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Bundestagswahl Rekordverlust für Union, SPD schwach, AfD stark

Stand: 24.09.2017 21:54 Uhr

Die Union von Kanzlerin Merkel bleibt stärkste politische Kraft in Deutschland, muss aber einen Rekordverlust hinnehmen. Auch die SPD verliert und unterbietet nochmal ihren bisherigen Negativrekord. Die AfD gewinnt mit 12,8 Prozent das Rennen um Platz drei. Die FDP ist wieder im Bundestag.

Die Union geht als stärkste Kraft aus der Bundestagswahl hervor - sie muss aber massive Verluste hinnehmen. Laut der Hochrechnung von Infratest dimap von 21.45 Uhr kommen CDU/CSU mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf 33,0 Prozent - vor vier Jahren waren es 41,5 Prozent. Das ist ein Rekordverlust für die Union.

SPD unterbietet Negativrekord von 2009

Auch die SPD verliert, aber lange nicht so massiv wie die Union. Die Partei von Kanzlerkandidat Martin Schulz unterbietet mit 20,6 Prozent noch ihren Negativrekord von 2009 (23,0 Prozent).

AfD gewinnt Rennen um Platz drei

Mit der AfD zieht erstmals seit den Anfangsjahren der Bundesrepublik wieder eine Rechtsaußen-Partei in den Bundestag ein. Der Infratest dimap-Hochrechnung zufolge liegt die "Alternative für Deutschland" bei 12,8 Prozent und gewinnt damit das Rennen um Platz drei. Bei der Wahl vor vier Jahren hatte die AfD den Sprung in den Bundestag noch verpasst. Inzwischen sitzen ihre Abgeordneten in 13 Landesparlamenten.

Die FDP kann ein furioses Comeback feiern. Die Partei mit Frontmann Christian Lindner schafft nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition und intensiver Aufbauarbeit wieder den Sprung in den Bundestag - vermutlich sogar mit einem zweistelligen Ergebnis. Die Infratest dimap-Hochrechnung sieht die Liberalen bei 10,6 Prozent.

Kopf-an-Kopf-Rennen von Grünen und Linkspartei

Grüne und Linkspartei halten ungefähr ihr Ergebnis von 2013 - und liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den fünften Platz. Laut jüngster Hochrechnung liegen die Grünen bei 8,9 Prozent, die Linkspartei bei 9,1 Prozent.

Was heißt das für eine künftige Regierung?

Massive Verluste für die GroKo-Parteien, gestärkte kleine Parteien von ganz links bis ganz rechts - was heißt das für die künftige Regierung in Deutschland? Rein rechnerisch reicht es erneut für ein Bündnis aus Union und SPD, aber auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen ist möglich. SPD-Chef Schulz erklärte nach den ersten Ergebnissen, seine Partei wolle keine neue Große Koalition bilden, sie gehe in die Opposition.

Fest steht, dass im künftigen Bundestag sechs statt bislang vier Fraktionen vertreten sein werden. Alle Parteien haben im Wahlkampf konkrete Koalitionsaussagen vermieden, nur mit der AfD will niemand ein Bündnis schmieden.

Mit dem heutigen Wahltag endet ein Bundestagswahlkampf, der mit der überraschenden Schulz-Nominierung bei der SPD begann und kurzzeitig elektrisierte, nach den Landtagswahlen im Frühjahr  und während der Sommerpause dahinplätscherte  und in der Schlussphase - auch wegen des offenen Rennens um Platz drei - wieder Fahrt aufnahm. Die Meinungsforscher registrierten  bis zuletzt eine sehr hohe Zahl an Unentschlossenen, um die die Wahlkämpfer bis zum letzten Tag intensiv warben.

Insgesamt rund 61,5 Millionen Deutsche waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung liegt diesmal bei 75,9 Prozent. Vor vier Jahren hatten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

Über dieses Thema berichteten NDR Info am 24. September 2017 um 18:00 Uhr sowie die tagesschau um 20:00 Uhr.