Operationsbesteck auf einem Tisch, im Hintergrund mehrere Ärzte. | dpa

Minister zu Corona-Lage Planbare OPs sollen verschoben werden

Stand: 25.11.2021 19:08 Uhr

Angesichts der kritischen Lage in Bayern, Sachsen und Thüringen könnten schon heute erste Patienten in Kliniken im Norden und Westen verlegt werden. Planbare Operationen sollen nach Willen der Gesundheitsminister bundesweit verschoben werden.

Wegen der sich zuspitzenden Corona-Lage in weiten Teilen Deutschlands sollen planbare Operationen nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern bundesweit verschoben werden. In vielen Bundesländern ist dies schon der Fall.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek, berichtete nach einer Schaltkonferenz, darüber seien sich die Länder einig gewesen. Es brauche zudem Freihaltepauschalen für die Kliniken, wenn sie Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten frei halten.

"Uns ist allen sehr klar, dass es sehr, sehr ernst ist", sagte Holetschek der Nachrichtenagentur dpa. Es herrsche eine große Solidarität zwischen allen Bundesländern, betonte der CSU-Politiker. Holetschek dankte den Ländern, die nun im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Konzepts Patienten aus anderen Landesteilen aufnehmen.

Neun Bundesländer nehmen Intensivpatienten auf

In Bayern, Thüringen und Sachsen haben unterdessen die Vorbereitungen für die Verlegung von 54 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen in aktuell weniger stark betroffene Gebiete im Norden und Westen Deutschlands begonnen. Wie der zuständige Arbeitskreis der Innenministerkonferenz mitteilte, erklärten sich Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland bereit, Patienten aufzunehmen.

Die 54 Patienten, die aus medizinischer Sicht für eine Verlegung infrage kommen, waren den Angaben zufolge am Mittwoch ausgewählt worden. 30 von ihnen kommen aus Bayern, 10 aus Thüringen und 14 aus Sachsen.

Erste Verlegungen wohl schon heute

Zuvor waren für insgesamt rund 80 Erkrankte Anträge für eine Verlegung nach dem sogenannten Kleeblatt-Konzept geprüft worden. Das 2020 als Folge der Corona-Pandemie beschlossene Konzept sieht vor, dass zunächst innerhalb von fünf Regionen - West, Nord, Ost, Süd, Südwest - verlegt wird. Gibt es in einer dieser Regionen absehbar zu wenige freie Plätze auf den Intensivstationen, wird die Verlegung auch in andere Gebiete organisiert.

"Erste Verlegungen dieses bisher größten Intensivverlegungseinsatzes in Deutschland werden voraussichtlich heute nach der Kontaktaufnahme zwischen den abgebenden und den aufnehmenden Kliniken erfolgen", hieß es nach einer Besprechung des Steuerungsgremiums. Für Sachsen teilte auch Landesgesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) mit, dass heute die ersten Patientenverlegungen geplant seien.

Das Kleeblatt-Konzept

Das 2020 beschlossene Kleeblatt-Konzept sieht vor, dass zunächst innerhalb von fünf Regionen - West, Nord, Ost, Süd, Südwest - verlegt wird. Gibt es in einer dieser Regionen absehbar keine freien Plätze mehr, wird im Austausch mit dem Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) die Verlegung auch in andere Gebiete organisiert. Zu der Sondersitzung der Gesundheitsminister wurden auch das Bundesamt und die Bundesministerien für Inneres und Verteidigung eingeladen.

Luftwaffe bereitet Start von Flügen für Freitag vor

Die Luftwaffe hält in Köln nun zwei Flugzeuge für einen Hilfseinsatz zur Verlegung von Intensivpatienten bereit. Dazu gehört der Airbus A310 MedEvac, die fliegende Intensivstation, sowie eine umgerüstete Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH. In dieses seien am Vortag zwei Plätze zur Intensivbehandlung eingebaut worden, sagte ein Luftwaffen-Sprecher. Über sechs Intensivplätze verfüge der Airbus A310 MedEvac.

Nach Informationen der dpa bereitet die Bundeswehr den Start der Verlegungsflüge am Freitag vor. Auf dem Tisch liegen demnach Planungen, die einen Transport vom bayerischen Flughafen Memmingen nach Nordrhein-Westfalen vorsehen. Vorgesehen ist eine Landung auf dem Flughafen Münster-Osnabrück.

Bayerns Kliniken warnen vor nicht dagewesener Notlage

In Bayern fürchten die Kliniken mit Blick aufs Jahresende eine bislang nicht dagewesene Notlage in der Versorgung. Die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer werde nur kurzfristig Abhilfe schaffen, warnt Roland Engehausen, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. "Alle Prognosen gehen in die Richtung, dass die Zahl der Patienten weiter steigen wird und wir in Bayern keine ausreichenden Intensivkapazitäten haben", sagte er der dpa. "Die momentan noch vorhandenen Intensivkapazitäten im Norden werden uns nur einige Wochen helfen können, weil auch dort die Belegung steigt."

Derzeit ist wegen Überlastung der bayerischen Kliniken die Verlegung von etwa 50 Covid-Intensivpatienten in andere Bundesländer in Vorbereitung. Doch wird derzeit jeden Tag eine zweistellige Zahl von zusätzlichen Intensivpatienten in den Kliniken aufgenommen, allein am Mittwoch waren es über 40. "Wir müssen in Bayern mit den Zahlen der Neuinfizierten runter", sagte Engehausen. "Sonst geraten wir zwischen Weihnachten und Neujahr in ein Drama hinein, das es so noch nicht gegeben hat."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. November 2021 um 16:35 Uhr.