neuen Presse".

Durch die frühkindliche Bildung kämen die Kinder besser vorbereitet in die Schule. Der Elternrats-Vorsitzende äußerte daher die Befürchtung, dass der Übergang zur Schule durch eine lange Schließung der Kitas für die Kinder problematischer werde. "Es bedarf dann deutlich kleinerer Klassen in der ersten und zweiten Jahrgangsstufe der Grundschule", gab er zu bedenken, "etwa von 15 bis 20 Schülern pro Klasse".

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erklärte unterdessen, sie erwarte längerfristig keinen normalen Unterricht an den Schulen in Deutschland. Es gehe jetzt zunächst darum, in den Schulen Präsenzunterricht und digitale Lernmethoden zu kombinieren. Wenn Anfang Mai die meisten Schulen wieder öffneten, sei es vor allem wichtig, Abschlussklassen die Möglichkeit zu geben, Stoff nachzuholen, so Karliczek.

Die Bundesministerin forderte, darüber hinaus dafür zu sorgen, dass diejenigen Schüler vor Ort lernen könnten, für die es schwierig sei, mit digitalen Medien umzugehen, etwa Kinder aus bildungsfernen Familien.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2020 um 10:00 Uhr.

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