Christian Lindner  | Bildquelle: dpa

"Frag selbst" mit Christian Lindner Zwischen Spanferkel und Schwarzbrot

Stand: 30.08.2017 20:17 Uhr

Bei Frag selbst gab es mitunter provozierende Fragen an den FDP-Chef. Doch egal ob Saftiges wie das Spanferkel im Thermomix oder Trockenes wie die Erbschaftssteuer: Lindner konterte geschickt. Und das schien ihm sogar Spaß zu machen.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Die Frage zum #Thermilindner musste ja kommen. Dieser in den vergangenen Tagen häufig genutzte Hashtag zieht Christian Lindner als Thermomix-Verkäufer durch den Kakao. Der FDP-Chef, der als ein Socialmedia-Politiker gilt, nahm es gelassen und retweetete fleißig. Ob man mit dem Thermomix auch Spanferkel zubereiten kann? Auf diese nicht ganz ernst gemeinte Frage eines Nutzers konnte Lindner im ARD-Format Frag selbst aber doch nicht antworten. Er schließe es aber zumindest nicht aus.

Dieser kurzweilige Auftakt der Sendung dürfte dem Spitzenkandidaten gefallen haben. Immerhin bot er ihm gleich zu Beginn die Möglichkeit ein paar seiner Markenzeichen auszuspielen: Schlagfertigkeit, Humor, die Affinität zu Netzwelt und Digitalem.

"Die FDP ist anders"

Überhaupt schien Lindner die Fragerunde richtig Spaß zu machen. Souverän, locker und immer lächelnd konnte ihn keine Frage aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil. Kritik am stylischen Wahlkampf, der zur One-Man-Show geraten ist, nutzt er geschickt für Eigenwerbung: "Wir wollten zum Ausdruck bringen, dass die FDP anders geworden ist und dass wir anders sind als die anderen Parteien." Konventionellen Wahlkampf machten die anderen. Die FDP wolle das Land verändern.

Das neue Image, das Lindner der Partei verpasst hat, scheint zu verfangen. Auch wenn Kritiker bemängeln, es fehlten die Inhalte. Die Umfragewerte pendeln derzeit zwischen acht und zehn Prozent. Als Lindner im Jahr 2013, nachdem die FDP aus dem Bundestag geflogen war, das Amt des Parteichefs übernahm, hatte er nur ein Ziel vor Augen: 2017 wieder drin zu sein.

"Wir sind noch nicht im Bundestag"

Dass ihm das gelingen wird, bezweifelt momentan niemand. Fragen nach seinen Vorlieben, was künftige Regierungsämter betrifft, weist der Spitzenkandidat dennoch zurück. "Wir sind noch nicht im Bundestag. Das entscheiden noch die Wählerinnen und Wähler und es wäre respektlos, jetzt schon über Posten zu spekulieren."

Lindner auf einem FDP-Plakat. | Bildquelle: AFP
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Wahlkampf als "One-Man-Show"

Freundlich. Verbindlich. Bescheiden. Mit dieser Mischung hat es der FDP-Chef bei seiner Mission Wiederauferstehung bereits weit gebracht. Nach ihrem Niedergang war die FDP bei den vergangenen Landtagswahlen fast durchgängig erfolgreich. In drei Bundesländern ist sie sogar an der Regierung beteiligt.

"Chancen für eine Ampel gleich Null"

Für künftige Koalitionsoptionen im Bund, wie beispielsweise eine Ampel, will Lindner sich bei Frag selbst dennoch nicht aussprechen. "Linkspartei und AfD sind ausgeschlossen. Mit allen anderen wird man sprechen." Die Wahrscheinlichkeit einer Ampel sei aber gleich Null, denn der Regierungsauftrag gehe an Frau Merkel, nicht an Herrn Schulz.

An Lindners Herzensthema Bildung war das Interesse besonders groß. In der Hochschulpolitik plädiert er für elternunabhängiges BAföG, mehr Stipendien, Darlehen zur Studienfinanzierung und nachgelagerte Studiengebühren. Letzteres meint, dass Akademiker erst dann Gebühren an ihre Hochschule zahlen müssen, wenn sie das Studium abgeschlossen und einen Job haben.

"Erbschaftssteuer auf jedes Vermögen"

Dass durch Studiengebühren Menschen von qualifizierter Bildung ausgeschlossen würden, wie ein Zuschauer kritisiert, verneint Lindner. "In Deutschland werden Menschen von akademischer Bildung ausgeschlossen, weil schon die Kita, Grundschule und weiterführende Schule nicht so gut war." Im Vergleich zu anderen Ländern habe Deutschland trotz gebührenfreier Hochschulen sehr wenige Studierende, deren Eltern nicht selbst Akademiker seien.

Auch beim Thema Erbschaftssteuer sollen Einzelne nach Lindners Überzeugung künftig mehr zahlen. Bislang müsse jemand, der ein Milliardenunternehmen erbt, keine Steuern zahlen, dafür habe er aber sehr viel Bürokratie. Lindner schlägt hingegen ein anderes Modell vor: "Keine Bürokratie mehr, aber dafür gibt es keine Verschonung. Jedes Vermögen ab einer Million wird besteuert, egal ob es ein Betrieb oder ein Gemälde oder ein Aktienpaket ist." Der Steuersatz solle aber klein sein.

"Wir müssen die Mittelmeeroute schließen"

Ein wenig nachdenklich wirkt der FDP-Chef nur bei der Frage nach Deutschlands Verantwortung in der Flüchtlingspolitik. Verrät Europa nicht seine Werte, wenn es Diktaturen unterstützt, um Flüchtlingsströme zu minimieren? Das sei eine ganz schwierige Frage, meint Lindner. "Man kann nicht nur edle Motive haben, sondern es geht auch um die praktischen Folgen von Politik." Um die Mittelmeerroute zu schließen und nur Flüchtlinge "im Rahmen der Kapazitäten" aufzunehmen, müsse man auch mit Ländern zusammenarbeiten, in denen man selbst nicht leben wollte und deren politische Grundausrichtung man nicht teilt. Eine Obergrenze für Flüchtlinge fordert Lindner jedoch nicht. Das sei rein rechtlich schon nicht möglich.

Die Souveränität geht Lindner nicht einmal verloren, als er in der Rubrik "Google-Frage" nach den Kosten seiner Haartransplantation gefragt wird. "Ich weiß es nicht mehr", zieht er sich aus der Affäre. Die Kosten seien schon beachtlich gewesen, nicht etwa 500 Euro, sondern mehr. "Aber mir war es das wert."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. August 2017 um 00:15 Uhr.

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