Eine Seniorin sitzt in einem Pflegeheim einsam am Esstisch. | dpa

Corona-Maßnahmen Verbände fordern Erleichterungen für Heime

Stand: 12.04.2021 15:00 Uhr

Erst viele Tote, nun viele Geimpfte: Die Corona-Pandemie ist besonders für Pflegeeinrichtungen eine Herausforderung. Noch immer gibt es viele Einschränkungen. Verbände fordern ein "Ende des Shutdowns".

Alten- und Pflegeheime waren zu Beginn der Corona-Pandemie besonders von schweren Ausbrüchen betroffen. Besuche wurden eingeschränkt, gemeinsames Essen und Gruppenaktivitäten untersagt. Inzwischen sind die meisten Bewohner und Pflegekräfte geimpft. Viel geändert hat sich an der Situation vor Ort aber nicht. Verbände kritisieren die Situation.

Besuche sollten - soweit kein akutes Infektionsgeschehen vorliege - wieder ohne zeitliche Beschränkungen und Berührungsverbote möglich sein, verlangt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Unter den Besuchseinschränkungen litten besonders Menschen mit Demenz. Dafür müssten die Bundesländer ihre Vorgaben entsprechend anpassen, forderte die Geschäftsführerin des Verbands, Sabine Jansen.

Auch in Ländern mit bereits wieder erleichterten Besuchsregeln, wie Nordrhein-Westfalen, Brandenburg oder Schleswig-Holstein, würden diese nicht unbedingt in allen Einrichtungen umgesetzt.

"Ende des einjährigen Shutdowns"

Erleichterungen für die rund 900.000 Heimbewohner fordert auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Sie kritisiert, dass für die Bewohner von Pflegeheimen in der Pandemie immer noch "restriktive Regelungen" gelten.

"Das Ende des einjährigen Shutdowns ersehnen viele Pflegeheimbewohner", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Doch könne davon nicht die Rede sein. Obwohl 75 Prozent der Bewohner bereits eine zweite Impfung erhalten hätten, ändere sich kaum etwas. Treffen geimpfter Bewohner in Gemeinschaftsräumen würden weiter verboten. "Kein Bürger muss sich sonst solchen rigiden Maßnahmen unterziehen."

Hoffnung auf den Klageweg

Ausgangssperren, Kontakteinschränkungen und Quarantäne-Auflagen bestimmten den Alltag. "Eine Tasse Kaffee in der Außengastronomie, spontane Treffen mit geimpften oder getesteten Angehörigen, selbst ein Besuch von Gottesdiensten bleiben für geimpfte Bewohner Tabu", kritisierte Brysch am 8. April gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Den Betroffenen werde nur die Möglichkeit bleiben, ihre Grundrechte vor Gerichten einzuklagen. "Bisher haben Bund und Länder nicht verbindlich festgelegt, unter welchen Bedingungen stationär versorgte und vollumfänglich geimpfte Pflegebedürftige ihre Grundrechte zurückbekommen", sagte Brysch.

Grüne: Nicht länger im Zimmer isolieren

Auch die Fraktionschefin der Grünen unterstützt Forderungen nach Erleichterungen in Heimen. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Katrin Göring-Eckardt, besonders in Alten- und Pflegeheimen dürften geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner nicht länger in ihren Zimmern isoliert werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. April 2021 um 19:17 Uhr.