Richard Grenell | Bildquelle: AP

US-Botschafter vor Rückzug Grenell könnte einigen noch fehlen

Stand: 26.05.2020 13:44 Uhr

Der US-Botschafter Grenell brüskierte oft mit seinen barschen Ansagen die Bundespolitik. Nun steht er vor dem Absprung, was nicht alle in Berlin erfreut. Manchem graut vor einem diplomatischen Stillstand.

Von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio

Wenn ein Diplomat auf dem Absprung ist, der so undiplomatisch auftritt wie Richard Grenell, dann könnte man ein breites Aufatmen erwarten. Erleichterung sogar? Nein, das sei das falsche Wort, meint Nils Schmid, Außenpolitik-Experte der SPD, im Interview. "Mir geht es darum, dass Deutsche und Amerikaner gut zusammen arbeiten. Dazu braucht es ein politisches Schwergewicht in Berlin."

"Authentischer Botschafter"

Ein Schwergewicht, das ist Grenell definitiv. Er war und ist stramm auf Kurs von US-Präsident Donald Trump. Als Botschafter trat er mal mit Forderungen, mal mit Drohungen auf. Gerne teilte er sich auch per Tweet mit. Adressaten waren die Bundesregierung und deutsche Unternehmen, damit die im US-Interesse dem Iran, Russland oder China die Stirn bieten.

Doch gerade diese Art werde man noch vermissen, meint Alexander Graf Lambsdorff. Der Außenexperte der FDP-Fraktion bedauert den wohl bevorstehenden Rückzug. Denn Grenell sei ja ein authentischer Botschafter seines Präsidenten. Das sei nicht immer einfach gewesen, manchmal sogar mühsam, sagt der Liberale. "Als Botschafter war Grenell aber jemand bei dem man wusste, wie die amerikanische Regierung denkt und handelt."

"Keine gute Nachricht"

Die amerikanische Politik zu verstehen, könnte also noch schwieriger werden. Schon seit Februar war Grenell mehr in Washington als in Berlin im Einsatz - vorübergehend als Geheimdienstkoordinator. Bis zur US-Wahl im November und vermutlich deutlich länger dürfte der Berliner Botschafter-Posten unbesetzt bleiben. Wie zu Beginn von Trumps Amtszeit, als die USA 15 Monate lang keinen Botschafter in Berlin hatten. Grenells Rückzug sei "keine gute Nachricht" - mit Blick auf eine "schwere transatlantische Krisenlage", warnt Wolfgang Ischinger, der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz.

"Damit ist fast die Hälfte der Amtszeit Trumps kein Botschafter in Deutschland vorzufinden", stellt der Außenexperte der Grünen, Omid Nouripour, fest.  Das sei bedauerlich. Aber die Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern seien stark.

Hoffnung auf Karriere-Diplomaten?

Das transatlantische Verhältnis werde eben nicht nur von Regierungen, sondern von den Gesellschaften geprägt, betonen Außenpolitiker stets. SPD-Politiker Schmid sieht trotz aller Bedenken auch eine Chance darin, wenn der US-Botschafter vorzeitig geht. "Vielleicht können wir im Alltagsgeschäft mit den Karriere-Diplomaten der amerikanischen Botschaft in der Sache besser zusammenarbeiten, als es die polarisierende Art Grenells zugelassen hatte", hofft er.

Es wird sich also noch für deutsche Diplomaten zeigen, was es heißt, statt eines schwierigen US-Botschafters für längere Zeit womöglich wieder gar keinen US-Botschafter in Berlin zu haben.

US-Botschafter auf dem Absprung
Markus Sambale, ARD Berlin
26.05.2020 12:56 Uhr

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07 dieses Thema berichtete WDR 5 am 26. Mai 2020 um 07:48 Uhr.

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