Wachbataillon der Bundeswehr | picture alliance / photothek

Rechtsextremismusverdacht Ermittlungen im Wachbataillon

Stand: 08.10.2021 14:03 Uhr

Wegen des Verdachts auf rechtsextremistische Umtriebe wird gegen Mitglieder des Wachbataillons der Bundeswehr ermittelt. Das Verteidigungsministerium bestätigte einen entsprechenden Medienbericht.

Das Bundesverteidigungsministerium geht wegen Rechtsextremismusverdachts gegen Angehörige des Wachbataillons der Bundeswehr vor. Dies teilte ein Ministeriumssprecher in Berlin mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Magazins "Der Spiegel". Der Sachverhalt sei noch nicht vollständig geklärt. Ermittelt werde gegen mehrere Dutzend Soldaten, hauptsächlich aus dem einfachen Dienst. Es gebe aber Erkenntnisse, dass auch Vorgesetzte Teil der Gruppe seien, so der Sprecher.

Erste Verdächtige von Aufgaben entbunden

Eine besonders auffällige Kompanie sei aus dem Protokollardienst des Bataillons "herausgenommen" worden, die Vorgesetzten würden vorerst von ihren Funktionen entbunden, sagte der Ministeriumssprecher. Der Fall stehe in einem "rechtsextremen Kontext". Zudem gehe es um "ziemlich abartige Trink- und Aufnahmerituale" und "sexualisierte Gewalt". Die aktuellen Ermittlungen seien nach "Meldungen aus dem Kameradinnenkreis" aufgenommen worden, so der Sprecher weiter.

"Der Spiegel" berichtete über Hinweise, dass sich innerhalb des Wachbataillons eine rechtsextreme Gruppe gebildet habe, die sich selbst als "Wolfsrudel" bezeichne. Der Anführer der Gruppe soll laut Zeugenaussagen andere Soldaten mit ausländischen Wurzeln rassistisch beschimpft haben. Zudem soll ein 32-jähriger Oberstabsgefreiter ein T-Shirt mit einer schwarzen Sonne und der Aufschrift "Sonnenstudio 88" getragen haben, so das Magazin weiter. Auf der Rückseite prangte demnach laut der Aussage der Schriftzug "Wir sind braun". Die Zahl 88 wird in rechtsextremen Kreisen als Chiffre für den verbotenen Hitlergruß benutzt.

Verteidigungsministerium verurteilt Verdachtsfälle

Die berichteten Vorfälle "beschämen uns alle zutiefst", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Für die Soldatinnen und Soldaten sei derartiges Fehlverhalten in der Truppe "schwer erträglich". Eine militärische Gemeinschaft sei "immer und in besonderem Maße auf Zusammenhalt" angewiesen. Wer sich extremistisch und menschenfeindlich äußere, greife diese Solidargemeinschaft an.  Die Bundeswehr werde deshalb "alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen", um die Schuldigen aus der Truppe "zu entfernen".

Das rund 1000 Mitglieder umfassende Wachbataillon gilt eigentlich als Aushängeschild der Bundeswehr. Ihm obliegen protokollarische Ehrendienste etwa bei Staatsbesuchen und beim Zapfenstreich, zudem ist es für die Sicherung der Dienstsitze der Bundesregierung zuständig. In der Öffentlichkeit werde das Bataillon "durch zahlreiche Auftritte im Rahmen der militärischen Ehren als Repräsentantin der Bundesregierung wahrgenommen", heißt es auf der Internetseite des Verteidigungsministeriums.

Über dieses Thema berichtete Bayern 2 Nachrichten am 08. Oktober 2021 um 13:00 Uhr.