Ministerpräsident von Sachsen, und Roland Wöller (r, CDU), Innenminister von Sachsen, stehen bei der Kundgebung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Chemnitz unter dem Motto "Wir in Chemnitz · aufeinander hören, miteinander handeln" zwischen Teilnehmern.  | Bildquelle: dpa

Kretschmer zu Chemnitz "Die Mehrheit steht für Demokratie"

Stand: 02.09.2018 20:40 Uhr

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer erwartet von den Chemnitzer Bürgern deutlichen Widerspruch gegen rechtsradikale Positionen. "Die Mehrheit muss lauter werden", mahnte er bei einer Kundgebung.

Bei einer Kundgebung der evangelischen Kirche in Chemnitz hat sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gestellt. "Für mich sind Rechtsextremisten die größten Feinde der Demokratie", so der CDU-Politiker. Er wisse um ein breites Bündnis dagegen.

"Es beginnt bereits mit dem Wort"

"Die Mehrheit muss lauter werden", sagte Kretschmer vor etwa 1000 Menschen, die sich am Abend vor dem Chemnitzer Rathaus versammelt hatten. Wenn Hass gesät und Aggressionen geschürt werden, die Gesellschaft in Unruhe sei, sei jeder in seinem privaten Umfeld herausgefordert. Es gelte, sich vor die zu stellen, "die anders aussehen, einen anderen Glauben haben, anderswo geboren sind, anderes lieben, eine besondere Gabe haben, die manche Behinderung nennen". Sachsen sei genau so lebens- und liebenswert, wie seine Bewohner es machten.

Freiheit und Zusammenhalt seien allerdings nicht erst durch aufkommende Gewalt gefährdet: "Es beginnt bereits mit dem Wort". Beim Bürgergespräch in Chemnitz am Donnerstag sei deutlich geworden, wie viele Gerüchte, Falschinformationen und Verschwörungstheorien kursierten, die jeglicher Grundlage entbehrten. Dem Begriff "Lügenpresse" müsse entgegengetreten werden. Außerdem dankte Kretschmer der Polizei, die mit "beherztem Eingreifen" das Gewaltmonopol des Staates behauptet habe.

Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen bei der Kundgebung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Chemnitz unter dem Motto "Wir in Chemnitz · aufeinander hören, miteinander handeln" zwischen Teilnehmern. | Bildquelle: dpa
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Michael Kretschmer, Ministerpräsident von Sachsen bei der Kundgebung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Chemnitz.

Maas: "Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen"

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas forderte nach den fremdenfeindlichen Demonstrationen in Chemnitz mehr Einsatz der Bürger für Demokratie und gegen Rassismus. "Es hat sich in unserer Gesellschaft leider eine Bequemlichkeit breit gemacht, die wir überwinden müssen", sagte der SPD-Politiker der "Bild am Sonntag". "Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen. Die Jahre des diskursiven Wachkomas müssen ein Ende haben."

Rund eine Woche nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Deutschen in Chemnitz - tatverdächtig sind ein Iraker und ein Syrer - und den folgenden ausländerfeindlichen Ausschreitungen waren gestern Abend nach Angaben der Polizei rund 8000 Gegner der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, Rechte und Neonazis durch die sächsische Stadt gezogen. Ihnen stellten sich rund 3000 Gegendemonstranten entgegen.

Dabei kam es teils auch zu gewalttätigen Konfrontationen. Nach Polizeiangaben wurden 18 Menschen verletzt, darunter drei Beamte. Bis zum Mittag lagen 37 Strafanzeigen vor, mehrheitlich zu Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigungen und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz.

Konzert für Demokratie

Insgesamt seien mehr als 2000 Polizisten im Einsatz gewesen. Die sächsischen Beamten wurden von Kollegen aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und von der Bundespolizei unterstützt

Heute demonstrierten zwei kleinere Bündnisse in Chemnitz gegen Extremismus. Der Stadt steht am Montag das nächste Großereignis bevor.Unter dem Motto "#wir sind mehr" steigt dort ein Gratis-Konzert gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt. Ihren Auftritt angekündigt haben unter anderem die Toten Hosen, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet und Marteria & Casper.

Kirche, Politiker und Künstler rufen in Chemnitz zum Dialog auf
tagesthemen 22:45 Uhr, 02.09.2018, Michael Stempfle, ARD Berlin

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. September 2018 um 20:00 Uhr.

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