Ein vermummter arabischer Terrorist zeigt sich am 05.09.1972 auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf der Münchner Sommerspiele. | dpa

Olympia-Attentat 1972 Bund zu weiteren Entschädigungen bereit

Stand: 27.07.2022 13:12 Uhr

Die Bundesregierung hat den Opferfamilien des Olympia-Attentats von 1972 "weitere Anerkennungsleistungen" angeboten. Seit dem Attentat vor 50 Jahren durch ein palästinensisches Terrorkomando wird um Entschädigungen gerungen.

50 Jahre nach dem Münchner Olympia-Attentat von 1972 können die Opferfamilien nach einem jahrzehntelangen Streit nun doch auf Entschädigungszahlungen aus Deutschland hoffen. Die Bundesregierung teilte mit, zu weiteren Entschädigungen bereit zu sein. "Ein Angebot weiterer Anerkennungsleistungen an die Hinterbliebenen der Opfer des Attentats" sei geplant, teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Es liefen derzeit vertrauensvolle Gespräche mit Vertretern der Opferfamilien, sagte er weiter. Die Bundesregierung habe entschieden, "die gravierenden Folgen für die Hinterbliebenen der Opfer in immaterieller und in materieller Hinsicht erneut zu artikulieren", sagte der Ministeriumssprecher der "Süddeutschen Zeitung".

Die finanziellen Leistungen sollen demnach vom Bund, dem Land Bayern und der Landeshauptstadt München kommen. Über die Höhe der Entschädigungszahlungen wurden keine Angaben gemacht.

50. Jahrestag des Olympia-Attentats

Anfang September wird mit einer Gedenkveranstaltung an das Attentat erinnert. Bei dem Anschlag durch ein palästinensisches Terrorkommando am 5. September 1972 starben elf israelische Sportler und Trainer sowie ein deutscher Polizist.

"Die Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag soll Anlass für eine klare politische Einordnung der Geschehnisse des Jahres 1972 sein." Mit einer umfassenden Aufarbeitung der damaligen Ereignisse wolle die Bundesregierung den besonderen Beziehungen Deutschlands zum Staat Israel Ausdruck verleihen und den Ausgangspunkt einer neuen, lebendigen Erinnerungskultur schaffen.

Kritik von Seiten der Opferfamilien

Hinterbliebene hatten im Vorfeld den Umgang der deutschen Behörden mit Akten kritisiert und die bereits getätigten Entschädigungen als nicht angemessen befunden. Die Sprecherin der Hinterbliebenen, Ankie Spitzer, hatte unter anderem die Teilnahme der Opferfamilien am zentralen Gedenkakt infrage gestellt, solange die Entschädigungsfrage ungeklärt ist.

Unmittelbar nach dem Attentat hatte es nach Angaben des Bundesinnenministeriums Zahlungen aus Deutschland an die Angehörigen der Opfer in Höhe von rund 4,19 Millionen Mark (rund zwei Millionen Euro) gegeben. Rund 3,2 Millionen Mark davon seien humanitäre Leistungen durch die Bundesrepublik gewesen, teilte das Ministerium 2001 mit. Bei dem restlichen Betrag habe es sich um Spenden des Deutschen Roten Kreuzes und Leistungen des Nationalen Olympischen Komitees gehandelt. Der Gesamtbetrag sei damals an das Nationale Olympische Komitee zur Weiterleitung an die Hinterbliebenen gegangen.

2002 erhielten die Hinterbliebenen weitere drei Millionen Euro - als humanitäre Geste, wie Bundesregierung, Freistaat Bayern und Stadt München damals erklärten. Eine Klage auf Schadenersatz in Höhe von rund 40 Millionen Mark (rund 20,45 Millionen Euro) unter Verweis auf massive Fehler beim Polizeieinsatz wurde wegen Verjährung abgewiesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2022 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.