Die Twitter auf einem iPhone. | REUTERS
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Studie zu Falschnachrichten Ein Klick mehr für weniger Fake News?

Stand: 17.03.2021 17:52 Uhr

Im Zeitalter der Sozialen Medien reicht ein Klick, um eine Falschnachricht in zahlreiche Timelines zu spülen. Ein Forscherteam sagt nun, ein einfacher Hinweis könnte gegen die Verbreitung von Fake News helfen.

Kann ein einfacher Hinweis in sozialen Netzwerken dazu beitragen, dass Nutzerinnen und Nutzer weniger Falschnachrichten verbreiten? Es klingt simpel, doch genau zu dieser Erkenntnis kommt eine aktuelle Studie, die im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht wurde. Ein Autorenteam um den Psychologen Gordon Pennycook von der kanadischen University of Regina konnte in einem Experiment nachweisen, dass Probanden auf Twitter eher Nachrichten von höherer Qualität teilten - beurteilt anhand eines "quality scores" für Medien - nachdem sie in einer privaten Nachricht gebeten wurden, den Wahrheitsgehalt einer nicht-politischen Überschrift zu beurteilen.

Zuvor hatten die Forscher herausgefunden, dass die Befragten zwar oft recht gut erkannten, welche Nachrichten wahr oder falsch sind, dass das aber kaum einen Effekt darauf hatte, ob sie die Nachricht teilten. Und das, obwohl die meisten Befragten es für wichtig hielten, nur wahre Nachrichten zu teilen.

Die Wissenschaftler werteten das als Bestätigung ihrer Hypothese, dass für das Teilen von Nachrichten andere Faktoren eine größere Rolle spielen als der Wahrheitsgehalt - so etwa die emotionale Bestätigung der eigenen Meinung oder der Wunsch, die eigene Partei gut dastehen zu sehen. Die Autoren sehen daher einfache Maßnahmen wie eine private Nachricht oder das Nachfragen vor dem Teilen einer Meldung als einen vielversprechenden Ansatz im Kampf gegen Fake News.

Kann es tatsächlich so einfach sein?

Axel Bruhns, Professor für Medien- und Kommunikationsforschung an der australischen Queensland University of Technology, gibt allerdings zu bedenken, dass der Effekt solcher Hinweise abklingen könnte, je öfter sie wiederholt werden: Nutzerinnen und Nutzer könnten sich an solche Hinweise gewöhnen und sie übersehen, wenn sie zur Routine bei der Nutzung der Plattformen werden.

Diese Befürchtung teilt auch Nicole Krämer, Sozialpsychologin an der Universität Duisburg-Essen. Einen geringen Effekt könnten ihrer Meinung nach solche Maßnahmen zudem auf Personen haben, die entweder gewohnheitsmäßig oder auf Basis der Tatsache, dass sie die in den Falschnachrichten dargestellte Tendenz teilen, diese weiterleiten.

"Auf der anderen Seite können damit diejenigen erreicht werden, die keine starken Meinungen zu dem entsprechenden Thema vertreten, aber bislang dennoch Falschnachrichten geteilt haben, weil sie zu wenig auf deren Akkuratheit geachtet haben", sagt die Wissenschaftlerin. Da diese Personengruppe in vielen Fällen wahrscheinlich größer sei als die der Parteigänger, "könnten diese verhältnismäßig einfach zu implementierenden Maßnahmen zumindest einen basalen Effekt haben."