Bundeswehrsoldaten beim Manöver "Heidesturm" an der Elbe im Oktober. | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

65 Jahre Bundeswehr Jede Menge Baustellen

Stand: 12.11.2020 05:01 Uhr

Mit einem feierlichen Gelöbnis junger Soldatinnen und Soldaten wird heute der 65. Gründungstag der Bundeswehr gewürdigt. Doch die Truppe kämpft derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig.

Eine Analyse von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

 "Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen" - diesen Eid schwören alle jungen Rekrutinnen und Rekruten beim Eintritt in die Bundeswehr. Doch wo wird diese Freiheit heute in erster Linie verteidigt: am Hindukusch in Afghanistan? In Mali? Oder doch eher nahe der russischen Grenze in Litauen?

Die Bundeswehr, daran besteht kein Zweifel, hat heute zwei Missionen gleichzeitig zu erfüllen: Weit entfernt liegende Auslandseinsätze zu bestreiten und seit der Krim-Annexion 2014 parallel Landes- beziehungsweise NATO-Bündnis-Verteidigung zu gewährleisten. "Diese neue Doppelaufgabe ist eine zusätzliche Belastung", sagt Hans-Peter Bartels, der bis Mai Wehrbeauftragter des Bundestags war, im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Helfer in der Corona-Krise

Wobei aus der Doppelaufgabe in Pandemie-Zeiten sogar eine Dreifach-Aufgabe geworden ist: Ein Kontingent von derzeit bis zu 16.000 Soldatinnen und Soldaten hält die Bundeswehr bereit, um in der Corona-Krise zu helfen. Derzeit vor allem bei der Nachverfolgung von Infektionsketten in den Gesundheitsämtern. Zum Kernauftrag der Truppe gehört das eigentlich nicht, geben Kritiker zu bedenken. Auch wenn der zivile Einsatz im Inneren dazu beitragen dürfte, das Ansehen der Soldatinnen und Soldaten aufzupolieren.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidigungsministerin, zur Situation der Bundeswehr
ARD Morgenmagazin, 12.11.2020

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Auslandseinsätze sind kein Gewinnerthema

Mit Auslandseinsätzen gelingt das eher nicht: Gut zwei Drittel der Deutschen lehnen es Umfragen zufolge ab, die Bundeswehr auf den Balkan, vor das Horn von Afrika oder ins Mittelmeer zu schicken. Was auch daran liege, dass die Politik versäume, den Menschen offensiv zu erklären, warum das nötig sei, beklagt der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour: "Solange die Politik das nicht macht, werden wir Akzeptanz für Auslandseinsätze nicht gewinnen können."

Bundeswehr in Afghanistan | Bildquelle: picture alliance / Michael Kappe
galerie

Bundeswehrsoldaten im Camp Marmal in Masar-i-Sharif (Archivbild 2017)

Weil sich damit kaum Wahlen gewinnen lassen, wird das Thema gerne in die Schmuddelecke verbannt und lieber gar nicht besprochen. Beispiel Afghanistan: Die Bundesregierung weigerte sich auch dann noch von "Krieg" am Hindukusch zu sprechen, als die Bundeswehr täglich von den Taliban in Gefechte verwickelt wurde. "Ich glaube, die Deutschen könnten Wahrheit ab und es ist der Job der Politik, die Wahrheit auch auszusprechen", fordert Nouripour.

Dauerproblem: mangelhafte Ausrüstung

Fragt man die Soldaten selbst, so klagen die - vor allem mit Blick auf Auslandseinsätze - nicht nur über mangelnde Anerkennung. Sondern auch über mangelhafte Ausrüstung. Vernichtend fällt auch das Urteil des ehemaligen Wehrbeauftragten Bartels aus: Die Ausstattung der Bundeswehr nennt er "prekär". "Ihr fehlen Panzer, Flugzeuge, Schiffe, moderne Funkausstattung. Es fehlt an allen Ecken und Enden."

Und das, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist: Als die Bundeswehr Anfang 2019 die Führung bei der von der NATO neu geschaffenen "Speerspitze", einer schnell aktivierbaren Kriseneingreiftruppe, übernehmen sollte, mussten die Militärs ein paar Monate vorher kleinklaut einräumen, dass sie dafür nicht über ausreichend Panzer verfüge. 2023 droht derselben Truppe erneut Materialmangel. Was also tun?

Posse ums neue Sturmgewehr

Bartels wirbt dafür, zumindest "Allerweltsmaterial", also kleinere Anschaffungen wie zum Beispiel Schlauchboote, nicht mehr mühsam und zeitaufwändig selbst zu entwickeln: "Selbst beim Tragegeschirr für den Diensthund, mit dem ein Fallschirmjäger aus dem Flugzeug springt, wenden Offiziere, Beamte, Ingenieure viele Arbeitsstunden auf." Dabei sei es doch viel einfacher, zu schauen, was es auf dem Markt gebe, dies zu testen und zu kaufen.

Nicht irgendwo einkaufen lassen sich ein schwerer Transporthubschrauber oder ein neues Sturmgewehr. Auch hier tut sich das Verteidigungsministerium bekanntlich mit der Beschaffung schwer.

Spott übers FKK-Programm

Doch nicht nur beim Material, auch beim Personal hakt es nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011: Zwar wuchs die Zahl der Soldatinnen und Soldaten zuletzt wieder. Doch auch in diesem Jahr waren rund 20.000 Dienstposten unbesetzt. Trotz Imagekampagnen und trotz des einst von der damaligen Ministerin Ursula von der Leyen eingeführten Projekts "Wohlfühlarmee" - das truppenintern schnell spöttisch FKK-Programm getauft wurde. FKK steht in diesem Fall für: Flachbildschirm, Kita, Kühlschrank.

Baustellen der Bundeswehr - zum 65. Geburtstag
Kai Küstner, ARD Berlin
12.11.2020 10:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. November 2020 um 09:00 Uhr.

Korrespondent

Kai Küstner | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo NDR

Kai Küstner, NDR

Darstellung: