Unter den gesetzlichen Abgaben ist auf einer Abrechnung die Kirchensteuer ausgewiesen.  | Bildquelle: dpa

Steuerrückgang durch Corona Den Kirchen könnte eine Milliarde fehlen

Stand: 22.05.2020 05:00 Uhr

Die wirtschaftlichen Corona-Folgen treffen auch die Kirchen: Die Kirchensteuer geht zurück, es droht ein Milliardenloch. Was sich schon abzeichnet: Manche Kirchen trifft es härter als andere.

Von Ulrich Pick, SWR

Der Evangelischen Kirche im Rheinland mit Sitz in Düsseldorf geht es noch relativ gut. Zwar hat ihr die Corona-Krise deutliche Mindereinnahmen beschert, doch ist das zu erwartende Haushaltsloch in der zweitgrößten Landeskirche vergleichsweise niedrig.

"Unser Finanzdezernent geht davon aus, dass wir etwa zehn Prozent weniger Kirchensteuern durch die Pandemie einnehmen", sagt ihr Pressesprecher, Jens Peter Iven. Er rät den Gemeinden aber, sich auf 15 Prozent einzustellen. Bei einem Kirchensteuerverteilbetrag von insgesamt 750 Millionen Euro werde man also mindestens 75 Millionen Euro weniger in der Kasse haben.

Haushalts- und Besetzungssperren im Gespräch

220 Kilometer weiter südlich, in Mainz, fallen die finanziellen Einbrüche im dortigen katholischen Bistum schon erheblich höher aus. "Ich schätze für das Jahr hochgerechnet die Einnahmeverluste auf rund 20 Prozent bei den Kirchensteuern", prognostiziert Christof Molitor. Das entspräche bei einem Volumen von 230 Millionen Euro einem Minus von 45 bis 50 Millionen Euro, so der Finanzdirektor der Diözese.

Vor allem im Südwesten brechen Einnahmen weg

Auf Mindereinnahmen in Höhe von 20 Prozent oder sogar darüber stellen sich auch die Evangelischen Landeskirchen in Hessen und Nassau sowie in Württemberg ein. In beiden Kirchen wird zudem von anstehenden oder bereits eingeleiteten Haushalts- und Besetzungssperren gesprochen. Diese "Eindämmungsmaßnahmen" sind inzwischen auch in der Evangelischen Kirche der Pfalz, dem Erzbistum Freiburg und dem Bistum Mainz zu finden.

Dass gerade der Südwesten Deutschlands recht hohe Mindereinnahmen bei den Kirchensteuern verzeichnet, liegt nach Ansicht von Oliver Hoesch, dem Pressesprecher der Württembergischen Landeskirche, an der Struktur der Wirtschaft. Es gebe einen großen und starken Mittelstand, bei dem es jedoch in den vergangenen Wochen gehäuft zu Kurzarbeit gekommen sei.

Wird Rückgriff auf Reserven nötig?

In der Finanzabteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover wird die momentane Situation mit gebotener Vorsicht beurteilt. Noch seien die Schätzungen der Kirchensteuer-Mindereinnahmen nicht verlässlich, erklärt EKD-Finanzabteilungsleiter Carsten Simmer. Gleichwohl sei mit Rückgängen im zweistelligen Bereich zu rechnen: "Je nach Szenario und Landeskirche könnte der Korridor zwischen minus zehn und minus 30 Prozent liegen."

Diese Margen auf die beiden großen Kirchen in ganz Deutschland hochgerechnet, ergeben eine stattliche Summe. Ausgehend von der Gesamtkirchensteuer des Jahres 2018 - die bundesweit 12,1 Milliarden Euro betrug - würden bei einem Einbruch von zehn Prozent in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Euro fehlen. Wenn es schlechter läuft, könnte der Verlust deutlich größer ausfallen.

Kein Wunder, dass hinter vorgehaltener Hand bereits die Frage gestellt wird, ob die Kirchen auch in Zukunft noch all ihre Schulen, Hochschulen, Tagungshäuser und Kindergärten werden halten können. Zudem dürfte wohl so manche Diözese oder Landeskirche in Bälde an ihre bislang gut gehüteten Reserven gehen müssen.  

 

Kirchensteuern brechen massiv ein
Ulrich Pick, SWR
22.05.2020 09:13 Uhr

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