Die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken hält ein Rede auf dem Landesparteitag in Baden-Württemberg. | dpa
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Treffen mit Ukraines Botschafter Verwirrung nach Esken-Tweet

Stand: 19.04.2022 14:07 Uhr

Ein Tweet, ein Bild ohne Datum, falsche Medienberichte: Die verzwickte Beziehung zwischen der SPD und dem ukrainischen Botschafter Melnyk ist um ein Kapitel reicher.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

In verschiedenen deutschen Medien ist heute Morgen eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa über ein Treffen zwischen der SPD-Spitze und dem ukrainischen Botschafter in Berlin erschienen.

Darin hieß es, nach "erneut scharfer Kritik des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk an der Russland-Politik der Sozialdemokraten hat sich die SPD-Spitze mit dem Diplomaten getroffen". Die dpa bezog sich dabei auf einen Tweet von SPD-Chefin Saskia Esken, in dem es hieß:

Gerade in Zeiten, in denen uns die Herzen schwer sind und die Debatten manchmal hitzig, ist es umso wertvoller, das offene und vertrauensvolle Gespräch zu pflegen.

Dazu twitterte die SPD-Vorsitzende ein Bild, das sie und Co-Parteichef Lars Klingbeil an der Seite von Melnyk zeigt.

Twitterpost der SPD-Politikerin Saskia Esken

Neben vielen positiven Kommentaren gab es aber auch Fragen und Kritik: "Bild"-Reporter Paul Ronzheimer twitterte, das Treffen solle nach Informationen des Blatts erst noch stattfinden. Das Foto sei vom 6. April, berichtete die "Bild".

Eine Rückwärtssuche mit verschiedenen Suchmaschinen brachte keine Treffer für das Foto. Allerdings geht aus einem Tweet des ukrainischen Botschafters hervor, dass das Treffen noch nicht stattfand. Melnyk bedankte sich für die Einladung und schrieb, er freue sich auf ein Treffen am Mittwoch.

Aus SPD-Kreisen hieß es auf Anfrage von tagesschau.de, es gebe einen kontinuierlichen Austausch mit dem Botschafter. Weitere Treffen seien "zeitnah" geplant.

Die dpa korrigierte ihren Bericht mittlerweile und schrieb, der Tweet samt Foto habe den Eindruck erweckt, es habe bereits nach dem Osterwochenende ein weiteres Treffen der Parteispitze mit Melnyk gegeben.

Das Beispiel zeigt anschaulich, wie leicht Fotos ohne Kontext oder Datumsangabe - auch unbeabsichtigt - zu irreführenden Annahmen führen können. Bei gezielter Desinformation werden immer wieder mutwillig alte Bilder und Videos benutzt, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen.

Über dieses Thema berichtete BR24 im Hörfunk am 19. April 2022 um 09:00 Uhr.