Menschen gehen eine Straße entlang | Bildquelle: ARD-aktuell / Weiss

Schätzung für 2019 Deutschlands Bevölkerung wächst - langsam

Stand: 17.01.2020 13:55 Uhr

83,2 Millionen Einwohner hatte Deutschland 2019 nach aktueller Schätzung - ein neuer Rekordwert. Allerdings hat sich der Zuwachs verlangsamt. Ohne Zuwanderung würde die Bevölkerung gar schrumpfen.

Im vergangenen Jahr lebten in Deutschland so viele Menschen wie noch nie. Gleichzeitig sank aber das Bevölkerungswachstum auf den niedrigsten Stand seit 2012. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.

Nach Schätzungen des Bundesamts lag die Einwohnerzahl 2019 bei 83,2 Millionen Menschen - rund 200.000 mehr als Ende 2018. "Allerdings wuchs die Bevölkerung deutlich schwächer als in den Jahren 2013 bis 2018", teilten die Statistiker mit.

Das Bevölkerungswachstum in Deutschland ist ausschließlich auf Zuwanderung zurückzuführen. So zogen im vergangenen Jahr zwischen 300.000 und 350.000 Menschen mehr nach Deutschland, als fort. Der Wanderungssaldo würde damit nach der extrem starken Nettozuwanderung des Jahres 2015 im vierten Jahr in Folge abnehmen. 2018 lag er noch bei rund 400.000 Menschen.

Geburtendefizit wird künftig weiter wachsen

"Ohne Wanderungsgewinne würde die Bevölkerung bereits seit 1972 schrumpfen, da seither jedes Jahr mehr Menschen starben als geboren wurden", erklärte das Statistische Bundesamt. Für 2019 rechnen die Statistiker mit 770.000 bis 790.000 Geburten gegenüber 920.000 bis 940.000 Sterbefällen. Damit ergäbe sich ein Geburtendefizit von 130.000 bis 170.000 Menschen.

Und die Situation dürfte sich in den nächsten Jahren sogar weiter verschärfen: Trotz steigender Lebenserwartung gehen die Demografen von einer Zunahme der Sterbefälle aus, da die zahlenmäßig starken Jahrgänge der Babyboom-Generation ins hohe Alter hineinwachsen. Zugleich wird die Anzahl potenzieller Mütter in den nächsten 20 Jahren voraussichtlich zurückgehen, da die schwach besetzten 1990er Jahrgänge in das gebärfähige Alter kommen.

Je nach angenommener Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Nettozuwanderung wird die Bevölkerungszahl mindestens bis 2024 zunehmen und spätestens ab 2040 zurückgehen. Im Jahr 2060 wird sie voraussichtlich zwischen 74 und 83 Millionen liegen. Besonders stark wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 66 Jahren schrumpfen: Bis 2035 erwarten die Wissenschaftler einen Rückgang um rund vier bis sechs Millionen auf 45,8 bis 47,4 Millionen.

Endgültiges Ergebnis erst im Sommer

Längerfristige Prognosen über die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland sind schwierig. Konflikte im Nahen Osten oder mögliche weitere Krisen in Nordafrika könnten für weitere Massenzuwanderung sorgen. In ihren Langfristprognosen rechnen die Statistiker allerdings nicht mit solch großen Krisen, sondern einer durchschnittlichen Entwicklung.

Grundlage für die aktuellen Schätzung bilden Geburten und Sterbefälle bis einschließlich Oktober 2019 sowie für Zu- und Abwanderungen bis einschließlich September 2019. Die Werte für die noch fehlenden Monate wurden mithilfe einer Zeitreihenanalyse berechnet. Die endgültigen Ergebnisse werden erst im Sommer veröffentlicht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. Januar 2020 um 18:15 Uhr in den Nachrichten.

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