Alexander Gauland | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Parteivorsitz Stühlerücken bei der AfD

Stand: 27.11.2019 18:04 Uhr

Der Kurs der AfD hängt maßgeblich an der Führung, die am Wochenende beim Parteitag gewählt wird. Der bisherige Vorsitzende Gauland will laut Medienberichten nicht mehr antreten. Für ihn könnte der Sachse Chrupalla aufrücken.

Das kommende Wochenende dürfte für die AfD einen Wechsel an der Parteispitze bringen. Der bisherige Chef Alexander Gauland wird einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge nicht noch einmal für das Amt kandidieren. Auch die "Bild"-Zeitung berichtet über den Verzicht.

Zuletzt hatte Gauland offen gelassen, ob er erneut antritt: "Unter normalen Umständen glaube ich nicht, dass ich nochmal antrete." Die Parteitagsdynamik könne dies aber erfordern, betonte der 78-Jährige und verwies auf die Wahl vor zwei Jahren. Damals war die damals kaum bekannte - und mittlerweile aus der AfD ausgeschlossene - Doris Sayn-Wittgenstein ins Rennen geschickt worden, weshalb Gauland kurzentschlossen neben dem Fraktions- auch den Parteivorsitz übernahm.

Parteivorsitz mehrere Nummern zu groß?

Parteiintern wirbt Gauland seit längerer Zeit für Tino Chrupalla. Der 44-jähriger Malermeister aus Sachsen sitzt im Bundestag und gilt als Vertrauter von Gauland. Chrupalla bestätigte, dass er in Braunschweig antreten will. Chrupalla ist kein "Flügel"-Mitglied, hat aber beste Kontakte zu dessen Vertretern. Der Thüringer AfD-Landeschef und "Flügel"-Gründer, Björn Höcke, hatte Ende Oktober auf die Frage nach einer stärkeren Vertretung der Ost-Verbände im neuen Bundesvorstand ausdrücklich auf Chrupalla verwiesen. Wohlwollend sieht ihn auch der Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz, der als wichtige "Flügel"-Figur gilt. In der Gruppierung sind rechtsnationale AfD-Politiker organisiert.

Auch die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Alice Weidel, erklärte, sie könne sich Chrupalla in einer wichtigen Rolle vorstellen. Laut Beobachtern könnte auch der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen, dessen Wiederwahl als wahrscheinlich gilt, mit Chrupalla an der Parteispitze leben.

Andere AfD Politiker sehen Chrupalla nicht ganz so positiv. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Partei die Frage aufgeworfen, ob der Parteivorsitz für ihn nicht mehrere Nummern zu groß sei. Chrupalla war Anfang des Jahres in die Schlagzeilen geraten, als er eine Schwarze Liste für "unseriöse Pressevertreter" forderte. In einer Medienstrategie formulierte Chrupalla, man werde die Zusammenarbeit mit voreingenommenen Journalisten aufkündigen und die Weitergabe jeglicher Informationen verweigern.

Kampf um Gauland-Nachfolge vor AfD-Parteitag
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.11.2019, Martin Schmidt, ARD Berlin

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Sieg gegen Kretschmer 2017

Der Vorsitzende des AfD-Jugendverbands Junge Alternative, Damian Lohr, sprach sich für Chrupalla aus. Dieser sei "ein pflichtbewusster, lockerer, integrer Typ, ein hervorragender Kandidat", sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio. Mit Meuthen "hat man einen westdeutschen Akademiker an der Spitze, da würde es ganz gut tun, wenn man sagt: Wir als AfD nehmen auch den Osten mit."

Viel politische Erfahrung hat Chrupalla nicht. Als Jugendlicher war er für kurze Zeit in der Jungen Union, nach der Wende wählte er nach eigenen Angaben CDU und FDP. Doch habe ihn die "Arroganz" der etablierten Parteien gestört, die den Mittelstand zu wenig beachteten. Die Eurokrise habe ein "Umdenken" bei ihm ausgelöst: 2014 wählte er die gerade gegründete AfD, 2015 trat er in die Partei ein. 2017 landete Chrupalla als Kandidat für die Bundestagswahl seinen bislang größten Coup: Er holte für die AfD das Direktmandat im Wahlkreis Görlitz - und zwar gegen den damaligen Unionsfraktionsvize und heutigen sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer.

Weitere Kandidaten

Welche Chancen die weiteren Bewerber nun haben, wird der Parteitag in Braunschweig zeigen. Auch der innenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Gottfried Curio, hat seine Kandidatur angekündigt. Außerdem könnte Dana Guth antreten. Die Fraktionsvorsitzende der AfD im niedersächsischen Landtag wird innerparteilich dem Lager der Gemäßigten zugerechnet. Die rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst erwägt ebenfalls eine Kandidatur.

Programmatische Entscheidungen stehen bei dem zweitägigen Treffen nicht an. Die Wahl der Vorsitzenden wird jedoch zeigen, welchen Kurs die Partei nimmt.

Mit Informationen von Kilian Pfeffer, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2019 um 19:00 Uhr.

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