Ein Fenster am Gebäude der Architektur-Fakultät der TU Braunschweig steht zum Lüften auf Kipp. | Bildquelle: dpa

Förderung durch Bund Bessere Luft gegen Corona

Stand: 19.10.2020 10:02 Uhr

Der Bund steckt bis zu 500 Millionen Euro in die Verbesserung von Belüftungssystemen. Die Förderrichtlinie, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, tritt morgen in Kraft. Doch nicht für jedes Gebäude gibt es Geld.

Von Daniel Pokraka, ARD-Hauptstadtstudio

Der Herbst ist da, der Winter kommt, die Corona-Gefahr steigt: Virenhaltige Aerosole, kleinste Flüssigkeitspartikel in der Luft, haben es einfacher als im Sommer, weil sich alle wieder öfter in geschlossenen Räumen aufhalten. Und weil es draußen kälter wird, bleibt das Fenster häufiger zu. Die Aerosole haben leichtes Spiel.

Schlecht gelüftete Räume

Dieses Szenario hatten die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Hinterkopf, als sie beim Koalitionsausschuss im August - also noch im Hochsommer - ein Förderprogramm zur Umrüstung von Klimaanlagen beschlossen.

Die Koalition war schon damals überzeugt, dass sich Corona besonders gut in geschlossenen Räumen ausbreitet, und zwar vor allem dann, wenn dort Klimaanlagen keine neue Luft in den Raum befördern, sondern verbrauchte Luft umherwirbeln. So stellten Union und SPD 500 Millionen Euro für bessere Luft in öffentlichen Gebäuden bereit - für dieses und das kommende Jahr. Die entsprechende Förderrichtlinie ist inzwischen fertig, wird heute im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt morgen in Kraft. Dem ARD-Hauptstadtstudio liegt sie exklusiv vor.

Geld vom Staat nur für bestehende Anlagen

Gefördert werden demnach raumlufttechnische Anlagen, die ganze Gebäude oder zumindest Etagen mit Luft versorgen. Die Anlagen müssen Räume belüften, in denen sich regelmäßig größere Gruppen von Menschen versammeln. Geld gibt es dabei nicht für neue Anlagen, sondern für die Um- und Aufrüstung bestehender Raumluftanlagen, zum Beispiel mit Filtern, die die Luft so verbessern, dass das Ansteckungsrisiko sinkt. Dem Bundeswirtschaftsministerium ist wichtig, dass schnell umgerüstet wird.

Das Haus von Minister Peter Altmaier teilte auf Anfrage mit, Umrüstungen bestehender Anlagen seien weniger zeit- und planungsintensiv als der Einbau neuer Anlagen. Deshalb gibt es also keine Förderung von Neuanlagen. Zur förderfähigen Umrüstung zählen dagegen CO2-Sensoren, die anzeigen, wann die Luft in einem Raum verbraucht ist. Für sie gibt es ebenso Geld aus dem Fördertopf wie für die Erstellung von Lüftungskonzepten.

Erste Förderanträge sind eingegangen

Anträge auf Förderung durch den Bund können vor allem Länder und Kommunen stellen - für öffentliche Gebäude wie Theater und Museen, für Uni-Hörsäle oder Schul-Aulen. Übernommen werden 40 Prozent der Kosten und bis zu 100.000 Euro pro Belüftungsanlage. Die ersten Anfragen hat das Bundeswirtschaftsministerium nach eigenen Angaben schon erhalten; es seien "mehrere Anfragen zum Förderprogramm" eingegangen. Um Schulen dürfte es dabei allerdings eher am Rande gehen, was damit zu tun hat, dass nur bestehende Lüftungsanlagen gefördert werden.

So erklärte das rheinland-pfälzische Bildungsministerium auf Anfrage des ARD-Hauptstadtstudios, dort verfügten nur sehr wenige Einrichtungen über entsprechende Anlagen. Die meisten Schulen in Rheinland-Pfalz, beziehungsweise deren Träger, würden also nicht von der Förderrichtlinie profitieren. Ohnehin keine Förderung gibt es für private Gebäude und Versammlungsorte - so sah es schon der Beschluss des Koalitionsausschusses im August vor.

Das Wirtschaftsministerium verweist auf den Umfang des Fördertopfes von 500 Millionen Euro und erklärt, es sei eine "Präzisierung des Empfängerkreises" nötig gewesen. Man habe sich daher auf öffentliche Gebäude konzentriert, in denen es erfahrungsgemäß größere Menschenansammlungen mit erhöhter Fluktuation gebe.

Ausweitung des Förderprogramms möglich

Allerdings kann sich das Altmaier-Ministerium vorstellen, den Kreis der potenziellen Fördergeldempfänger auszuweiten, sollte sich bei der Evaluierung der Richtlinie zeigen, dass das sinnvoll ist. Das Ministerium will sich über das Förderprogramm laufend informieren lassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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