Annalena Baerbock | EPA

Baerbock zu Plagiatsvorwürfen "Habe kein Sachbuch geschrieben"

Stand: 01.07.2021 21:02 Uhr

Nach den Plagiatsvorwürfen wegen ihres Buchs hat sich Grünen-Chefin Baerbock gegen die Kritik verteidigt. Es seien viele Ideen von anderen mit eingeflossen, sagte sie. Aber sie habe kein Sachbuch geschrieben.

In der Debatte über ihr Buch hat Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Kritik zurückgewiesen. "Ganz viele Ideen von anderen sind mit eingeflossen", sagte sie in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Brigitte" in Berlin. "Aber ich habe kein Sachbuch oder so geschrieben, sondern das, was ich mit diesem Land machen will - und auf der anderen Seite die Welt beschrieben, wie sie ist, anhand von Fakten und Realitäten."

Nach ihrer Nominierung als Kanzlerkandidatin im April habe sie erlebt, dass bewusst falsche Behauptungen über sie in die Welt gesetzt worden seien, sagte Baerbock. So werde etwa immer wieder angezweifelt, dass sie an der London School of Economics (LSE) einen Abschluss erworben habe. In den USA habe sich gezeigt, was mit einer Gesellschaft passiere, wenn sich Wahrheit und Unwahrheit vermischten. Ihre Partei habe deshalb deutlich gemacht, dass es bei dem Buch keine Urheberrechtsverletzungen gebe.

Medienwissenschaftler benennt mehrere Stellen

Die Vorwürfe gegen die Politikerin betreffen ihr Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern". Der österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber hatte auf mehrere Stellen darin hingewiesen, die auffällige Ähnlichkeiten zu anderen Veröffentlichungen aufweisen.

Dabei ging es zum Beispiel darum, dass sich Baerbocks Forderung nach einem Wohlstandsindikator in Abgrenzung zum Bruttoinlandsprodukt in ähnlichen Worten bei Wikipedia findet. An anderer Stelle nennt Baerbock drei geplante massive Bauten aus Holz in Amsterdam, Chicago und Tokio, eine Information, die teils wortgleich in einem "Spiegel"-Artikel von 2019 zu lesen ist. Auch gibt es etwa Ähnlichkeiten zu einem Blogeintrag, als Baerbock die Folgen des Klimawandels beschreibt.

Die Grünen weisen den Vorwurf angeblicher Urheberrechtsverletzungen zurück. Sie argumentieren wie auch der Verlag, die Wiedergabe allgemein bekannter Fakten sei unproblematisch.

Baerbock: Nein zu mehr Angriff

Sie habe dieses Buch geschrieben, um zu erklären, "wer ich bin und was mich antreibt", sagte Baerbock nun. Sie halte es für wichtig, selbstkritisch zu sein, aber auch deutlich zu machen, wofür man stehe und falsche Behauptungen zurückzuweisen.

Die Frage, ob sie im Wahlkampf künftig mehr auf Angriff setzen wolle, verneinte sie. "Wenn man sich immer nur von anderen treiben lässt, dann ist man ein Fähnchen im Wind." Der Anspruch der Grünen sei nicht, andere schlecht zu machen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 13:10 Uhr.