Lothar Wieler und Karl Lauterbach | REUTERS

Coronavirus-Pandemie "Omikron-Welle lässt sich nicht mehr verhindern"

Stand: 22.12.2021 13:46 Uhr

Die Omikron-Variante dürfte nach Einschätzung von Gesundheitsminister Lauterbach in Kürze das Infektionsgeschehen dominieren. Er erwartet aber, dass Deutschland die Variante in den Griff bekommt. Das wichtigste Instrument bleibe das Impfen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet, dass Deutschland die Omikron-Variante des Coronavirus in den Griff bekommt. "Die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, wirken", sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, und dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen.

Eine fünfte Corona-Welle durch die Omikron-Variante lasse sich aber auch in Deutschland nicht mehr aufhalten. Es gebe inzwischen so viele Infektionen mit der Omikron-Variante. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Omikron-Welle nicht mehr verhindern lässt", sagte Lauterbach.

Booster-Kampagne gegen Omikron

Das wichtigste Instrument im Kampf gegen diese Infektionswelle sei eine "besonders offensive" Booster-Impfkampagne, sagte Lauterbach. Die Booster-Strategie könne die Omikron-Welle nicht ganz verhindern, "aber sie ist das wichtigste, was man tun kann, um zu verhindern, dass viele Menschen schwer erkranken", so der Gesundheitsminister.

Aktuelle Studien zeigten, dass die Auffrischungsimpfungen gut gegen Ansteckungen und schwere Verläufe schützten. Anders als bei der Zweitimpfung setze die Schutzwirkung nach der Booster-Impfung den Studien zufolge bereits nach einer Woche ein. Mit Blick auf symptomatische Infektionen liege die Wirksamkeit der Booster-Impfungen demnach "irgendwo zwischen 70 und 80 Prozent", der Schutz vor einem schweren Verlauf liege wahrscheinlich bei "deutlich über 90 Prozent", sagte Lauterbach. 

Vier Millionen Novavax-Dosen

Lauterbach zeigte sich zuversichtlich, dass die angekündigten 30 Millionen Auffrischungsimpfungen bis Weihnachten verabreicht sein würden. Bereits jetzt seien 27 Millionen Booster-Dosen verimpft worden. Ziel sei es, insgesamt 60 Millionen Booster-Impfungen zu verabreichen. Dafür stünden 30 Millionen weitere Dosen des Moderna-Impfstoffs und drei Millionen Dosen des BioNTech/Pfizer-Vakzins zur Verfügung.

An die Impfärzte und -ärtzinnen appellierte Lauterbach eindringlich, den Moderna-Impfstoff auch einzusetzen. Dieser sei "ein besonders guter Impfstoff". Zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel wolle Lauterbach die Booster-Kampagne im vollen Tempo vorantreiben. Damit könne die Ausbreitung des Virus dramatisch entschleunigt werden.

Für die Zeit zwischen dem 24. Dezember bis zum 9. Januar sollen Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker für eine Impfung durchgehend den Sonn- und Feiertagssatz von 38 Euro pro Impfung erhalten. Zudem habe er vier Millionen Dosen des neu zugelassenen Impfstoffs von Novavax bestellt, sagte Lauterbach. Der Stoff werde in Kürze direkt aus der Produktion eintreffen.

Sinkende Fallzahlen "kein Zeichen für Entspannung"

RKI-Präsident Wieler rechnet mit einer Verschärfung der Lage in Kürze. "In den vergangenen Tagen waren die Fallzahlen rückläufig, aber leider ist das kein Zeichen für eine Entspannung", sagte er. "Wir müssen die noch immer sehr hohen Fallzahlen runterbekommen." Zudem komme eine Infektionswelle von noch nicht gesehener Dynamik, so dass dem Gesundheitssystem eine Überlastung drohe.

In Deutschland seien bisher rund 540 Omikron-Fälle und rund 1848 Verdachtsfälle ans RKI übermittelt worden. Diese Daten seien überwiegend ein bis zwei Wochen alt. Wieler sagte: "Der Trend ist glasklar: Bei einer Verdopplungszeit von etwa drei Tagen könnte die neue Variante in den nächsten ein, zwei, spätestens drei Wochen bereits die Mehrzahl aller Infektionsfälle in unserem Land ausmachen."

Wieler mahnt Kontaktbeschränkungen an

Zudem werde die Corona-Lage in Deutschland über die Feiertage und den Jahreswechsel unvollständig in den Meldedaten abgebildet, mahnte Wieler. Dies sei etwa durch Urlaube, geschlossene Arztpraxen, weniger Tests am Arbeitsplatz, in Schulen sowie Kitas und entsprechend auch weniger Erreger-Nachweise zu erklären, sagte er.

Trotzdem sei klar, was zu tun ist: Neben dem Impfen sei das Reduzieren von Kontakten entscheidend. Er appellierte erneut an die Bevölkerung, ihre Kontakte auch an den Feiertagen zu beschränken. "Das Weihnachtsfest darf nicht der Funke sein, der das Omikron-Feuer entfacht", sagte er.

Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erneut gesunken

Am Morgen meldete das RKI eine im Vergleich zum Vortag gesunkene bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 289,0 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der bundesweite Wert bei 306,4 gelegen, vor einer Woche bei 353,0 (Vormonat: 386,5). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten binnen eines Tages 45.659 Corona-Neuinfektionen, wie das RKI mitteilte. Vor einer Woche waren es 51.301 Ansteckungen gewesen.

Die Zahl gemeldeter Infektionen geht seit etwa drei Wochen zurück. Experten befürchten wegen der ansteckenderen Omikron-Variante des Coronavirus aber eine baldige Trendumkehr.

Deutschlandweit wurden den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 510 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 453 Todesfälle gewesen. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektionen in Deutschland auf 109.324.