Eine Booster-Dosis des Moderna-Impfstoffs wird vorbereitet. | REUTERS

Auswahl durch Sprachwissenschaftler "Boostern" ist Anglizismus des Jahres

Stand: 01.02.2022 11:04 Uhr

Seit 2010 küren deutsche Sprachwissenschaftler den Anglizismus des Jahres. Aktuell ist es ein Verb, das es im Deutschen sogar früher gab als im Englischen - und das wie schon im Jahr zuvor etwas mit Corona zu tun hat: "boostern".

Das Verb "boostern" ist zum Anglizismus des Jahres 2021 gekürt worden. Die Jury um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin lobte die Schnelligkeit, mit der es eine Lücke im Wortschatz gefüllt habe, und die Leichtigkeit, mit der das Wort im grammatischen System des Deutschen seinen Platz finde.

Was bedeutet "boostern"?

Das Verb "boostern" bezeichnet im Deutschen das Auffrischen einer Corona-Schutzimpfung. Dabei unterscheide es sich in mehrfacher Hinsicht von der im Deutschen bereits vorhandenen Formulierung "eine Auffrischungsimpfung geben/erhalten", teilte die Initiative "Anglizismus des Jahres" mit.

Knappe und eindeutige Kommunikation

Die Initiative "Anglizismus des Jahres" würdigt seit 2010 jährlich den ihrer Ansicht nach "positiven Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes". Zur Erklärung nannte sie drei Gründe.

Erstens beziehe sich "boostern" im Unterschied zu "eine Auffrischungsimpfung geben/erhalten" speziell auf Impfungen gegen das Coronavirus und ermögliche in der Pandemie eine knappe und trotzdem eindeutige Kommunikation. "Zweitens liegt die Betonung bei boostern auf der Vergänglichkeit des Impfschutzes - geboostert sind wir nur, solange die Schutzwirkung der Auffrischungsimpfung noch ausreichend hoch ist", erläuterte die Initiative. "Drittens hat das Wort einen optimistischen und dynamischen Beiklang, an den die Auffrischung einfach nicht heranreicht."

Deutsche Eigenkreation

Anders als das aus dem Englischen entlehnte Substantiv "Booster" sei das Verb "boostern" wahrscheinlich eine deutsche Eigenkreation, erklärte die Initiative.

Das Substantiv "booster shot" für "Verstärker-Impfung" tauche im Englischen schon Mitte der 1940er-Jahre auf, die verkürzte Form "booster" in den 1960er-Jahren. Das dazu gehörende Verb sei aber "to boost". Die Nebenform "to booster" sei vor Januar 2022 verschwindend selten vorgekommen. Somit könne sie nicht Vorbild für das deutsche "boostern" gewesen sein.

"Seit Anfang Januar findet sich auch das Verb 'to booster' häufiger im Englischen - die deutsche Sprachgemeinschaft hat hier also deutlich vor der englischen Sprachgemeinschaft ein Potenzial des Englischen erkannt und für sich genutzt", stellt die Jury heraus.

Von der Corona-Krise geprägt

Auf die Shortlist hatten es auch noch zwei Wörter ohne Corona-Bezug geschafft: Das Jugendwort des Jahres "cringe" und "woke".

Die Corona-Krise hatte bereits die "Anglizismus des Jahres"-Kür für das Jahr 2020 geprägt. Die Wahl fiel damals auf den für Schließungen üblich gewordenen Begriff "Lockdown".

Für das Jahr 2019 hatte sich die Jury für den Ausdruck "... for future" (wie bei "Fridays for Future") entschieden. Davor ging der Titel etwa an "Gendersternchen" (2018), "Fake News" (2016) oder "Shitstorm" (2011).

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Februar 2022 um 10:00 Uhr.