Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm | Bildquelle: dpa

EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm fordert "klare Kante"

Stand: 22.12.2018 12:30 Uhr

Viele Aussagen der AfD-Spitze stünden im Widerspruch zum Christentum, meint der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm. Er rief gemäßigte Mitglieder der Partei auf, Rechtsradikalen keine Deckung zu geben.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, hat gemäßigte AfD-Mitglieder kritisiert, die sich von Rechtsradikalen als eine Art Schutzschild missbrauchen ließen. Die Vereinbarkeit mit dem Glauben mache sich nicht an der Mitgliedschaft in einer Partei fest, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Aber: "Aus den Reihen der AfD-Spitze kommen Aussagen, die im tiefen Widerspruch zum christlichen Glauben stehen."

Es gebe in der AfD "Menschen, die nur protestieren wollen. Und es gibt Menschen, die wollen ihr rechtsradikales Gedankengut unter dem Logo der AfD verbreiten". Wer diesen Menschen Deckung gebe, "verschafft ihnen auch Legitimation". Dagegen müsse man sich wehren.

"Wenn Menschen nach schrecklichen Verbrechen aufgehetzt werden, wenn Hass gesät wird, anstatt über besseren Schutz gegen Gewalt nachzudenken, muss man klar Position beziehen und dagegenhalten."

Appell für mehr Gesprächsbereitschaft

Der bayerische Landesbischof forderte "klare Kante gegen Antisemitismus und gegen Rassismus, klare Kante gegen die Abwertung von Menschengruppen aufgrund ihrer Religion". Zugleich sagte er aber auch: "Wir müssen wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen, auch über unterschiedliche Auffassungen hinweg. Dann kann auch Nachdenklichkeit entstehen und Gemeinsamkeit."

Der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm | Bildquelle: dpa
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Bedford-Strohm forderte auch mehr Investitionen in das Gemeinwohl.

"Wachsende Ungleichheit schadet Deutschland"

Dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" sagte Bedford-Strohm, die wachsende Ungleichheit schade einem Land wie Deutschland auf Dauer. Kluge Entscheidungen über Investitionen für das Gemeinwohl könnten diese aber verhindern. "Wir sollten Strukturen schaffen, die es jedem Menschen in dieser reichen Gesellschaft ermöglichen, mit seiner eigenen Leistung an ihr teilzuhaben."

Bedford-Strohm erwarte, dass gerade soziale Berufe wie Altenpflegerin, Krankenschwester und Erzieherin inhaltlich und finanziell attraktiver werden, weil der Bedarf für Fachkräfte in diesen Bereichen enorm gestiegen sei.

Die niedrige Bezahlung in der Branche lasse sich auf "die Reste eines patriarchalischen Weltbilds" zurückführen, das sich lange gehalten habe, weil überwiegend Frauen in sozialen Berufen arbeiteten. "Unabhängig von den Marktgesetzen finde ich, dass Menschen die sich um Alte, Kranke oder Kinder kümmern, mindestens so viel Wertschätzung verdienen wie hoch qualifizierte Industriearbeiter", sagte Bedford-Strohm.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2018 um 17:10 Uhr.

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