Fragen und Antworten

Armutsrisiko in der EU steigt

Statistisches Bundesamt Gefahr von Armut in Westdeutschland steigt

Stand: 22.09.2016 17:13 Uhr

Immer mehr Menschen in Deutschland leben an der Armutsgrenze. In allen westdeutschen Bundesländern - außer Hamburg - war die Armutsgefährdung 2015 höher als noch vor zehn Jahren. In den neuen Bundesländern ist die Quote dagegen gesunken.

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Wirtschaft und Arbeitsmarkt brummen - dennoch waren im Westen Deutschlands zuletzt mehr Menschen von Armut bedroht als vor zehn Jahren. In Duisburg und Dortmund trifft es zum Beispiel gut jeden Vierten. Im Osten hingegen verläuft die Entwicklung genau andersherum, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, stellt unter dem Strich allerdings fest: "Wir haben mit 15,7 Prozent einen neuerlichen Höchststand der Armut im wiedervereinten Deutschland."

In welchen Bundesländern sind besonders viele Menschen von Armut bedroht?

Bremen schneidet am schlechtesten ab. Fast jeder Vierte ist in dem Stadtstaat von Armut bedroht. Es folgen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils rund 20 Prozent. Der Anstieg der Armutsgefährdung ist in Bremen und Berlin im Zehn-Jahres-Vergleich dabei ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Am stärksten wuchs das Armutsrisiko allerdings in Nordrhein-Westfalen. In Mecklenburg-Vorpommern ging es dagegen zurück.

Welche Bundesländer schneiden gut ab?

In Bayern und Baden-Württemberg ist nur gut jeder Zehnte von Armut bedroht. Auf Platz drei rangiert Hessen, gefolgt von Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Saarland und Nordrhein-Westfalen.

Welche Städte schneiden am schlechtesten ab, welche besonders gut?

In der Liste von 15 Großstädten schneidet Duisburg besonders schlecht ab. In der 491 000-Einwohner-Stadt ist deutlich mehr als jeder Vierte von Armut bedroht. Dortmund und Leipzig stehen etwas besser dar. Aber auch in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hannover, Köln, Nürnberg und Stuttgart waren mehr Menschen von Armut und Ausgrenzung bedroht als 2005. Einen leichten Rückgang gab es in Dresden. Das ohnehin wohlhabende München konnte sich noch verbessern, in Hamburg war der Anteil in beiden Jahren gleich hoch.

Was verstehen die Statistiker unter Armutsgefährdung?

Von Armut bedroht ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens im Bundesdurchschnitt zur Verfügung hat. Für einen Singlehaushalt sind das 942 Euro pro Monat, 1978 Euro sind es für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren.

Mit Informationen der dpa

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. September 2016 um 11:00 Uhr.

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