Polizeibeamte stehen vor dem Hauptbahnhof in Lübeck, der nach einer Bombendrohung evakuiert wurde.  | Bildquelle: dpa

Rechte Drohschreiben Tatverdächtiger gilt als psychisch labil

Stand: 05.04.2019 15:45 Uhr

In Schleswig-Holstein ist ein Mann ermittelt worden, der ein Jahr lang E-Mails mit rechten Gewaltandrohungen verschickt haben soll. Laut ARD-Recherchen wurde er bereits mehrfach verurteilt und gilt als psychisch labil.

Von Georg Heil (RBB), Michael Götschenberg (RBB) und Carsten Janz (NDR)

Nach einer bundesweiten Serie von mehr als 200 Droh-E-Mails mit rechtsextremistischen Inhalten hat die Polizei gestern einen Tatverdächtigen aus Schleswig-Holstein ermittelt. Nach Informationen des ARD-Politikmagazins Kontraste, des NDR Schleswig-Holstein und des ARD-Hauptstadtstudios handelt es sich bei dem Verdächtigen um André M. aus der Gemeinde Halstenbek im Kreis Pinneberg.

Der Mann wurde bereits 2008 wegen mehr als 100 Delikten, darunter Sachbeschädigung, Körperverletzung und Brandstiftung verurteilt. Anschließend wurde er in einer Psychiatrie untergebracht. Das Landgericht Itzehoe attestierte M. laut "Pinneberger Tageblatt" eine "schwere seelische Abartigkeit".

Rechtsextreme Gesinnung bei Verdächtigem

Bereits damals fiel der jetzt in Verdacht stehende M. auch wegen seiner rechtsextremen Gesinnung auf. So soll er unter anderem Kontakte in die rechtsextreme Szene in Pinneberg unterhalten und einschlägige Kleidung getragen haben.

Bei der Durchsuchung der Wohnung am Donnerstagnachmittag verhielt sich M. ebenfalls psychisch auffällig und wurde deshalb zunächst unter Bewachung in einem Krankenhaus untergebracht - er gilt jedoch als vernehmungsfähig. Momentan werde geprüft, ob Haftgründe gegen ihn bestehen.

Verehrung des Attentäters von Christchurch

Auch in den aktuellen Droh-Emails, die mit "NSO" bzw. "Nationalsozialistische Offensive" gezeichnet sind, stehen rechtsextreme Aussagen. So schreibt der Verfasser in einer der E-Mails über den rechtsextremen Attentäter von Christchurch: "Wir fordern das der Held von Neusseland, Ruhm und Ehre in der Presse gezollt wird". Als Absender wurden zudem E-Mail-Adressen von Nazi-Größen wie "Heydrich" und "Kaltenbrunner" gewählt.

Der Verfasser hat in seinen zahlreichen Mails unter anderem Bombendrohungen an Gerichte, Rathäuser und andere Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Brandenburg geschickt.

Polizeibeamte stehen am Hauptbahnhof in Lübeck, der nach einer Bombendrohung evakuiert wurde. | Bildquelle: dpa
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Im März 2019 gab es eine Bombendrohung gegen den Bahnhof in Lübeck - dieser wurde daraufhin evakuiert.

Helene Fischer im Visier

Zudem verschickte er unter dem Namen "NSO" E-Mails, in denen unter anderem zum Mord an der Schlagersängerin Helene Fischer, die sich gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit ausgesprochen hatte, aufgerufen wurde. Auch gegen die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Die Linke) richtete sich ein solcher Drohbrief.

Jetzt müssten die Verbindungen von M. geprüft werden, forderte Martina Renner gegenüber Kontraste. "Antifaschistischen Initiativen ist André M. seit Jahren bekannt. Ihre Recherchen zu seinen früheren Taten zeigen auch, dass es gefährlich ist, Drohbriefe wie die von M. zu verharmlosen", so Renner.

E-Mail an Bundestagsabgeordnete enttarnt Tatverdächtigen

André M. rückte nach Informationen von Kontraste ins Visier der Ermittler, nachdem die Polizei ihn verdächtigte, eine Frau aus Sachsen-Anhalt, die einen YouTube-Kanal betreibt, bedroht zu haben. Bei diesem Schreiben wurde die Bezeichnung "NSO" nicht verwendet.

In einer mit "NSO" unterzeichneten E-Mail an die Bundestagsabgeordnete Renner wurde dann auf dieses Schreiben Bezug genommen - so konnten die Ermittler André M. mit der sogenannten "NSO" in Verbindung bringen.

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