Impfzentrum in den Messehallen von Husum | Bildquelle: dpa

Corona in Deutschland 160.000 Impfungen und eine Debatte

Stand: 01.01.2021 15:45 Uhr

Während das RKI inzwischen mehr als 160.000 Impfungen meldet, bleibt die Corona-Datenlage wegen der Feiertage unklar. Die Debatte über Lockerungen ab dem 10. Januar geht unvermittelt weiter.

In Deutschland sind nach jüngsten Angaben des Robert Koch-Instituts inzwischen mehr als 160.000 Menschen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus geimpft worden. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Geimpften um fast 32.000, wie aus den RKI-Angaben hervorgeht. Diese Zahl könne allerdings auch Nachmeldungen enthalten und spiegele nicht die Zahl der an einem Tag tatsächlich Geimpften wider, betont das RKI.

Ähnlich unklar ist auch weiterhin die Datenlage, was Neuinfektionen und Todesfälle angeht. Am Neujahrstag meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut 22.924 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Außerdem wurden 553 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahlen sind aber vor allem deshalb schwierig zu interpretieren, weil während der Feiertage und um den Jahreswechsel herum vermutlich weniger Menschen getestet werden; außerdem übermitteln die Ämter die Daten möglicherweise mit Verzögerung.

Bund-Länder-Treffen am Dienstag

Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - lag laut RKI am Neujahrsmorgen bei 141,9. Das ist ein nach wie vor zu hoher Wert, als dass die Gesundheitsämter in der Lage wären, sämtliche Neuansteckungen nachzuverfolgen. Nach Expertenmeinung ist dies nur möglich, wenn die Inzidenz bei 50 oder deutlich darunter liegt. Daher ist diese Schwelle das erklärte Ziel der Politik.

Die Ministerpräsidenten der Länder werden am kommenden Dienstag mit Kanzlerin Angela Merkel darüber beraten, wie es nach dem 10. Januar mit dem bundesweiten Lockdown weitergeht.

Wenn es nach dem CDU-Vorsitz-Kandidaten Friedrich Merz geht, sollen zumindest Schulen schnellstmöglich wieder öffnen. Merz stellt sich damit hinter die Forderung seiner Parteifreundin Susanne Eisenmann, Kultusministerin von Baden-Württemberg. Es sei richtig zu sagen, "dass nämlich die Schulen so schnell wie möglich wieder geöffnet werden müssen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Und es ist ja auch der politische Wille aller Beteiligten, je nach Inzidenzlage in diese Richtung zu gehen."

Nach Eisenmanns Willen sollen Kindergärten und Grundschulen bereits vom 11. Januar an wieder öffnen.

"Unmöglich, jeden Todesfall zu verhindern"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble appellierte an Bund und Länder, auf so viel Freiheit wie möglich setzen. "Es ist schier unmöglich, per Gesetz jeden Corona-Todesfall zu verhindern", sagte der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Es sei seine Grundüberzeugung, dass die Politik die Abwägung zwischen dem Schutz des Lebens und den Nachteilen der Anti-Corona-Maßnahmen "nicht komplett per Verordnung oder Gesetz auflösen kann, sondern dass die Verantwortung auch in den Händen der Ärzteschaft, von Wissenschaft und Ethikern liegt".

Söder hält wenig von vorschnellen Lockerungen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hingegen dämpfte Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Beschränkungen. "Wir müssen jetzt einfach die Zahlen nachhaltig senken. Daher bin ich sehr skeptisch, schon ab 10. Januar wieder Öffnungen in Aussicht zu stellen", sagte der CSU-Chef der Nachrichtenagentur dpa. Bund und Länder müssten die Ausbreitung des Coronavirus weiter entschlossen bekämpfen. "Wir wissen nicht, ob wir im Frühjahr Dank oder Quittung dafür bekommen. Aber wenn wir aus Ängstlichkeit nicht entscheiden würden, dann hätten wir unseren Auftrag verfehlt", sagte er. "Es kommt jetzt nicht darauf an, die bequemste Lösung zu finden, sondern die wirkungsvollste."

Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Zahlen wird auch darüber diskutiert, wie möglichst schnell mehr Impfstoff produziert werden kann. Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, forderte ein Gipfeltreffen der Bundesregierung mit allen in Deutschland produzierenden pharmazeutischen Unternehmen. Gesundheitsminister Jens Spahn müsse klären, "welche Produktionsstätten bestehen und kurzfristig nutzbar gemacht werden können". Laut dem BioNTech-Mitbegründer Ugur Sahin ist dies allerdings ein hochkomplexer Vorgang.

RKI-Daten zu den bereits Geimpften in Deutschland
Birgit Schmeitzner, ARD Berlin
01.01.2021 19:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKtuell am 01. Januar 2021 um 16:30 Uhr in den Nachrichten.

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