Blick auf Kabul | AFP

Deutsche in Kabul Botschaft geschlossen, Personal verlegt

Stand: 15.08.2021 16:07 Uhr

In Sicherheit - vorerst: Das deutsche Botschaftspersonal ist zum Flughafen von Kabul gebracht worden. Ab morgen wird es offenbar von der Bundeswehr ausgeflogen. Auch für die Ortskräfte könnte das die Rettung sein.

Deutschland hat seine Botschaft in Afghanistan wegen des Vorrückens der Taliban geschlossen und das Personal auf den militärischen Teil des Flughafens verlegt. Das teilte Außenminister Heiko Maas mit.

Für den Nachmittag habe er erneut den Krisenstab der Bundesregierung einberufen. Es gehe darum, "Sofortmaßnahmen zur Sicherung und zur Ausreise deutscher Bediensteter und weiterer gefährdeter Personen aus Afghanistan auf den Weg zu bringen".

Zuvor hatte "Der Spiegel» über die Evakuierung der deutschen Botschaft berichtet. Nach ersten Meldungen über das Eindringen von Taliban-Einheiten in die Stadt seien die etwa 20 Botschaftsangehörigen und die Bundespolizisten, die zum Schutz der diplomatischen Vertretung abgestellt sind, zum militärisch gesicherten Flughafen gebracht worden.

Vizekanzler Olaf Scholz sagte im ARD-Sommerinterview, es gehe jetzt um Tempo. Dies sei auch möglich. Alle Dinge seien "auf den Weg gebracht".

Ausfliegen ab Montag

Die Bundeswehr wird am Montag mit Ausfliegen Deutscher und afghanischer Ortskräfte beginnen. Mehrere Transportmaschinen vom Typ A400M sollen laut Medienberichten in die Stadt fliegen. Diese Maschinen böten höchsten Schutz, berichtet unter anderem die "Bild am Sonntag".

Voraussichtlich werde in der usbekischen Hauptstadt Taschkent eine Drehscheibe für Zwischenlandungen der A400M-Maschinen eingerichtet. Von dort sollten die Passagiere mit Chartermaschinen nach Deutschland gebracht werden. Maas sagte der "Bild am Sonntag", man werde nicht riskieren, "dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen. Wir sind für alle Szenarien vorbereitet".

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte zu, das Auswärtige Amt beim Ausfliegen des Botschaftspersonals und von Ortskräften zu unterstützen. Im Gespräch sei, bei der Aktion vor allem Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte einzusetzen - eine Einheit, die genau für solche Krisen und Notfall-Aufgaben bereit steht.

Für den Evakuierungseinsatz der Bundeswehr ist ein Mandat des Bundestags nötig. Dieses wird derzeit vorbereitet. Vermutlich muss es aber nachträglich erteilt werden, da der Bundestag erst am 25. August zu einer Sondersitzung zusammenkommt und es dann zu spät für Hilfe sein könnte.

Hilfe für Ortskräfte gefordert

Auch afghanische Ortskräfte könnten schnell außer Landes gebracht werden. Innenminister Horst Seehofer hatte angekündigt, dass die Identitätsfeststellung und die Vergabe von Visa notfalls auch in Deutschland erfolgen könnte.

Hilfe für die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr hatten zuvor mehrere Politiker gefordert - unter anderem auch CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet: "Diesen Leuten muss geholfen werden, sie müssen jetzt rausgeholt werden", sagte Laschet. Deutschland könne nicht länger zusehen, wie die Ortskräfte von den Taliban bedroht würden.

"Augen vor Realität verschlossen"

"Viel zu lange hat die Bundesregierung die Augen vor der Realität verschlossen“, kritisierte Grünen- Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in der "Süddeutschen Zeitung". Das räche sich jetzt. Die Regierung müsse nun alles unternehmen, um Leben zu retten, auch mit Hilfe der Bundeswehr. Bedroht seien neben Botschaftsangehörigen und Ortskräften auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Frauenrechtlerinnen.

FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff warf der Bundesregierung Planlosigkeit vor. Die Evakuierungen hätten längst geplant sein können, sagte er der "Rheinischen Post". Es gebe Schuldzuweisungen zwischen den Ministerien. "Das ist eine unwürdige Diskussion." Auch Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu verlangte eine Evakuierung der Ortskräfte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2021 um 14:00 Uhr.