Eine Erstklässlerin meldet sich im Klassenzimmer im Rahmen der Einschulungsfeier in einer Grundschule. | Bildquelle: dpa

Corona-Krise in Deutschland Viele Kinder ohne Untersuchung eingeschult

Stand: 19.08.2020 14:12 Uhr

Eigentlich ist die Untersuchung vor der Einschulung Pflicht. Doch wegen Überlastung der Gesundheitsämter fiel sie für Zehntausende Kinder aus. Für Lehrerinnen und Lehrer ist das eine weitere Belastung.

Wegen der Corona-Pandemie sind in diesem Jahr viele Erstklässler ohne die eigentlich obligatorische Untersuchung eingeschult worden. Grund ist die Überlastung der Gesundheitsämter. "Die meisten haben es nicht geschafft, die Schuleingangsuntersuchungen durchzuführen", sagte Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, im Interview mit RTL und ntv.

"Die können auch immer nur eine Sache machen und nicht gleichzeitig, und das ist das Problem", sagte Teichert. Nur in ganz wenigen Bundesländern hätten die Gesundheitsämter versucht, die Untersuchungen nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen nachzuholen.

Förderbedarf der Kinder wird untersucht

Bei den Schuleingangsuntersuchungen beurteilen Ärztinnen und Ärzte der Gesundheitsämter, ob ein Kind die körperlichen und sozialen Voraussetzungen für den Schulalltag erfüllt. Erkennen sie einen Förderbedarf, melden sie das im Regelfall den Schulen. Fallen die Eingangsuntersuchungen weg, erhalten die Schulen auch keine solchen Meldungen.

Eine Ąrztin im Schulärztlichen Dienst in Hamburg, führt mit der fünfjährigen Emily im Beisein deren Eltern die Schuleingangsuntersuchung durch, Archivbild | Bildquelle: picture alliance / Markus Scholz
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Die Eingangsuntersuchung soll zeigen, ob ein Kind Förderbedarf hat (Archivbild).

Mehrbelastung für Lehrerinnen und Lehrer

Lehrerinnen und Lehrer müssten nun sehen, wie sie im Unterricht mit eventuellen Defiziten der Erstklässler umgehen, sagte Teichert. Dies sei eine Mehrbelastung - "zur Zeit der Pandemie zu unterrichten, ist ja nicht ganz einfach". Die Gesundheitsämter würden die ausgefallenen Untersuchungen aber kaum aufholen können, zumal sie derzeit mit den Reiserückkehrern beschäftigt seien.

Über dieses Thema berichtete MDR Thüringen - Das Radio (Nachrichten) am 09. Juli 2020 um 07:00 Uhr.

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