Video mit angeblich Abu Bakr al-Bagdadi  | Bildquelle: AFP

Botschaft von IS-Anführer Deutsche Behörden halten Bagdadi-Video für echt

Stand: 01.05.2019 11:50 Uhr

Es ist nicht klar, wo sich IS-Chef al-Bagdadi aufhält. Ob er noch lebt, war lange ein Rätsel. Deshalb überraschte das Video, das der IS kürzlich von ihm verbreitete.

Von Florian Flade (WDR) und Georg Mascolo (NDR)

Der selbst ernannte Kalif sitzt im Schneidersitz auf dem Boden, neben ihm lehnt ein Sturmgewehr an der Wand. Er spricht in ruhigem Ton. Der "Kampf des Islam und seiner Anhänger gegen die Anhänger des Kreuzes" werde lange dauern, sagt er. "Unser Kampf heute ist ein Zermürbungskrieg." Und der Dschihad werde "bis zum jüngsten Tag geführt".

Am frühen Montagabend hat die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ein rund 18 Minuten langes Propaganda-Video über einschlägige Internetkanäle veröffentlicht. Es zeigt ihren Anführer, den Iraker Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri, besser bekannt als Abu Bakr al-Bagdadi. Erstmals seit dem Juli 2014 zeigte sich der 47-jährige Terrorchef damit seinen Anhängern in einer Videobotschaft.

Keine Hinweise auf Aufenthaltsort

Deutsche Sicherheitsbehörden halten das Video nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" für authentisch. Das geht aus einem Auswertebericht des Gemeinsamen Internetzentrums (GIZ) vor, in dem Experten aus Bundeskriminalamt (BKA), Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und Bundesnachrichtendienst (BND) aktuelle islamistische Propaganda analysieren. "Inhalt und Verbreitungswege lassen auf die Authentizität des Videos schließen", heißt es in dem Bericht, der von BND und BKA erstellt wurde.

Al-Bagdadi wirke im Vergleich zu seinem letzten öffentlichen Auftritt "deutlich gealtert, aber in guter körperlicher Verfassung". Er spreche außerdem auffällig langsam. "Das Video gibt keine Hinweise auf den Aufenthaltsort al-Bagdadis", so das Fazit der Analyse durch die deutschen Sicherheitsbehörden.

Hauptanliegen: ein Lebenszeichen

Hauptanliegen des Videos sei es, "aktuelle Ereignisse zu kommentieren, ein Lebenszeichen des IS-Anführers zu senden, den IS als handlungsfähigen "Staat mit überregionalem Einfluss zu präsentieren und den Verlust seiner Territorien in Irak und Syrien zu relativieren".

Der IS versuche mit der Videobotschaft seines Anführers propagandistisch "seine Niederlage in al-Baghus" zu kompensieren, jener letzten IS-Hochburg in Südost-Syrien, die im Frühjahr durch kurdische Kampfverbände eingenommen wurde. Mehr als 90 Terroranschläge weltweit würden als vermeintlicher "Rachefeldzug" präsentiert. Zudem lobe al-Bagdadi die "Standhaftigkeit" von IS-Kämpfern in Regionen außerhalb von Syrien und dem Irak, etwa in Libyen.

IS-Kämpfer fliehen aus letzter Hochburg im Osten Syriens
tagesthemen 22:15 Uhr, 06.03.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo zzt. Baghus

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Kommentare zu aktuellen Ereignissen

Al-Bagdadi, so notieren die deutsche Terroranalysten, gehe auf "zahlreiche aktuelle Ereignisse" ein: wie etwa die Parlamentswahlen in Israel, die Machtwechsel im Sudan und Algerien sowie die Terroranschläge in Sri Lanka auf katholische Kirchen und Luxushotels am 21. April 2019. Wobei die Videobotschaft nachträglich bearbeitet worden sein könnte, um aktueller zu wirken. Im GIZ-Bericht der Sicherheitsbehörden heißt es:

"Die Kommentierung der Anschläge von Sri Lanka erfolgt über eine möglicherweise in das Video eingefügte Audiosequenz."

Sicherheitskräfte am Anschlagsort in Colombo
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Am Ostersonntag waren bei den Anschlägen auf Kirchen, Hotels und andere Orte in Sri Lanka mehr als 250 Menschen getötet worden. Die Regierung macht islamistische Extremisten für die Taten verantwortlich.

Aufnahme wohl zwischen 11. und 21. April

Sofern dies der Fall sei, lasse sich das Propagandavideo auf eine Zeit zwischen dem 11. April 2019 (Sturz des sudanesischen Staatspräsidenten Omar al-Baschir) und dem 21. April 2019 (Anschläge in Sri Lanka) einordnen.

Auffällig sei, dass al-Bagdadi weder den rechtsextremistischen Terroranschlag von Christchurch noch den bevorstehenden Fastenmonat Ramadan thematisiere.

Der IS-Anführer erwähne namentlich einige Dschihadisten, die bei Kämpfen um IS-Hochburgen im Irak, Syrien und Libyen eine herausragende Rolle gespielt hätten und bei Luftangriffen oder Kampfhandlungen ums Leben gekommen seien. Darunter Terroristen aus Saudi-Arabien, Tschetschenien, aber auch Australien, Belgien und Frankreich.

Durch die Nennung von "europäischen Angehörigen der Gruppierung" unterstreiche al-Bagdadi den "Anspruch des IS, ein global-dschihadistischer Akteur" zu sein, so die Analyse der Sicherheitsbehörden. Die Deklaration von Tunesien und der Türkei als Provinzen des IS könne zudem als "expansionistischer Anspruch" und "Drohung gegen diese Länder" aufgefasst werden.

Abu Bakr al-Bagdadi in einer Video-Aufnahme, die am 27. April 2019 vom IS verbreitet wurde. | Bildquelle: AFP
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Abu Bakr al-Bagdadi - Sreenshot aus der Video-Aufnahme, die am 27. April 2019 vom IS verbreitet wurde.

25 Millionen US-Dollar Kopfgeld

Die USA haben auf den IS-Anführer ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt. Über den genauen Aufenthaltsort von al-Bagdadi ist bislang nichts bekannt. Westliche Geheimdienste vermuteten in der Vergangenheit jedoch, dass sich der Terrorchef mehrheitlich im West-Irak an der Grenze zu Syrien aufhalten könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2019 um 06:45 Uhr.

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