Kinderarmut | Bildquelle: dpa

Kinderhilfswerk Kinder häufiger armutsgefährdet als Erwachsene

Stand: 04.11.2019 13:02 Uhr

Kinder in Deutschland sind deutlich häufiger von Armut bedroht als Erwachsene, das hat das Deutsche Kinderhilfswerk errechnet. Die Organisation bekräftigte deshalb ihre Forderung nach einer Kindergrundsicherung.

In allen 16 Bundesländern sind Kinder deutlich häufiger von Armut bedroht als Erwachsene. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Deutschen Kinderhilfswerks hervor, die auf Daten des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht.

Regional offenbaren sich deutliche Unterschiede bei den Armutsgefährdungsquoten von Kindern und Erwachsenen: In Bayern lag die Armutsgefährdungsquote von Kindern mit 12,9 Prozent um 1,5 Prozentpunkte über der von Erwachsenen mit 11,4 Prozent. In Bremen - am anderen Ende des Ländervergleichs - fiel die Differenz mit 15,6 Prozentpunkten dagegen deutlich höher aus. Die meisten Bundesländer verzeichneten Werte zwischen 5,0 und 8,0 Prozentpunkten.

Deutliche regionale Unterschiede

Deutliche regionale Unterschiede gibt es zudem in der Frage, wie sich die Armutsgefährdungsquoten in den Ländern zwischen 2008 und 2018 entwickelt haben. Während in der einen Hälfte der Bundesländer die Armutsgefährdung bei Kindern stärker als die der Erwachsenen gestiegen ist, hat sich in der anderen Hälfte die Armutsgefährdungsquote der Kinder im Vergleich zu den Erwachsenen verringert.

Besonders positive Entwicklungen liegen laut der Auswertung in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor. Dort sanken die Armutsgefährdungsquoten insgesamt, die von Kindern jedoch stärker als die der Erwachsenen. Einen negativen Trend mit einer Zunahme der Armutsgefährdung insgesamt sowie einer stärkeren Zunahme bei Kindern verzeichneten Länder wie Bremen und Rheinland-Pfalz.

"Natürlich ist Kinderarmut eng mit der Armut der Eltern verknüpft, aber die unterschiedliche Entwicklung der Armutsquoten von Kindern und Erwachsenen zeigt, dass das Problem einer eigenständigen Lösung bedarf", erklärte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger. Bund, Länder und Kommunen müssten nach Ansicht der Organisation ihren Kampf gegen Kinderarmut deutlich effektiver führen.

Kinder spielen auf einem Spielplatz | Bildquelle: AP
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Kinder spielen auf einem Spielplatz

Kinderhilfswerk fordert Kindergrundsicherung

Das kürzlich in Kraft getretene "Starke-Familien-Gesetz" und die Änderungen beim Bildungs- und Teilhabepaket seien zwar wichtige Schritte gegen die Kinderarmut, denen nun "möglichst zügig eine Kindergrundsicherung, die ihren Namen verdient, folgen" müsse, sagte Krüger.

"Die Förderung armer Kinder und ihrer Familien sowie unbürokratische Zugänge zu armutsvermeidenden Leistungen gehören auf der Prioritätenliste ganz nach oben", so Krüger weiter. Er rief die Bundesregierung deshalb auf, den Vorschlag der Familienministerkonferenz zur Einrichtung von Familienservicezentren aufzugreifen, in denen Familien qualifiziert beraten werden sollen und sie gleichzeitig auch Leistungen beantragen können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2019 um 12:00 Uhr.

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