RKI-Vize Schaade | AFP

Coronavirus in Deutschland RKI erwartet konstante Ansteckungsrate

Stand: 12.05.2020 11:32 Uhr

Der R-Wert werde voraussichtlich bei etwa 1 bleiben - das RKI bewertet das aber nicht als problematisch. Unter bestimmten Voraussetzungen hält RKI-Vizepräsident Schaade sogar Grenzöffnungen für möglich.

Die sogenannte Reproduktionszahl des Coronavirus könnte nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) auch in den nächsten Tagen weiter bei etwa 1 liegen. Ursache sei, dass sich die Zahl täglicher Neuinfektionen kaum mehr verringere und sich einem Plateau nähere, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade.

In Deutschland liegt der R-Wert, der die Ansteckungsrate angibt, derzeit bei 1,07. Das heißt, dass rein rechnerisch ein Infizierter mehr als eine andere Person ansteckt. Einzelne Tage, an denen der R-Wert über 1 liege, seien aber nicht problematisch. Erst, wenn der R-Wert an mehreren Tagen in Folge den Wert von 1,2 oder 1,3 erreiche, müsse man "genau hinschauen". Der R-Wert bilde jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab, der gestern gemeldete Wert zum Beispiel die Situation in der Zeit vom 28. April bis 3. Mai, sagte Schaade.

R-Wert nicht der einzige Faktor für Lagebewertung

Generell unterliege der R-Wert Schwankungen. Das liege unter anderem daran, dass einzelne Ausbrüche, wie zuletzt in mehreren Schlachthöfen, den Wert stärker beeinflussten als bei insgesamt größeren Infektionszahlen. Je weniger Corona-Fälle es insgesamt gibt, desto größer ist die rechnerische Auswirkung einzelner Infektionsherde auf den R-Wert. Schaade kündigte an, das RKI werde daher künftig einen sogenannten geglätteten R-Wert mitteilen, bei dem solche Schwankungen besser ausgeglichen würden. Dieser habe in der vergangenen Woche an keinem Tag über 1 gelegen.

Darüber hinaus sei der R-Wert nicht alleine entscheidend, um die aktuelle Lage zu bewerten. Wichtig seien auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl der positiv ausgefallenen Tests sowie die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens, sagte der RKI-Vizepräsident.

Grenzöffnungen möglich - unter Voraussetzungen

Insgesamt haben sich in Deutschland laut RKI bislang 170.508 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, in den vergangenen 24 Stunden wurden 933 Neuinfektionen gemeldet. Das sei in etwa vergleichbar mit den Tageszahlen der vergangenen Woche, so Schaade. Rund 147.200 Menschen haben die Infektion bereits überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten aber auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle. Schaade mahnte daher: "Helfen Sie mit, das Virus auch weiterhin in Schach zu halten." Das Virus sei noch nicht weg.

Trotzdem hält Schaade Grenzöffnungen in Europa unter gewissen Voraussetzungen für möglich. Wenn es einen Gleichklang und eine ähnliche epidemiologische Situation in den Nachbarstaaten gebe, könne man eine solche Grenzöffnung rechtfertigen, sagte der RKI-Vizepräsident.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Mai 2020 um 10:00 Uhr.