Schweingartensee im Müritz-Nationalpark | imago/imagebroker

Vor der Bundestagswahl Deutschlands ungewöhnlichste Wahlkreise

Stand: 17.09.2017 05:29 Uhr

Wo wählen die Menschen am "normalsten"? In welchem Wahlkreis wohnen die meisten Schulabbrecher? Wo die meisten Alten? Das sind die außergewöhnlichsten Wahlkreise in Deutschland.

Von Jonas Schreijäg und Nil Idil Çakmak, tagesschau.de

Hans Christian Ströbele dürfte sich auf dem Weg in seinen Ruhestand freuen: Sein Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost ist der unkonventionellste Wahlkreis Deutschlands. Seit es den Wahlkreis gibt, holte der Grüne dort das Direktmandat - das einzige für seine Partei in ganz Deutschland.

Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost

Aber auch bei den Zweitstimmen weicht das Ergebnis im Wahlkreis mit der wohl höchsten Clubdichte Deutschlands so stark vom Bundesdurchschnitt ab wie sonst nirgendwo in Deutschland. Die CDU erzielte hier beispielsweise nur 15,4 Prozent - ihr schlechtestes Ergebnis und damit 26,2 Prozentpunkte weniger als im Bundesschnitt. Für die Grünen war es dagegen mit 20,8 Prozent der erfolgreichste Wahlkreis - auch bei den Zweitstimmen. Auch die Linkspartei erreichte dort ein deutlich besseres Ergebnis als im Bundesvergleich.

Ströbele tritt bei der Bundestagswahl 2017 nicht mehr an. Ob die Grünen das Direktmandat halten können, ist unklar. Apropos Direktkandidaten: In dem Berliner Wahlkreis gibt es 18 Bewerber für das Direktmandat - natürlich so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost 2013: CDU: 15,4,%, SPD: 24,0%, Die Linke: 25,1%, Grüne: 20,8%, FDP: 2,2%, AfD: 2,8%

Berghain - Der Berliner Club mit der härtesten Tür Deutschlands in Friedrichshain | imago/J¸rgen Ritter

Die härteste Tür des Landes - das "Berghain". Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg hat wohl die meisten Clubs und die unkonventionellsten Wähler. Bild: imago/J¸rgen Ritter

Nirgendwo wählten die Menschen 2013 so "normal" wie in Berlin-Reinickendorf. Die Ergebnisse von CDU, SPD, Linkspartei, Grünen, FDP und AfD wichen dort nur unwesentlich vom Bundesergebnis ab - im Schnitt um 0,8 Prozentpunkte.

Wahlkreis Berlin-Reinickendorf

Die Grünen erzielten beispielsweise in Reinickendorf 8,7 Prozent, bundesweit kamen sie auf 8,4. Auch bei FDP, SPD und Linkspartei lagen die Reinickendorfer jeweils um weniger als einen Prozentpunkt daneben. Bei AfD und CDU lag die Differenz bei 1,3 beziehungsweise 1,4 Prozentpunkten. Rechnet man die Abweichungen aller sechs Parteien zusammen, kommt man in Berlin-Reinickendorf auf eine Gesamtdifferenz von 4,8 Prozentpunkten im Vergleich zum Bundesergebnis.

Weitere Durchschnittswahlkreise: Fürth in Bayern und Südpfalz in Rheinland-Pfalz.

Wahlkreis Berlin-Reinickendorf 2013: CDU: 40,1,%, SPD: 26,4%, Die Linke: 7,9%, Grüne: 8,7%, FDP: 4,4%, AfD: 6,0%

Cloppenburg-Vechta war 2013 der Traumwahlkreis für die Christdemokraten. In dem niedersächsischen Wahlkreis holte die CDU bei der letzten Bundestagswahl 63,2 Prozent der Stimmen. Das ist bundesweit mit Abstand das einseitigste Ergebnis. Nicht einmal die CSU in Bayern konnte einen Wahlkreis so eindeutig für sich entscheiden. Die Region ist besonders katholisch, außerdem wohnen dort viele Russlanddeutsche. Cloppenburg-Vechta ist auch der Wahlkreis mit den meisten jungen Menschen (siehe "Der Jüngste").

Wahlkreis Cloppenburg-Vechta (Niedersachsen)

Die SPD konnte ihr bestes Ergebnis im Wahlkreis Gelsenkirchen erzielen (siehe "Der Ärmste"). Dort kamen die Sozialdemokraten 2013 auf 44,0 Prozent. Die Linkspartei holte ihr bestes Ergebnis in Berlin-Lichtenberg (34,6 Prozent), die Grünen in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost (20,8 Prozent). Das beste Ergebnis für die FDP gab es in Düsseldorf I (9,2 Prozent) und die meisten Stimmanteile für die AfD in Görlitz (8,2 Prozent; siehe auch "Der Älteste").

Wahlkreis Cloppenburg-Vechta 2013: CDU: 63,2%, SPD: 19,8%, Die Linke: 2,8%, Grüne: 4,3%, FDP: 4,6%, AfD: 2,3%

Keine Zeit, keine Meinung oder einfach Protest - knapp 30 Prozent der Wahlberechtigten gab bei der Bundestagswahl 2013 keine Stimme ab. Nirgendwo war der Anteil der Nichtwähler aber höher als im Wahlkreis Harz in Sachsen-Anhalt - der Nichtwähleranteil lag dort bei 41,1 Prozent.

Die Wahlbeteiligung in Ostdeutschland ist mit 67,6 Prozent generell niedriger als im früheren Bundesgebiet (72,4 Prozent). Nach Angabe von Meinungsforschern lässt sich dieser Unterschied mit der Diktaturerfahrung in der DDR und Negativerfahrungen aus der Wendezeit erklären.

Wahlkreis Harz

Wahlkreise Berlin-Steglitz-Zehlendorf + Stuttgart I

Die pflichtbewusstesten Wahlkreise waren 2013 Berlin-Steglitz-Zehlendorf und Stuttgart I. Fast vier von fünf Wahlberechtigten gingen hier zur Wahl: Mit jeweils 79,8 Prozent Wahlbeteiligung lagen die Wahlkreise deutlich über dem Bundesschnitt von 71,5 Prozent. Auffällig ist, dass in diesen beiden Wahlkreisen überdurchschnittlich viele Menschen die FDP und vor allem die Grünen gewählt haben.

Der Blick auf die Bundesländer zeigt: In Baden-Württemberg war die Wahlbeteiligung mit 74,3 Prozent am höchsten, gefolgt von Niedersachsen (73,4 Prozent) und Hessen (73,2 Prozent).

Wahlkreis Harz 2013: CDU: 43,5%, SPD: 18,7%, Die Linke: 22,9%, Grüne: 3,6%, FDP: 2,3%, AfD: 3,8%

Wahlkreis Berlin-Steglitz-Zehlendorf 2013: CDU: 37,2%, SPD: 25,6%, Die Linke: 7,2%, Grüne: 13,5%, FDP: 6,4%, AfD: 5,3%

Wahlkreis Stuttgart I 2013: CDU: 37,5%, SPD: 21,0%, Die Linke: 6,2%, Grüne: 17,5%, FDP: 8,3%, AfD: 4,1%

Kein Wahlkreis ist so jung wie Cloppenburg-Vechta in Niedersachsen. Hier sind 20,4 Prozent unter 18 Jahren - sprich: Jeder Fünfte ist minderjährig. Eine Erklärung: Cloppenburg ist die kinderreichste Stadt in Deutschland. Die Region ist besonders katholisch, außerdem wohnen dort viele Russlanddeutsche.

Wahlkreis Cloppenburg-Vechta

Der Wahlkreis ist allerdings nicht nur jung - er ist auch eine Hochburg für die CDU. Die Christdemokraten gewinnen hier seit der Gründung der Bundesrepublik haushoch. 2013 gingen 63,2 Prozent der Zweitstimmen an die Partei und 66,3 Prozent stimmten mit der Erststimme für den Direktkandidaten der CDU (siehe "Der Einseitigste").

Wahlkreis Cloppenburg-Vechta 2013: CDU: 63,2%, SPD: 19,8%, Die Linke: 2,8%, Grüne: 4,3%, FDP: 4,6%, AfD: 2,3%

Stoppelmarkt in Vechta | dpa

Der Stoppelmarkt in Vechta ist für die Region ein wichtiges Ereignis. Bild: dpa

Der östlichste Wahlkreis ist auch der "älteste". Im sächsischen Wahlkreis Görlitz sind 15,3 Prozent der Bevölkerung 75 Jahre alt oder älter. Günstige Mieten, geringe Lebenshaltungskosten und die medizinische Infrastruktur machen die Stadt attraktiv für Senioren. Laut Sächsischer Zeitung hat die Stadt Görlitz nach dem Mauerfall rund ein Viertel ihrer Einwohner verloren, seit 2013 ziehen aber wieder mehr Menschen zu statt weg. Knapp 20 Prozent der Neugörlitzer sind demnach älter als 50 Jahre alt und kommen überwiegend aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wahlkreis Görlitz

Görlitz war 2013 auch der erfolgreichste Wahlkreis für die AfD - die Rechtspopulisten holten dort 8,2 Prozent der Stimmen. (siehe "Der Einseitigste")

Auch in den Wahlkreisen Sächsischer Vogtlandkreis (15,0 Prozent über 75-Jährige) und Dessau-Wittenberg in Sachsen-Anhalt (14,9 Prozent) wohnen ähnlich viele alte Menschen. Die vierzehn "ältesten" Wahlkreise liegen in Ostdeutschland. Die wenigsten alten Menschen wohnen in Frankfurt am Main: nur 7,7 Prozent der dortigen Bevölkerung sind über 75 Jahre alt.

Wahlkreis Görlitz 2013: CDU: 44,1%, SPD: 12,6%, Die Linke: 19,6%, Grüne: 3,4%, FDP: 2,8%, AfD: 8,2%

Unter den zehn Wahlkreisen mit der höchsten Arbeitslosenquote (Stand März 2017) befinden sich acht in Nordrhein-Westfalen - und ganz vorne liegt Gelsenkirchen. 14,1 Prozent sind im Schalke-Wahlkreis von Arbeitslosigkeit betroffen. Dabei sind Frauen mit 13,8 Prozent leicht weniger häufig arbeitslos als Männer mit 14,3 Prozent.

Wahlkreise Gelsenkirchen und Erding-Ebersberg

In Gelsenkrichen leben auch die mit Abstand meisten Hartz-IV-Empfänger. Jeder Fünfte in Gelsenkirchen ist laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit auf die Grundsicherung angewiesen. Auf tausend Einwohner kommen in Gelsenkirchen 201,6 Hartz-IV-Empfänger. Die nächstmeisten finden sich im Wahlkreis Bremen II - Bremerhaven mit 162,2 Hartz-IV-Empfängern pro tausend Einwohner.

Gelsenkirchen ist die Hochburg der SPD: Die Sozialdemokraten erreichen dort bundesweit ihr bestes Ergebnis.

Neidisch dürften die Menschen in Gelsenkirchen auf den Wahlkreis Freising in Bayern blicken. Dort gibt es nur rund 15 Hartz-IV-Empfänger pro tausend Einwohner.

In Bayern scheint auch die Vollbeschäftigung fast erreicht. So reihten sich im März unter den ersten zwanzig Wahlkreisen mit der geringsten Arbeitslosenquote 17 bayrische Wahlkreise und drei baden-württembergische. Mit nur zwei Prozent wird die geringste Arbeitslosenquote im Wahlkreis Erding-Ebersberg gemessen. 36,7 der Bewohner des Wahlkreises sind in Handel, Gastgewerbe und Verkehr beschäftigt, 22 Prozent im produzierenden Gewerbe. Die Arbeitslosenquote von Frauen liegt mit 1,8 Prozent unter der bei Männern (2,1 Prozent).

Wahlkreis Gelsenkirchen 2013: CDU: 27,7%, SPD: 44,0%, Die Linke: 7,6%, Grüne: 5,5%, FDP: 3,0%, AfD: 4,7%

Wahlkreis Erding-Ebersberg 2013: CSU: 51,1%, SPD: 16,6%, Die Linke: 2,9%, Grüne: 8,8%, FDP: 5,1%, AfD: 5,2%

E.on-Kraftwerk in Gelsenkirchen | AP

Gelsenkirchen hat die höchste Arbeitslosenquote aller Bundestagswahlkreise Bild: AP

Den Wahlkreis Gelsenkirchen trifft es besonders hart (siehe auch: "die meisten Arbeitslosen). Gemessen am verfügbaren Einkommen ist er auch der ärmste Wahlkreis. Im Durchschnitt haben die Bewohner dort jährlich 16.135 Euro zum Ausgeben oder Sparen zur Verfügung (Stand: 2014). Damit haben sie fast 5000 Euro weniger als der durchschnittliche Bundesbürger (21.040) und rund 13.800 Euro weniger als die Einwohner des Wahlkreises München-Land - dem reichsten Wahlkreis Deutschlands.

Wahlkreise Gelsenkirchen und München-Land

Dort haben die Menschen jährlich 29.954 Euro zur Verfügung. In dem bayrischen Wahlkreis gewinnt seit 1953 stets ein CSU-Direktkandidat. München-Land ist außerdem der Wahlkreis, in dem der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter antritt.

Das verfügbare Einkommen berechnet sich aus dem, was Menschen einnehmen (Einkommen, Sozialhilfe, Kindergeld, etc.), minus den laufenden Ausgaben wie Steuern oder Sozialbeiträge.

Wahlkreis Gelsenkirchen 2013: CDU: 27,7%, SPD: 44,0%, Die Linke: 7,6%, Grüne: 5,5%, FDP: 3,0%, AfD: 4,7%

Wahlkreis München-Land 2013: CSU: 46,9%, SPD: 19,6%, Die Linke: 2,8%, Grüne: 9,9%, FDP: 8,5%, AfD: 4,9%

Wasser und Wälder - mit diesen beiden Begriffen lässt sich die Mecklenburgische Seenplatte kompakt zusammenfassen. Weil in der Touristenregion wenige Menschen leben, muss der Gesetzgeber den Wahlkreisradius weit spannen, um genügend Wähler einzubeziehen. Der Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte II - Landkreis Rostock III ist mit 6250,3 Quadratkilometern der größte Wahlkreis Deutschlands. Er umfasst 184 Gemeinden.

Wahlkreise Mecklenburgische Seenplatte II-Landkreis Rostock und Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost

Der Wahlkreis ist außerdem sehr dünn besiedelt: 40,9 Menschen wohnen dort im Schnitt auf einem Quadratkilometer - die zweitniedrigste Bevölkerungsdichte aller Wahlkreise in Deutschland. Durchschnittlich wohnen in Deutschland rund 230 Menschen auf einem Quadratkilometer.

Der kleinste Wahlkreis Deutschlands hat einen langen Namen: Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost. Auf nur 26,9 Quadratkilometern leben hier im Vergleich zu den anderen Wahlkreisen die meisten Menschen auf engem Raum - nämlich 12.655 Personen pro Quadratkilometer (Mehr zu dem Wahlkreis unter: "Der Unkonventionellste").

Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte II – Landkreis Rostock III 2013: CDU: 45,1,%, SPD: 17,2%, Die Linke: 21,5%, Grüne: 3,3%, FDP: 2,1%, AfD: 5,1%

Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost 2013: CDU: 15,4%, SPD: 24,0%, Die Linke: 25,1%, Grüne: 20,8 %, FDP: 2,2%, AfD: 2,8%

Idylle pur an der Mecklenburger Seenplatte | imago/imagebroker

Die Mecklenburgische Seenplatte: Teil des größten Wahlkreises Deutschlands. Bild: imago/imagebroker

Multikulturell ist das Stichwort für den Wahlkreis 182: Frankfurt am Main I. Mit 31,4 Prozent leben hier die meisten Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Außerdem hat ein Fünftel der Einwohner einen Migrationshintergrund. Fast die Hälfte der Einwohner sind Deutsche ohne Einwanderungsgeschichte. Zwar ist der Frankfurt I der kleinere der beiden Wahlkreise in Frankfurt, dafür aber auch dichter besiedelt.

Wahlkreise Frankfurt am Main I und Chemnitzer Umland-Erzgebirgskreis II

Vielseitig ist der Wahlkreis nicht nur hinsichtlich der Herkunft der Bewohner. Auch kennzeichnen das Gebiet laut "Frankfurter Rundschau" starke soziale Gegensätze. Einerseits verdienen Bürger des Wahlkreises schlechter als im anderen Frankfurter Wahlkreis, auch die Arbeitslosigkeit ist etwas höher. Andererseits ist mit dem Europaviertel im Wahlkreis Frankfurt am Main I ein Stadtteil mit vielen teuren Neubauwohnungen entstanden.

In den vierzig Gemeinden des sächsischen Wahlkreises Chemnitzer Umland - Erzgebirgskreis II hingegen leben mit Abstand die wenigsten Ausländer: Nur 1,2 Prozent der Gesamtbevölkerung hat keinen deutschen Pass. Die 33 Wahlkreise mit den wenigsten Ausländern liegen alle in Ostdeutschland - sie haben alle einen Ausländeranteil unter 3,6 Prozent. Auch der Anteil der Menschen mit einem Migrationshintergrund ist in Chemnitzer Umland - Erzgebirgskreis II mit 2,5 Prozent überschaubar.

Wahlkreis Frankfurt am Main I 2013: CDU: 33,5%, SPD: 26,8%, Die Linke: 8,9%, Grüne: 13,3%, FDP: 7,0%, AfD: 5,3%

Wahlkreis Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II 2013: CDU: 45,3%, SPD: 14,5%, Die Linke: 20,0%, Grüne: 3,2%, FDP: 2,7%, AfD: 7,3%

Die Silhoutte von Frankfurt am Main | dpa

Frankfurt I hat den größten Ausländeranteil aller Wahlkreise Bild: dpa

Im südwestlichen Sachsen-Anhalt liegt Mansfeld - der Wahlkreis mit der höchsten Schulabbrecherquote. Nicht weniger als 13,8 Prozent der Schüler, die hier im Jahr 2015 die Schule beendeten, hatten keinen Abschluss geschafft. Das sind so viele wie in keinem anderen Wahlkreis. Im niedersächsischen Wahlkreis Harburg, dem Wahlkreis mit der geringsten Schulabbrecherquote, beendeten lediglich 2,3 Prozent die Schule ohne einen Hauptschulabschluss. Nur rund ein Fünftel der Mansfelder Schüler macht Abitur - der bundesweit viertniedrigste Wert. Allerdings absolvieren überdurchschnittlich viele in Mansfeld einen Realschulabschluss.

Wahlkreis Mansfeld und Hamburg

Bei der Abiturientenquote schneidet Hamburg am besten ab. Etwas über die Hälfte (55,1 Prozent) der Schulabgänger schaffte 2015 ein allgemeines oder ein Fachabitur. Der Wert liegt allerdings nur für das gesamte Stadtgebiet Hamburg vor, nicht für die einzelnen Hamburger Wahlkreise. Im Vergleich: Im bayrischen Wahlkreis Augsburg-Land machten mit 19,1 Prozent bundesweit die wenigsten Menschen Abitur.

Diese Zahlen sind allerdings aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme und Schulformen in den Bundesländern nur eingeschränkt vergleichbar.

Wahlergebnisse in Mansfeld 2013: CDU: 41,2%, SPD: 17,1%, Die Linke: 25,7 %, Grüne: 2,8%, FDP: 2,9%, AfD: 4,1%

Wahlergebnisse in Gesamt-Hamburg 2013: CDU: 32,1%, SPD: 32,4%, Die Linke: 8,8%, Grüne: 12,7%, FDP: 4,8%, AfD: 4,2%

Dresden I  scheint das Kita-Paradies unter den Wahlkreisen zu sein. 89,7 Kinder je tausend Einwohner werden in öffentlich geförderten Kitas betreut. Danach folgt der Nachbarwahlkreis Dresden II - Bautzen II mit 87,3 betreuten Kindern je Tausend Einwohner. Auffällig ist: Unter den Top Ten der Kitabetreuung liegen acht in Sachsen, die ersten 41 Wahlkreise befinden sich alle in den neuen Bundesländern. Schlusslichter sind die NRW-Wahlkreise Oberhausen-Wesel III, Mönchengladbach und Ennepe-Ruhr-Kreis II. Hier werden nur rund 30 Kinder pro Tausend Einwohner in Kitas betreut.

Wahlkreis Dresden I

Wahlergebnisse in Dresden I 2013: CDU: 39,8%, SPD: 15,4%, Die Linke: 19,0%, Grüne: 7,9 %, FDP: 3,1%, AfD: 6,9%

Ansicht von Dresden an der Elbe mit einer Brücke. | picture alliance / dpa

In keinem Wahklreis sind anteilig so viele Kinder in der Kita wie in Dresden. Bild: picture alliance / dpa

Im Wahlkreis Helmstedt-Wolfsburg (Niedersachsen) gibt es die meisten Autos. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind dort pro tausend Einwohner 977,4 Pkw zugelassen. Im Bundesschnitt kommen auf tausend Einwohner nur 668,9 Autos.

Karte: Der Wahlkreis mit den meisten Autos: Helmstedt-Wolfsburg

In der VW-Stadt Wolfsburg hat das Kraftfahrzeug einen guten Ruf: Wer bei VW arbeitet, fährt vermutlich auch privat gerne Auto. Mit 60.563 Beschäftigten ist VW der größte Arbeitgeber in der 125.000-Einwohner-Stadt Wolfsburg. Gewählt wird im Auto-Wahlkreis Helmstedt-Wolfsburg mittig: CDU und SPD kommen zusammen auf über drei Viertel der Stimmen.

Wahlergebnisse im Wahlkreis Helmstedt-Wolfsburg 2013: CDU: 41,1%, SPD: 34,8%, Die Linke: 4,9%, Grüne: 6,8%, FDP: 3,6%, AfD: 3,7%

Zu den Daten

Tagesschau.de hat die vom Bundeswahlleiter veröffentlichten Strukturdaten zum 19. Deutschen Bundestag für alle 299 Wahlkreise und die Zweitstimmenergebnisse der Bundestagswahl 2013 ausgewertet.
Meist entsprechen die Ergebnisse der tatsächlichen Abgrenzung des jeweiligen Wahlkreises. Allerdings gibt es Einschränkungen bei den Angaben, die sich nicht auf die Themen Fläche, Bevölkerung und  Bevölkerungsdichte beziehen.Hier gelten die Ergebnisse nur dann für die tatsächlichen Wahlkreisabgrenzungen, wenn diese aus vollständigen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten bestehen. Bei Städten, die von Wahlkreisgrenzen durchschnitten werden, konnten keine Untergliederungen für die einzelnen Wahlkreise vorgenommen werden. Für die betroffenen Wahlkreise bezieht sich das Ergebnis deshalb auf die gesamte Stadt.

Über dieses Thema berichtete NDR Hamburg Journal am 16. September 2017 um 09:48 Uhr.