Eine Werksärztliche Assistentin zieht in einem betrieblichen Impfzentrum eine Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer auf.  | dpa

Labortests zu Impfstoffen Booster wichtig für Schutz gegen Omikron

Stand: 08.12.2021 16:53 Uhr

Erste Studien zur Wirkung von Impfstoffen gegen Omikron deuten auf eine schwächere Abwehr gegen die neue Variante hin. Umso wichtiger sei die Booster-Impfung, um genügend Antikörper zu bilden, so Experten. BioNTech rät zu rascher Auffrischung.

Labortests zur Wirkung von Corona-Impfstoffen gegen Omikron deuten auf eine schwächere Abwehrreaktion hin. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte auf Twitter erste Ergebnisse der Studie, die eine deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die neue Variante zeigt.

"Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek dazu. Bereits am Vortag hatten südafrikanische Experten ähnliche Daten vorgelegt, wonach die Antikörper-Antwort bei Geimpften gegen Omikron schwächer ausfällt.

Immunantwort um das 37-Fache reduziert

Ciesek wies aber auch daraufhin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen sei, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruhe nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen.

Die Antikörper-Antwort gegen Omikron sei um das bis zu 37-Fache reduziert im Vergleich zur Delta-Variante - auch bei Menschen mit Auffrischungsimpfung gebe es eine Reduktion. Ciesek sieht in ihrer Untersuchung selbst drei Monate nach einer Booster-Impfung mit BioNTech nur eine Neutralisation von 25 Prozent bei Omikron im Vergleich zu 95 Prozent bei der noch vorherrschenden Delta-Variante. Bei einer sechs Monate zurückliegenden zweifachen Impfung mit BioNTech oder Moderna sowie einer Kreuzimpfung von AstraZeneca/BioNTech sei eine Antikörperreaktion nicht einmal messbar gewesen.

"Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte"

Der Virologe Christian Drosten lobte die Erhebung Cieseks und hob erneut die Notwendigkeit einer Booster-Impfung hervor. "Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte. Dritte Dosis erforderlich", schrieb Drosten auf Twitter. Die vorgelegten Daten sind bislang nicht von Fachkollegen begutachtet und nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht worden.

BioNTech-Chef rät zu früherem Boostern

Ähnliche Beobachtungen zur Wirksamkeit gegen Omikron machten auch die Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer. Vorläufige Laborstudien zeigten, dass nach zwei Impfdosen deutlich weniger Neutralisierung gegen Omikron vorhanden sei, teilten die beiden Unternehmen mit. Demnach konnten aber drei Dosen des Impfstoffs die Variante neutralisieren. Die Daten zeigten auch, dass eine dritte Dosis die neutralisierende Wirkung im Vergleich zu zwei Dosen um das 25-Fache erhöhe.

BioNTech-Chef Ugur Sahin hält frühere Auffrischungsimpfungen angesichts der neuen Omikron-Variante für ratsam. Er gehe davon aus, dass die neuen Daten zur Wirksamkeit des Covid-19-Impfstoffs des Mainzer Herstellers und seines Partners Pfizer gegen Omikron zur Diskussionen über ein Vorziehen der dritten Dosis führen werden, sagte Sahin auf einer Pressekonferenz. "Wir glauben, dass dies der richtige Weg ist." Dies gelte insbesondere, wenn sich die Omikron-Variante nun weiter ausbreite, um einen besseren Schutz im Winter zu ermöglichen.

Um die Wirkung eines Impfstoffes gegen eine bestimmte Variante von Sars-CoV-2 zu untersuchen, machen Forscher in der Regel sogenannte Neutralisationstests. Es wird geschaut, wie viele Antikörper ein Geimpfter im Blut hat, die sich an die Virusvariante binden können und sie damit ausschalten. Der tatsächliche Schutz von Geimpften kann damit aber nicht bestimmt werden, dafür wären klinische Studien mit Tausenden Probanden oder Auswertungen des laufenden Infektionsgeschehens nötig.

Afrikanische Studie mit ähnlichem Ergebnis

Forscher des Africa Health Research Institute in Südafrika hatten am Dienstag vorläufige Daten zur Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Vakzins gegen Omikron veröffentlicht. Den Ergebnissen zufolge war bei Geimpften, die zusätzlich infiziert waren, eine beträchtliche Antikörper-Antwort messbar. "Je mehr Antikörper man hat, desto größer ist die Chance, dass man vor Omikron geschützt ist", erklärten die Forscher. Auch diese Ergebnisse sind noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete HR Info am 08. Dezember 2021 um 16:00 Uhr.