Ein Mitarbeiter hält in einem Coronatest-Labor ein PCR-Teströhrchen in der Hand. | dpa

Anspruch auf PCR-Test Rote Warn-App allein reicht nicht mehr

Stand: 10.02.2022 11:16 Uhr

Der direkte Gang zur PCR-Teststation, weil die Warn-App rot leuchtet, soll künftig nicht mehr möglich sein. Laut Gesundheitsministerium sollen Betroffene zunächst einen Antigen-Schnelltest machen. Ziel ist es, die Labore zu entlasten.

Die Befürchtungen, dass angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen die PCR-Tests knapp werden könnten, haben sich nach Angaben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach nicht bestätigt. So teilte er bereits mit, dass Bürgerinnen und Bürger nach einem positiven Schnelltest weiterhin Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test haben sollen.

Doch vor dem Hintergrund der knapper werdenden Laborkapazitäten plant das Gesundheitsministerium Einschränkungen. Laut dem Entwurf für die neue Testverordnung, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, sollen PCR-Tests nur noch gemacht werden, wenn ein positiver Antigen-Schnelltest aus einer Teststation vorliegt. Eine rote Warnmeldung auf der App reiche für einen PCR-Test nicht mehr aus.

Einschränkend heißt es in dem Entwurf weiter: Eine PCR-Bestätigung eines positiven Antigen-Tests sei "in der Regel nicht notwendig" und sollte nach klinischen Kriterien abgewogen werden.

Lauterbach: PCR-Test gezielter einsetzen

Lauterbach sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Auf dem Höhepunkt der Pandemie setzen wir PCR-Tests gezielter ein." Sie sollen laut Ministerium im Kern auf Fälle konzentriert werden, bei denen mit positiven Ergebnissen zu rechnen ist.

Ziel sei es, so das Pandemiegeschehen im Blick zu behalten, gefährdete Gruppen besonders zu schützen und Menschen Gewissheit zu geben, die positive Schnelltests haben. "Wer Gewissheit über eine Infektion benötigt, bekommt sie", sagte Lauterbach.

Kein Anspruch auf PCR-Tests

Nach aktueller Corona-Testverordnung werden Personen mit einer roten Warn-App ("erhöhtes Risiko") als Kontaktpersonen einstuft. Diese haben demnach Anspruch auf Testung, aber nicht auf PCR-Testung. "Zur Diagnostik können nach Maßgabe dieser Verordnung und der Teststrategie des Bundesministeriums für Gesundheit eine Labordiagnostik mittels Nukleinsäure­nachweis, eine varianten­spezifische PCR-Testung oder eine Diagnostik durch Antigen-Test gehören", heißt es hierzu in der Testverordnung.

Demnach sind PCR-Testungen nach einer Warnmeldung durch die Corona-App zwar möglich, ein Anspruch darauf besteht indes nicht. "Bei der kostenlosen Testung handelt es sich nicht notwendigerweise um einen PCR-Test", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website.

Freitesten künftig mit Antigen-Schnelltest

Zudem reicht für das Freitesten, also das vorzeitige Beenden einer Isolierung beziehungsweise Quarantäne, künftig generell ein überwachter Antigen-Schnelltest aus.

Bei Labor-Auswertungen sollen PCR-Tests von Risikopatienten und Menschen in Einrichtungen wie Pflegeheimen, Praxen, Kliniken und Rettungsdiensten vorrangig zum Zuge kommen. Auch sie müssen aber zunächst einen positiven Antigen-Schnelltest haben.

In einem ersten Verordnungsentwurf war noch geplant gewesen, den Anspruch auf Nachtestung nach positivem Selbst- oder Schnelltest an einer Teststation zunächst auszusetzen. Lauterbach sprach in diesem Punkt von einer "Veränderung der Position". Seinen Angaben zufolge würde die vorhandene Kapazität bei PCR-Tests auch ausreichen, wenn eine tägliche Zahl von bis zu 450.000 Corona-Neuinfektionen erreicht würde. "Und ich glaube, dass wir das nicht erreichen werden."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Februar 2022 um 20:30 Uhr.