Berlin: Ein Teilnehmer hält vor einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen eine Reichsflagge vor dem Brandenburger Tor | dpa
Interview

Corona-Demo in Berlin "Bunte Mischung, kein Abstand"

Stand: 29.08.2020 11:58 Uhr

In Berlin protestieren ganz verschiedene Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. rbb-Reporterin Tina Handel ist vor Ort. Sie sagt: Da marschieren Familienausflügler neben knallharten Rechtsextremen.

tagesschau.de: Frau Handel, Sie stehen am Bahnhof Friedrichstraße, wo die Demonstranten bereits entlang ziehen. Können Sie einschätzen, wie viele Menschen sich hier bereits versammelt haben?

Tina Handel: Das ist sehr schwer. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht, aber ich schätze, dass es Tausende sind. Es spielt an verschiedenen Orten in Berlin, die Menschen reisen teilweise auch erst an, daher ist es momentan wirklich schwer, die Menschen genau zu beziffern.

Aber der Demonstrationszug zieht jetzt vom Brandenburger Tor über die Friedrichstraße Richtung Norden. Letztlich dreht er eine Runde und endet auf der Straße des 17. Juni.

Auch Rechtsextreme unter den Teilnehmenden

tagesschau.de: Wer läuft hier mit?

Handel: Die Mischung ist sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die das als Familienausflug betrachten - Händchen haltend und politisch nicht wirklich auffällig. Menschen mit Rucksäcken - wahrscheinlich von außerhalb angereist, aus der ganzen Bundesrepublik.

Dann gibt es Menschen, die sich ganz knallhart positionieren. Gestern etwa wurde auch schon Martin Sellner gesichtet, der Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich. Es sind also ganz klar Rechtsextreme vor Ort. Ansonsten gibt es das ganze Spektrum dazwischen.

Absurd fand ich zum Beispiel einen Mann, der ein Plakat mit der Aufschrift "Nazis raus - Hirn rein" hält. Er läuft aber im selben Zug mit Rechtsextremen.

Eine Frau hält ein Schild mit der Aufschrift "Big Brother is Masking you" während einer Demonstration in Berlin | REUTERS

Eine Demonstrantin hält ein Schild mit der Aufschrift "Big Brother is Masking you". Bild: REUTERS

Keine Masken, kein Abstand

tagesschau.de: Wie ist die Stimmung unter den Demonstranten? Wie verhalten sie sich?

Handel: Am Brandenburger Tor war die Lage recht angespannt. Hier gab es Menschen, die die Polizei bepöbelt hatten und "Widerstand" riefen. Andere laufen aber wie gesagt Händchen haltend und friedlich mit.

tagesschau.de: Die Demonstration wurde nach dem anfänglichen Verbot unter strengen Auflagen doch zugelassen. Halten sich die Versammelten daran?

Handel: Es gibt von Veranstaltern Durchsagen, dass der Mindestabstand eingehalten werden soll. Es scheint aber niemanden zu interessieren. Die Menschen schauen zum Veranstalter-Wagen hin, lachen kurz und laufen weiter. Hier in der Friedrichsstraße ist es sehr eng, Abstand wird nicht eingehalten. Mit einer Maske fühle ich mich hier fast schon als Provokateurin. Einen Mund-Nase-Schutz trägt fast niemand.

Auffällig war es auf der Anreise. In der S-Bahn erkennt man die Teilnehmer vor allem daran, dass sie keine Masken tragen. Dabei gilt hier ganz klar die Maskenpflicht.

Die Fragen stellte Natalia Frumkina, tagesschau.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. August 2020 um 12:00 Uhr.