AfD-Chef Lucke während seiner Rede beim Parteitag

Machtkampf in der AfD Lucke geht in die Offensive

Stand: 11.05.2015 13:00 Uhr

Im Machtkampf der AfD geht Parteichef Lucke in die Offensive: In einem Brief an alle Parteimitglieder fordert er, der rechte Flügel müsse die Partei verlassen. Zuvor hatte Co-Chef Adam öffentlich über einen möglichen Austritt Luckes spekuliert.

AfD-Chef Bernd Lucke hat angebliche Pläne dementiert, er wolle aus seiner Partei austreten und möglicherweise eine neue gründen. "An dem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache", schrieb Lucke in einem Rundbrief an alle Parteimitglieder, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert.

In dem Schreiben wirft er dem rechten Flügel seiner Partei vor, das Ansehen der AfD mit ihren deutschnationalen, islam- und zuwanderungsfeindlichen Parolen zu beschmutzen. Viele gemäßigtere Mitglieder befürchteten deswegen inzwischen schon berufliche Nachteile oder soziale Ausgrenzung, wenn ihre AfD-Mitgliedschaft bekannt sei. Die AfD könne nicht "einfach so weitermachen wie bisher". Er fordert deshalb, der rechte Flügel müsse die Partei verlassen.

Gemeinsame Konferenz mit Henkel

Bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit Hans-Olaf Henkel will Lucke voraussichtlich am 18. Mai mit den "Karrieristen, Querulanten und Intriganten" in der AfD abrechnen, berichtet "Spiegel Online". Der EU-Parlamentarier Henkel hatte vor wenigen Wochen seinen Posten im AfD-Bundesvorstand mit der Begründung niedergelegt, dass ihm die Partei zu sehr nach rechts gerückt sei. Auch er forderte Vertreter des nationalkonservativen Flügels auf, die Partei zu verlassen.

Brandenburgs AfD-Chef Gauland warf Lucke den Versuch vor, "bestimmte Kräfte aus der Partei zu entfernen". Die unterschiedlichen Flügel wären "kein Problem, wenn Bernd Lucke integrieren würde", sagte Gauland der "Bild"-Zeitung. Manche Aussagen in Luckes E-Mail seien "völlig falsch".

Co-Chef Adam spekuliert über Austritt Luckes

Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung Luckes Co-Vorsitzenden, Konrad Adam, mit den Worten zitiert: "Es gibt handfeste Indizien dafür, dass Bernd Lucke sich dazu entschieden hat, die AfD zu verlassen." In seinem Rundbrief erklärte Lucke dazu: "Ich war sehr überrascht, sozusagen die Nachricht meines eigenen Ablebens lesen zu müssen. Dies umso mehr, als Herr Adam mich zu meiner angeblichen Absicht nie befragt hat."

Auf dem Parteitag im Juni will Lucke sich zum alleinigen Parteichef wählen lassen. Er würde dann die bislang dreiköpfige Führungsspitze ablösen. Doch seine Konkurrenten erfahren viel Zuspruch in jüngster Zeit. Vor allem die ostdeutschen Verbände stützen die Parteirechte Co-Chefin Frauke Petry.

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