Schriftzug der CDU in der Parteizentrale in Berlin | AFP

Erneuerung der CDU gefordert Mächtig Druck aus den eigenen Reihen

Stand: 07.10.2021 07:52 Uhr

Zahlreiche CDU-Politiker fordern eine Neuaufstellung der eigenen Partei - Innenexperte Bosbach etwa plädiert für einen Generationenwechsel. Andere mahnen zu kurzfristiger Geschlossenheit, auch weil für sie Jamaika-Sondierungen nicht vom Tisch sind.

In der Union nimmt die Diskussion über die Aufstellung nach dem historischen Desaster bei der Bundestagswahl und die Konsequenzen für CDU-Chef Armin Laschet weiter Fahrt auf. Am Nachmittag kommt die Unionsfraktion nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa auf Einladung von Fraktionschef Ralph Brinkhaus zu einer Schaltkonferenz über die aktuelle Lage zusammen. Mit Spannung wird erwartet, wie sich die Lage für Laschet bis zu den regulären Beratungen der CDU-Spitzengremien am kommenden Montag entwickelt.

Unterdessen mehrt sich die innerparteiliche Kritik an ihm. Der langjährige CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach legte Laschet nahe, den Weg für einen Generationswechsel in der CDU freizumachen. Im Fernsehsender "Bild Live" verwies er darauf, dass Laschet am Vortag den nordrhein-westfälischen Verkehrsminister Hendrik Wüst als seinen Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten vorgeschlagen hatte. "In NRW hat Armin Laschet mit Hendrik Wüst gezeigt, wie es geht. Er ist ein junges, frisches Gesicht. Er ist Mitte vierzig", sagte Bosbach.

Es wäre ein gutes Zeichen, wenn Laschet jetzt auch den Generationswechsel in der CDU moderieren würde. "Es geht um Würde und Achtung für Armin Laschet selber", betonte Bosbach. "Wir wollen keine wochenlange Demontage. Das sind wir Armin Laschet schuldig, dass wir anständig mit ihm umgehen."

Klöckner sieht Partei vor "Zäsur"

Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner forderte eine Erneuerung der Partei: "Nach 16 Jahren Regierungsführung stehen wir vor einer Zäsur", sagte Klöckner, die auch stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende ist, der "Rheinischen Post". "So hart das ist, aber wir müssen diese Situation jetzt als Chance begreifen." Klöckner sagte: "Wir als Union haben die Aufgabe, uns inhaltlich und personell zu prüfen."

Nach der Entscheidung für Ampel-Sondierungen übte der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl Kritik an der eigenen Partei: "Für uns ist besonders bitter und hoffentlich eine Mahnung, dass die Entwicklungen, die uns an den heutigen Punkt gebracht haben, selbst verschuldet sind", sagte der baden-württembergische Innenminister den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Strobl beklagte mangelnde Geschlossenheit. "Zunächst haben zu viele zu intensiv nicht an einem Strang für die CDU und die Union gezogen, sondern versucht, einen persönlichen Vorteil für sich zu ziehen", sagte er. Während der Vorsondierungen seien dann strengste Verschwiegenheit und höchste Disziplin zu wenig beachtet worden.

"Bild einer Abbruchtruppe"

Der Vizechef des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, kritisierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir haben zuletzt in der Öffentlichkeit eher das Bild einer Abbruchkolonne abgegeben als einer Partei, die Lust auf Zukunftsgestaltung hat." Das gelte es zu ändern. "Bevor wir eine Personaldebatte führen, müssen wir klären, was schief gelaufen ist und wie wir uns inhaltlich aufstellen", mahnte Radtke. "Die Erneuerung der Union muss in der Mitte stattfinden, denn wir haben 2,5 Millionen Wähler an SPD und Grüne verloren. Die haben uns nicht deshalb nicht gewählt, weil die Union nicht rechts oder wirtschaftsliberal genug wäre - sondern weil sie den Eindruck hatten, dass wir uns nicht ausreichend um soziale Fragen kümmern."

Daniel Caspary, Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament, warnte in Bezug auf die Sondierungen vor voreiligen Schritten. Die Ampel-Sondierungen seien "keinesfalls ein Selbstläufer". Wie man vor vier Jahren erlebt habe, könnten Sondierungen auch scheitern, sagte das CDU-Präsidiumsmitglied der Nachrichtenagentur dpa. "Dann sollten wir nicht als unsortierter Haufen, sondern als geordnete Formation bereit stehen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.