Ein positiver Corona-Schnelltest liegt auf einem weiteren Schnelltest. | dpa

Corona in Deutschland Ende des Abwärtstrends bei Neuinfektionen

Stand: 15.09.2022 20:35 Uhr

Sieben Wochen lang ging die Zahl der Neuansteckungen mit Corona in Deutschland zurück. Doch das hat sich laut RKI nun geändert. Eine Expertengruppe fordert unterdessen einen Strategiewechsel im Kampf gegen die Pandemie.

Der recht langanhaltende Rückgang bei den Corona-Ansteckungen in Deutschland ist laut Robert Koch-Institut (RKI) gestoppt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz etwa sei im Vergleich von vergangener zu vorvergangener Woche relativ stabil geblieben, "nachdem sie zuvor sieben Wochen lang zurückgegangen war". Das geht aus dem Covid-19-Bericht des Berliner Instituts hervor, der sich vor allem auf die Vorwoche bezieht.

Neben der nur noch eingeschränkt aussagekräftigen Inzidenz blickt das RKI auch auf eine Reihe weiterer Indikatoren. Auch bei schweren Covid-19-Erkrankungen zum Beispiel setzte sich der rückläufige Trend den Daten zufolge nicht weiter fort. Bei der Zahl der davon betroffenen Intensivpatienten etwa war von einem Plateau die Rede.

Experten fordern Strategiewechsel

Mit Blick auf die Bundesrats-Abstimmung über die Corona-Regeln für den Herbst am Freitag, fordert eine Expertengruppe, zu der unter anderen der Virologe Klaus Stöhr gehört, einen Strategiewechsel. Natürliche Infektionen und Impfungen hätten zu einer "breiten Immunität" in der Bevölkerung geführt, heißt es in dem Papier, das die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene veröffentlichte.

Die Politik müsse einen "klaren Strategiewechsel mit Fokussierung auf den Schutz vulnerabler Gruppen einleiten und dabei gleichzeitig die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur und des Gesundheitswesens sicherstellen". Als Autoren werden etwa auch der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Tobias Tenenbaum, und der Medizinstatistiker Gerd Antes genannt.

Kritik an Impfpflicht

Konkret fordert die Gruppe unter anderem, die Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheitswesen aufzuheben, da diese keinen Schutz vor Infektiosität biete. Die Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur und des Gesundheitswesens solle "durch Wegfall nicht verhältnismäßiger und nicht begründbarer d.h. nicht mehr zeitgemäßer Isolierungsanordnungen gesunder Infizierter" sichergestellt werden.

Anlasslose Routinetestungen und eine Maskenpflicht in Schulen seien "ohne Indikation abzulehnen". Der Wechsel hin zu einer "Folgenminderungs-Strategie" sei weiterhin überfällig. Andere Länder praktizierten dies bereits erfolgreich, so das Papier

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält ein Ende der Pandemie für absehbar. Zugleich warnt die Organisation, im Kampf gegen das Virus nicht nachlässig zu werden. Höchste Priorität hätten nach wie vor Tests und vor allem Impfungen, betonte WHO-Chef Tedros.

Abstimmung im Bundesrat

Der Bundesrat stimmt am Freitag über die vom Bundestag bereits beschlossenen neuen Corona-Regeln für den Herbst und Winter ab. Zu den zentralen Bestimmungen, die vom 1. Oktober bis 7. April 2023 gelten sollen, zählen Maskenpflichten in Fernzügen, Kliniken und Arztpraxen.

Die Länder können auch in Restaurants und anderen Innenräumen wieder das Tragen von Masken vorgeben. In Flugzeugen soll diese Pflicht entfallen. Lockdowns, Betriebs- oder Schulschließungen soll es nicht mehr geben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. August 2022 um 12:00 Uhr.